Eine neue Suchmaschine ist offiziell gestartet: Cuil (sprich: Cool) erklimmt wieder mal den Thron des Google-Bezwingers. Naja, zumindest hat die Presse Cuil diese Rolle zugedacht. Aber das passiert wohl mittlerweile jeder Suchmaschine.

cuil

Eindrucksvoll ist auf jeden Fall das Gründerteam: Tom Costello, Anna Patterson und Russell Power haben vorher bei IBM und Google gearbeitet. Die Jungs sollten sich also mit dem Thema auskennen.

Cuil macht auch einen sehr guten Eindruck. Ich war etwas irritiert von einigen Blog-Posts, die die Cuil-Ergebnisse mit Google-Resultaten verglichen, getreu dem Motto: Googles Ergebnisse sind richtig und die von Cuil stimmen oft nicht mit den richtigen Ergebnissen überein.

Bei Suchmaschinen ist das leider so: Google liefert andere Ergebnisse als Yahoo als MSN/Live als Ask als Cuil. Und dafür, dass Cuil gerade mal einen Tag im Rampenlicht steht, kann man eben auch nicht 100% Qualität erwarten. Google werkelt da seit Jahren dran. Wichtig ist nur, dass die grundlegende Technologie funktioniert. Finetuning kommt dann später.

(Kleiner Einschub für die, die es nicht wissen: Ich habe selbst mal Suchmaschinen entwickelt. Auch wenn ich irgendwann die Seiten gewechselt habe, bleibt man Interesse für Technologie bestehen)

Also: Meine Eindrücke von Cuil sind sehr gut. Der Index scheint mir insgesamt sehr US-lastig zu sein. Wenn ich nach „bloofusion“ nach, erscheint die deutsche Website nicht – dafür aber eben jede Menge US-Kram.

Ich mag das Feature, dass einigen Listings ein Bild angehängt wird. Bei der Startseite von Bloofusion.com wurde z.B. das Logo ausgewählt, um das Snippet zu bereichern. So weit, so gut. Einige Bilder haben nur wirklich nichts mit der Zielseite zu tun. Zum Teil kommen Sie dort nicht vor und kamen dort sicherlich auch nie vor. Da muss also noch deutlich nachgebessert werden.

Die Ergebnisse scheinen mir noch ein wenig spammy zu sein. Auch scheint es möglich zu sein, dass mehr als zwei Suchergebnisse auf einer Seite von derselben Domain stammen. Das erzeugt bei manchen Suchanfragen gerade auf den folgenden Seiten sehr nutzlose Ergebnisse.

Ich möchte auch gar nicht auf die Index-Größe abzielen. „Size doesn’t matter“ ist nach wie vor ein wichtiges Grundprinzip. Die 120 Milliarden Seiten, die sich im Index befinden sollen, seien also mal dahingestellt. Wichtig ist nur, dass man aus dem Index sinnvolle Ergebnisse ableiten kann.

Und genau daran muss Cuil noch ein bisschen arbeiten. Ist Cuil also der Google-Killer? Nein, sicherlich nicht. Dafür hat Google natürlich einfach zuviel drumherum: das reichweitenstärkste Pay-per-Click-System, eine News-Suche, eine Email-System, und vieles mehr.

Ich bin insgesamt auch ein wenig von der Darstellung der Ergebnisse enttäuscht. Nach wie vor glaube ich, dass man Google nicht auf seinem eigenen Schlachtfeld schlagen kann. Der Google-Killer müsste mehr bieten als zehn Suchergebnisse. Sicherlich, zehn Suchergebnisse ist ein Paradigma, an das Nutzer gewöhnt sind. Aber eben auch fürchterlich uninnovativ. Ehrlich gesagt: Cuil müsste signifikant anders sein, damit ich mich jetzt gegen Google entscheide.

Mein Urteil ist klar: Hut ab für die tolle Engine, die noch viel Finetuning brauchen könnte. Auch schön, dass es immer noch Unternehmen gibt, die nicht vor der Allmacht Googles verzweifeln. Dann aber doch bitte mit einem innovativeren Interface.

Weitere Informationen:
> Cuil Launches — Can This Search Start-Up Really Beat Google? (Search Engine Land)
> Former Employees of Google Prepare Rival Search Engine (NYTimes.com)

About Markus Hövener

Markus Hövener ist Gründer und Head of SEO der auf SEO und SEM spezialisierten Online-Marketing-Agentur Bloofusion. Als geschäftsführender Gesellschafter von Bloofusion Germany ist er verantwortlich für alle Aktivitäten in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Markus Hövener ist Buchautor (SEO - Die neuen Regeln), Autor vieler Artikel und Studien rund um SEO und SEM und Chefredakteur des Magazins suchradar.

In seiner Freizeit hat Markus vier Kinder, spielt gerne Klavier (vor allem Jazz) und hört auf langen Autofahrten „Die Drei Fragezeichen“.