YouTube ist ein spannender Kanal für Unternehmen. Wer damit loslegen möchte, stellt sich am Anfang sicherlich viele Fragen: Warum sollte ich das machen? Können wir damit wirklich Geld verdienen? Und was mache ich, wenn der Chef nicht telegen ist? Fragen über Fragen – denen sich David Brych (Creative Director bei FROG MOTION MEDIA) in diesem Podcast stellt.

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Shownotes:

 

Transcript:

Moin und herzlich willkommen zu Search Camp, dem Online-Marketing Podcast. Mein Name ist Markus Hövener, ich habe heute einen Gast nämlich den Dave und es geht heute ums Thema Corporate YouTube, also wie Unternehmen YouTube nutzen können. Also nicht der ganze Kinderkram, auch wenn wir den manchmal ganz gerne gucken vielleicht, sondern Unternehmen, also Corporate Sachen. Da rede ich gleich mit Dave und in ein paar Sekunden geht’s auch schon los. Bis gleich! Markus Hövener: So. Wir legen los! Ich habe heute eine ganz besondere Ehre und zwar habe ich den Dave hier. Sonst mache ich es ja immer über Skype oder Zencastr und ich habe einmal in einem Hotelzimmer einen Podcast aufgenommen, aber so Face to Face ist doch irgendwie deutlich entspannter. Thema ist Corporate YouTube, habe ich schon gesagt und da vielleicht nicht alle Dave kennen, stell dich mal kurz vor.

David Brych: Markus, ich freue mich, dass ich da sein darf, nicht nur in der Sendung, sondern auch bei euch hier im Studio. Eine tolle Sache, weil ich hier gerade vorbeikam in Emsdetten, hat sehr gut gepasst. Wo soll ich anfangen? Also ich bin 33 Jahre alt, ich habe eine kleine Familie mit 2 Kindern und ursprünglich bin ich eigentlich Filmproduzent, da bin ich so ein bisschen reingerutscht und habe mich weiterentwickelt vom Filmproduzenten für Dokumentarfilm und Werbung hin zum YouTuber könnte man sagen, mache eigene Produktionen für uns selbst und begleite Unternehmen auf YouTube und auch im Corporate YouTube. Außerdem bin ich noch auf einigen anderen Hochzeiten unterwegs, unter anderem mache ich auch 2 Podcasts mittlerweile, wo ich dich auch schon mal zu Gast hatte im 5 Ideen Podcast. Ich rede gerne über Inhalte und helfe gerne, dass gute Formate entstehen.

Markus Hövener: Cool. Du bist heute auch hier, so ein bisschen der Anlass, wir haben am 6. und 7. Februar 2018 wieder unsere BLOO:CON und Dave wird sowohl einen Vortrag halten als auch ein Seminar und beides zum Thema Corporate YouTube und deswegen heute auch das Thema. (Dave: Ja genau) Wir fangen mit der ketzerischen Frage an. YouTube ist das für Unternehmen überhaupt interessant? Wir alle kennen oder wenn ich jetzt meine Mutti fragen würde, was ist eigentlich YouTube, würde die sagen: Ja, da ist Bibi und die Lochis und Konsorten. Das ist irgendwie Kinderkram, für Unternehmen kann das irgendwie nicht spannend sein. Wir beide wissen, dass es anders ist oder?

David Brych: Ich sage mal so, man kann ja die Frage stellen: Ist es für Unternehmen interessant da präsent zu ein, wo sich viele Leute heutzutage tummeln, wo man Aufmerksamkeit bekommen kann und wo letztendlich nicht nur Kinder sind? Wir haben, wenn wir jetzt das einfach mal über die Statistikzahlen sehen sozusagen, dass die Mediennutzung sich verändert und was wird heute konsumiert? Es wird halt sehr viel online konsumiert. Das Fernsehen wird zum Beispiel weniger und Online-Plattformen, Video on Demand, also auch Netflix und Amazon und YouTube sind halt da eigentlich die neuen Massenmedien, was Bewegtbild angeht. Natürlich macht es dann immer Sinn da zu sein, wo sich auch die Zuschauer befinden und das sind halt nicht nur Kinder und nicht nur Jugendliche, natürlich sind da ein paar Formate besonders bekannt und das sind vor allem Lets Play Formate oder auch Beauty Kanäle, aber das ist eine Wahrnehmungsverzerrung, dass da dann von ausgegangen wird, dass eigentlich nur diese Zielgruppen dort unterwegs sind und das sieht man dann, wenn man sich halt entsprechende Kanäle für Erwachsene ansieht.

