Das „Must-Read“ für SEOs, die von SEOmoz zusammengestellte Meinung vieler bekannter SEOs zu Ranking-Faktoren, ist seit einigen Tagen verfügbar: Search Engine Ranking Factors 2009

Insgesamt hat sich gegenüber 2007 schon einiges getan. So spiegelt die Auflistung auf jeden Fall den zunehmende Fokus auf Verlinkung wider. Wenn man sich die Top 5 Faktoren 2009 anschaut, könnte man meinen, dass On-Page-Faktoren niemanden mehr interessieren:

  1. Keyword Focused Anchor Text from External Links (heißt: die Suchbegriffe müssen in den Linktexten externer Links vorkommen)
  2. External Link Popularity (heißt: Anzahl und Qualität externer Links)
  3. Diversity of Link Sources (heißt: Links müssen von vielen unterschiedlichen Domains kommen)
  4. Keyword Use Anywhere in the Title Tag (heißt: Suchbegriffe müssen im Titel vorkommen)
  5. Trustworthiness of the Domain Based on Link Distance from Trusted Domains (heißt: Suchmaschinen müssen den verlinkenden Websites trauen)

Und das muss man mal mit den Ergebnissen von 2007 vergleichen:

  1. Title Tag
  2. Anchor Text of Links
  3. Keyword Use in Document Text
  4. Accessibility of Document
  5. Links to Document from Site-Internal Pages

Also: In 2009 haben gewinnen die Off-Page-Faktoren gegen die On-Page-Faktoren 4:1. 2007 war’s mit 1:4 noch genau umgekehrt.

Das ganze könnte jetzt natürlich einen falschen Schluss erlauben – nämlich, dass On-Page-Faktoren unwichtig sind. Oder: Egal, wie ich meine Website zusammenschustere – Hauptsache, ich habe die besten Links.

Das stimmt so sicherlich nicht. Google & Co. sind etwas schlauer geworden und können z.B.

  • besser mit Flash umgehen
  • besser mit JavaScript umgehen
  • Splash-Pages erkennen und überbrücken
  • PageRank Splits besser verkraften

Aber ich glaube nach wie vor nicht, dass man an On-Page vorbeikommt. Man braucht eben beides: Gute, auf Suchbegriffe abgestimmte Inhalte und viele gute Links.

Was ich zwischen den Zeilen lese, ist das Folgende:

  1. Google wird immer schlauer und anspruchsvoller in Bezug auf Verlinkung, so dass es mehr Aufwand braucht, gute Links zu besorgen.
  2. On-Page ist zwar nach wie vor wichtig und unerlässlich, wird aber als der unkritischere Teil eines Projektes angesehen. Das deckt sich nicht unbedingt mit meiner täglichen Erfahrung (vor allem bei größeren Projekten).

Ich denke, dass man sich die Search Engine Ranking Factors 2009 durchaus mal zu Gemüte führen sollte. Die Analyse hat ja durchaus Implikationen für die tägliche Arbeit.

Für ein Unternehmen könnte das nochmal der Anstoß sein, über mehr attraktiven Content und kontroverse Inhalte nachzudenken, um so mehr organische Links von Websites zu bekommen, die man eben nicht um einen Link bitten kann.

Interessant sind übrigens auch, dass im neuen Report auch Negativfaktoren aufgenommen wurden. Hier die Top 5:

  1. Cloaking with Malicious/Manipulative Intent
  2. Link Acquisition from Known Link Brokers/Sellers
  3. Links from the Page to Web Spam Sites/Pages
  4. Cloaking by User Agent
  5. Frequent Server Downtime & Site Inaccessibility

Die Punkte (2) und (3) sind schon einen Blick wert: Wer Links über Link-Broker kauft, läuft natürlich Gefahr, dass Google entweder die Netze selber kennt oder derartige Links algorithmisch erkennen kann. Linkkauf über Netze stand noch nie wirklich auf unserer Empfehlungsliste, aber jetzt kann man das einem unbelehrbaren Kunden wenigstens schwarz auf weiß geben.

Und Punkt (3) behandelt das Problem der ausgehenden Links und dem damit einhergehenden Trust-Verlust. Oder: Wie toll kann meine Website schon sein, wenn ich nur auf Porno- und Poker-Sites verlinke? Derartige Links sind also zu vermeiden bzw. per Nofollow zu blocken. Fraglich ist nach wie vor, ob auch der Umkehrschluss gilt: Steigt der Trust meiner Website, wenn ich auf viele andere vertrauenswürdige Websites verlinke? Unsere Empfehlung ist hier generell, dass man schon auf relevante thematisch passende Websites verlinken sollte. Aber einen schlüssigen Beweis dafür habe ich noch nicht gesehen.

So bleiben die Search Engine Ranking Factors 2009 dann auch das, was sie sind: Gebündelte Meinungen, die nicht unbedingt der Realität entsprechen. Es ist übrigens auch schön zu sehen, dass es durchaus Unstimmigkeiten bei den befragten SEOs gibt. Denn nach wie vor hat SEO ein bisschen was mit Wissenschaft, aber jede Menge mit Erfahrung, Gefühl und Gespür zu tun.

About Markus Hövener

Markus Hövener ist Gründer und Head of SEO der auf SEO und SEM spezialisierten Online-Marketing-Agentur Bloofusion. Als geschäftsführender Gesellschafter von Bloofusion Germany ist er verantwortlich für alle Aktivitäten in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Markus Hövener ist Buchautor (SEO - Die neuen Regeln), Autor vieler Artikel und Studien rund um SEO und SEM und Chefredakteur des Magazins suchradar.

In seiner Freizeit hat Markus vier Kinder, spielt gerne Klavier (vor allem Jazz) und hört auf langen Autofahrten „Die Drei Fragezeichen“.