Es ist ein kleines Erdbeben, was Google da gerade angekündigt hat: Die Produktsuche soll in Zukunft nur noch bezahlte Ergebnisse liefern.

Zeitplan

Googles Zeitplan sieht vor, den Übergang von der Produktsuche zu Google Shopping in den USA bis Herbst abzuschließen. Ab sofort beginnt Google in Amerika mit Experimenten, in denen Produktergebnisse mit Produktlistenanzeigen vermischt werden. Auch bietet Google US-Werbetreibenden, die jetzt schon Produktanzeigen schalten, 10% Rabatt bis zum Jahresende. Wer ein Formular ausfüllt, bekommt außerdem noch mal 100 Dollar Guthaben für Produktanzeigen.

Deutsche Shops profitieren wohl ausnahmsweise mal davon, dass Google ein neues Produkt zuerst auf den U.S.-Markt einführt. Wie Danny Sullivan auf Search Engine Land berichtet, wird die Umstellung auf Bezahlergebnisse außerhalb der der Staaten im nächsten Jahr erfolgen. Was das genau für Deutschland heißt, erfahren wir vielleicht demnächst im Google Händler Blog oder beim deutschen Inside AdWords Blog – warten wir’s mal ab. Zumindest besteht hierzulande erst mal kein dringender Handlungsbedarf.

Technik & Abrechnung

Zur technischen Seite sei erwähnt, dass das neue Google Shopping zunächst über AdWords Produktlistenanzeigen ausgesteuert wird. Sogar ausschließende Suchbegriffe funktionieren dort, wie RKG in einem lesenswerten Artikel berichtet.

Abgerechnet werden die bezahlten Suchergebnisse wie üblich pro Klick, so dass das übliche Gebotssystem zum Einsatz kommt. Ausschlaggebend sind dann wieder Klick-Gebote und eine irgendwie benannte Relevanzkennzahl, was wieder auf die Klickwahrscheinlichkeit hinauslaufen dürfte.

Auf Search Engine Land wird auch erwähnt, dass Produktlistenanzeigen wohl erst mal nur für den Übergang sorgen sollen, so dass möglicherweise noch etwas anderes folgt.

Was kommt als nächstes?

Die Umwandlung von der freien Produktsuche ins kostenpflichtige Google Shopping ist ein bisher einmaliger Vorgang, der die Frage aufwirft, ob anderen Google-Diensten ein ähnliches Schicksal droht. Denkbar wäre das vor allem bei Google Places – schließlich ist das Bezahlen für einen Eintrag ins Branchenbuch genau so üblich wie für das Listing in einer Preissuchmaschine. Da Places aber gerade erst in Google Plus aufgeht (siehe Blogpost), denke ich, dass sich Google mit diesem Schritt erst mal Zeit lässt.

Nicht unwahrscheinlich ist aber auch, dass sich Google bei der Verbesserung und dem Ausbau von Google Shopping nun ähnlich stark engagieren wird wie bei AdWords. Eine Verzahnung mit dem noch immer nicht ganz ausgerollten Trusted Stores Programm hat Google schon in der offiziellen Ankündigung erwähnt. In einem ebenfalls lesenswerten Artikel spekuliert Philipp Klöckner außerdem über eine Verknüpfung mit Google Checkout und den (nur in den USA verfügbaren) Googel Offers.

Denkbar ist auch, dass die lokale Produktsuche noch mal stärker ins Auge rückt. Und das Remarketing auf Produkte-Basis (da hatten wir vor längerer Zeit drüber berichtet) scheint auch so langsam zu einem fertigen Produkt zu reifen. Rund um das Thema Google Shopping dürfte es also auch in nächster Zeit nicht langweilig werden.

Fazit

Für Online-Shops bricht in absehbarer Zeit eine Quelle kostenlosen Traffics weg, was sicher keine gute Nachricht ist. Google verkauft das Ganze als Verbesserung der Qualität, was man als vorgeschoben betrachten mag, was aber sicher auch nicht ganz falsch ist.

Wie sich das alles moralisch bewerten lässt – insbesondere im Hinblick auf Googles frühere Aussagen, Paid Inclusion grundsätzlich abzulehnen – sei mal dahin gestellt. Wir werden uns jedenfalls damit abfinden müssen. Für den Moment dürfen wir uns aber einfach mal zurücklehnen und abwarten, was in den Vereinigten Staaten passiert.

About Martin Röttgerding

Martin Röttgerding ist Head of SEM und schreibt schwerpunktmäßig über Google AdWords bei den Internetkapitänen, im suchradar und hin und wieder in seinem AdWords-Profi-Blog PPC Epiphany.

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