Markus Hövener: Okay. Kanäle für Erwachsene. Ich verstehe.

David Brych: Ich hoffe du verstehst mich da jetzt richtig. Also mit ernsthafteren Inhalten, da merkt man dann schon auch, dass das halt auch entsprechend Erwachsene anzieht und das sind halt auch Zielgruppen, die auch natürlich Kunden werden. 50 Prozent der Nutzer von YouTube sind über 35 und von denen haben zwei Drittel mittlere bis hohe Einkommen. Also das ist eine sehr, sehr interessante Zielgruppe und außerdem werden auch jüngere, die heute YouTube konsumieren, werden älter und werden in den nächsten Jahren auch Geld haben. Da kann man halt natürlich auch mitwachsen.

Markus Hövener: Ich habe mir heute Morgen nochmal die Statistiken angeguckt von SocialBlade, die wichtigsten oder die stärksten deutschen YouTube-Kanäle und wenn man mal guckt, in den Top 1.000 glaube ich war nicht mal ein Unternehmen drin. Das sind alles irgendwie auch Sachen, die ich zum Teil überhaupt nicht kannte. Ich habe da meine Kinder bemüht, Julienco und klar Bibi kennen wir alle. Ich habe da nochmal ein bisschen rumgeguckt, um zu schauen, wo findest du eigentlich ein gutes Beispiel, wirklich für Corporate YouTube, habe zum Beispiel mal nach Steuerberatern geguckt, ob die auf YouTube unterwegs sind. Fand ich relativ enttäuschend. Thema Führerscheinentzug war schon deutlich spannender, also da gibt’s ein paar Kollegen, die den Fachanwalt für Verkehrsrecht, Dr. Hartmannn aus Oranienburg, der da wirklich nachweislich viele Videos hat und auch echt viele Views hat. Was glaubst du, für welche Branchen ist YouTube vielleicht besser geeignet? Ich meine, dass alle das nutzen können ist klar, aber für wen eignet sich das eher und für wen vielleicht nicht so dolle?

David Brych: Der Einstieg ist natürlich, wie man bei dem Beispiel auch gesehen hat, einfacher, wenn man eine Wissenskompetenz hat, die man weitergeben kann, also wo man sich quasi noch nicht mal bewegen muss. Also Anwälte, die haben ein bestimmtes Wissen und haben da eine Kompetenz, die sie auch zum Beispiel präsentieren können, Steuerberater übrigens auch. Lustigerweise bereiten wir einen Steuer-Kanal vor, das dauert leider sehr, sehr lange, wir haben da einen sehr guten Steuerberater, „Steuer erklärt“ wird das heißen, aber man muss eigentlich, also gerade das Timing ist bei Steuern ganz wichtig und die Steuermonate sind Januar oder Mai und da muss man halt am Start sein. Also generell würde ich sagen, dass sich halt solche Kompetenzen eignen und ansonsten es passt für sehr, sehr viele Unternehmen und es wird nur unterschiedlich aufwendig. Es passt für verschiedene Dienstleistungen, für einfache Produktvideos, es passt, um Geschichten zu erzählen in Verbindung mit einer Marke und dafür gibt’s also da hat man jetzt den Vorteil, es ist jetzt, vielleicht hast du nochmal eine konkrete Frage für ein Unternehmen. Ich sehe da eigentlich sehr viele Möglichkeiten, das ist so, wenn ich mit den Unternehmen ins Gespräch komme, sei es jetzt ein Messerhersteller oder eine Süßigkeitenfirma, dann obwohl das ganz unterschiedliche Sachen sind und die jetzt keine Dienstleistung verkaufen, hätte ich da auch schon Ideen, wie man da rangehen kann.

Markus Hövener: Die Frage ist natürlich auch irgendwie, wozu mache ich das alles eigentlich? Die Frage natürlich auch, wie kann ich damit eigentlich Geld verdienen? Kann ich mit meinen YouTube Videos als Unternehmen direkt Geld verdienen?

David Brych: Direkt Geld verdienen würde ich jetzt sagen, ist eher schwierig außer du verkaufst jetzt ein Produkt, was man sehr impulsiv kauft und was jetzt unter 20 Euro ist oder so Bücher und so weiter, da kann man das ziemlich direkt messen. Oder auch bei einigen Spielzeugen, es gibt da auch so einen bekannten Kanal aus den USA, der halt im Endeffekt seinen kompletten Vertriebsweg nur über YouTube macht und den eigenen Webshop, weil er alle anderen Kanäle gestoppt hat, also den kompletten Außenvertrieb und du verdienst indirekt Geld, weil du hast einen sehr großen Aufmerksamkeitsmagneten und kannst dann diese Zuschauer, die du ansprichst, leiten in deine anderen Kanäle. Also zum Beispiel ist es so, wenn du jetzt eine Facebook Fanpage einfach mal anmeldest, dann kommt da erstmal niemand vorbei, außer du schaltest Werbung. Du könntest jetzt zum Beispiel Interessenten von YouTube in deine Social Media Kanäle leiten oder natürlich auf deine Website, versuchst dann zu selektieren, was für Leute das da sind. Du leitest die sozusagen in den Funnel. Wir fangen an mit ein großen Bereich, wo wir Aufmerksamkeit aufbauen, um zu sagen, hier sind wir, das machen wir, wir wissen, was wir tun, wir sind geile Typen, wir haben gute Produkte. Ihr könnt uns vertrauen, die arbeiten hier alle gerne. Das wird dann mit einem Mehrwert verbunden oder mit einem unterhaltsamen Mehrwert, da gibt’s auch verschiedene Stufen und die sind dann im Funnel, also in unserem Trichter und wir können dann halt immer mehr selektieren. Wie interessant ist das jetzt wirklich für den Zuschauer? Will der das sich jetzt nur angucken? Und von den Zuschauern, die wir ansprechen, werden wir dann einen bestimmten prozentualen Anteil weiterführen können und dadurch, dass wir halt mehr Aufmerksamkeit haben, kommt letztendlich auch mehr Geschäft und kommen auch bessere Mitarbeiter und das ist die Regel. Die meisten verlieren nicht wegen des Produkts oder wegen des Preises, sondern weil sie niemand kennt.

Markus Hövener: Ein Problem, was ich natürlich immer wieder sehe, ist, damit man mit YouTube Geld verdienen kann oder überhaupt präsent ist, muss sich irgendeiner vor die Kamera stellen und ich hatte interessanterweise gerade heute Morgen ein Gespräch mit einem großen Software-Anbieter, die einfach, wenn man sie fragt, wer soll denn da jetzt stehen? Der Chef will nicht, die Marketing-Frau will auch nicht. Wer macht’s denn jetzt? Also wie findet ihr Leute, die es dann wirklich machen konkret?

David Brych: Das ist natürlich sehr individuell von jedem Unternehmen aus. Erstmal ist es so, dass bei vielen Unternehmen denken einige, die Chefs würden sich dafür anbieten oder der Chef oder die Chefin, aber das muss man ganz ehrlich sagen, manchmal passt das überhaupt nicht und das Wichtigste ist, dass es passt. Ob das jetzt ein Chef ist oder Marketingleiter oder irgendwer anders im Unternehmen. Und diese Person sollte natürlich auch verfügbar sein, da sollte auch klar sein, dass sie mit dem Unternehmen stark verbunden wird, dass sie erkannt wird, dass sie gegebenenfalls, dass die Leute Fotos mit ihnen machen und so. Also das passiert dann. Man kann natürlich auch auf Externe zugreifen, zum Beispiel Schauspieler oder Moderatoren oder man hat halt jemand als Freelancer, den man damit reinholt. Man kann auch eine Figur haben, die sozusagen die Moderatorenrolle hat, aber im Endeffekt aus den Experten innerhalb des Unternehmens dann die Botschaften, das Know-how entlockt. Das ist so eine kleine Brücke, weil diese externe Figur oder diese Person, dieser Protagonist hat sozusagen keine Ahnung erstmal und kann halt die richtigen Fragen stellen. Und da hat man einen roten Faden, den man auch kontrollieren kann, weil wenn ich jetzt einfach nur irgendeinen Mitarbeiter nehme und sage, du musst das jetzt machen, dann muss man natürlich auch das vertraglich so klären, dass dieser Mitarbeiter auch am Start bleibt und verfügbar ist und man nicht erpressbar wird dadurch. Weil natürlich steigt die Macht dieser Person im Laufe des Kanallebens.

Markus Hövener: Glaubst du denn, also angenommen der Chef sagt jetzt, ja, ich will’s machen, aber er ist halt komplett hölzern. Kann man jemand fit machen, bringt so ein Sprechertraining, so ein TV-Training was oder kannst du es oder kannst du es nicht?

David Brych: Ich kann das jetzt nicht so absolut sagen, ich meine, man kann vieles lernen. Ich habe früher gestottert und jetzt kann ich einfach so Podcast-Sendungen aufnehmen. Man kann sowas auch lernen. Ist natürlich eine Frage des Prozesses und der Zeit, die man dafür hat und will diese Person das wirklich machen? Wir haben zum Glück noch nie das Problem gehabt, dass wir jetzt jemanden hatten, der unbedingt wollte, aber gar nicht funktioniert hat. Wir konnten das dann immer gut erklären, warum das leider dann doch nicht funktioniert, weil wir wollen es nicht einfach nur machen, sondern wir wollen es auch gut machen. Da kannst du natürlich verschiedene Wege gehen und irgendwie versuchen jemanden dann nochmal in die Sprecherschule zu schicken oder Rhetorikseminare zu machen. Da habe ich aber jetzt keine Erfahrungen, aber ich denke mir, dass das grundsätzlich auf jeden Fall möglich ist, das zu lernen. Denn im Endeffekt kann man sich da an verschiedenen Stellschrauben orientieren, im Endeffekt lernt man das wie verschiedene andere Prozesse und dann kann man das sicherlich noch besser machen. Das größte Problem ist eigentlich, wenn die Leute nicht locker sind oder wenn sie Angst haben, was Falsches zu machen. Ich habe auch schon Leute vor der Kamera gehabt, die haben bei den ganz großen Unternehmen, bei Riesenveranstaltungen vor 2.000 Leuten halten die normalerweise Präsentationen und dann stehen sie vor einer Kamera, 3 Leute im Raum und dann sind sie auf einmal hölzern. Das ist nochmal auch eine Situation, die ganz anders ist, weil man auch sehr, sehr viel stärker in sich hört. Man hört dann, oh habe ich jetzt geatmet? Was habe ich jetzt gesagt? Man ist ganz anders konzentriert es ist auch sehr, sehr virtuell und man bewegt sich halt auch weniger als auf einer Bühne oder sowas. Und letztendlich kann es dann für einige schwieriger sein vor der Kamera quasi alleine zu stehen als vor 2.000 Leuten auf der Bühne.

Markus Hövener: Wenn ich jetzt so jemanden gefunden habe, also ob es jetzt der Chef ist oder der Azubi ist eigentlich fast egal, muss man natürlich noch über Formate und Inhalte nachdenken. Auch da heute nochmal das Gespräch, dass es halt sehr schnell so auf die Idee kam, ja, wir können unser Produkt vorführen. Ich nehme an das ist nicht das, was du typischerweise empfehlen würdest?

David Brych: Ja. Das siehst du genau richtig. Also bloß nicht! Viele wollen dann als erstes eigentlich eine Dauerwerbesendung machen, wo aber sich alles einfach nur ums Produkt dreht. Es gibt ganz wenige charmante Beispiele mit dem Blendtec, diesem Mixer, wo man dann da alles reinschmeißt und püriert. Aber grundsätzlich haben die Leute keine Lust sowas zu gucken, weil sie wollen keine Werbung sehen. Das ist genau der Grund, weshalb wir das machen, weshalb wir Content Marketing machen, damit sich die Zuschauer mit der Marke beschäftigen und subtil sozusagen den Trust aufbauen. Wir sagen jetzt nicht die ganze Zeit, unser Produkt ist das beste, sondern im Endeffekt ist es so, das ist eigentlich selbstverständlich, dass das Produkt das Beste ist. Dadurch, dass wir zeigen wie gut wir uns in dem und dem Bereich auskennen, wie die Kunden darauf reagieren, wie das im Unternehmen gelebt wird, wie man das im gesamten Branchenbereich eingliedern kann, merkt man dann, alles klar, das funktioniert und man beschäftigt sich mit dieser Marke und wenn man dann das entsprechende Produkt braucht, dann geht man zu denen, weil man die als erstes damit assoziiert. Dahin soll’s gehen, dass man sagt, so wie Tempo Taschentücher, dass wir das Markenbild als Synonym für das Produkt etablieren.

Markus Hövener: Was sind so klassische Formate? Sowas wie Interview oder Typ steht vor der Kamera und der erklärt was?

David Brych: Ja. Formate, das wäre jetzt, du hast eine Person, die etwas vorträgt, so eine Art News-Charakter, du könntest, das wäre am allereinfachsten zu produzieren, du könntest 2 Personen vor der Kamera haben, müssen jetzt kein Interview führen. Es könnte ein Hauptmoderator sein und ein Sidekick, so wie Batman und Robin. Wobei der Sidekick dann hilft, dass der Hauptmoderator auf Kurs bleibt. Dann kann man natürlich immer Leute interviewen, dass man die reinholt, sich die richtigen Experten reinholt und unter Umständen kann man da auch noch zusätzlich Reichweite abgreifen. Wenn das jetzt in irgendeiner Form prominente sind innerhalb einer Branche oder so oder gesuchte Figuren, dann kann man natürlich auch draußen was machen, also reportagige Sachen. In der Bewegung, das heißt man ist unterwegs und zeigt etwas oder interviewt Leute auf der Straße. Jetzt kommt’s immer darauf an, was das für eine Branche ist. Wenn das jetzt ein Sportler ist, dann kann er natürlich im Studi die ganzen Übungen machen oder macht sie zum Beispiel im Park oder im Wald. Das heißt du hast da ganz viele verschiedene Möglichkeiten und damit steigt natürlich auch dann der letztendliche Aufwand. Du musst es immer sehen, den Aufwand mit dem Workflow. Wie kannst du es am einfachsten realisieren? Kannst du an einem Tag 10 Sendungen aufnehmen? Wie viele Sendungen, wenn du jetzt Sport im Park machen willst, wie viele Sendungen kannst du da realisieren? Wie viele Leute brauchst du dafür? Was brauchst du da alles an Technik? Ist natürlich aufwendiger mit einem Kameramann im Wald irgendwas zu drehen als im Studio an einem Tisch zu stehen und Leute zu interviewen. Aber das kommt immer drauf an, wen will ich jetzt hier ansprechen. Denn ein Sportler muss auch vielleicht mal Sport machen und so weiter.

Markus Hövener: Die Frage kommt natürlich auch ganz gerne, also auch interessanterweise in einem Gespräch heute. Wie viel Geld müssen wir eigentlich fürs Equipment ausgeben? Reicht jetzt das iPhone 6 oder muss ich halt richtig fett Geld für Kamera und Audiotechnik ausgeben?

David Brych: Ich würde denken, also ich würde jedem raten, dass man erstmal nicht so viel Geld dafür ausgibt, denn das ist eigentlich unseriös. Man kann natürlich unendlich viel Geld dafür ausgeben, also bis oben hin ist kein Ende gesetzt. Wenn man jetzt startet, das habe ich selbst Hotels empfohlen, im Tourismusverband, dann können die ruhig mit dem Smartphone, was sie haben, erstmal anfangen, sie können sogar auf dem Smartphone schneiden. Wir haben am Wochenende sogar einen Workshop, wo wir explizit 2 Tage nur mit dem Smartphone Filme machen, um die Hürden zu nehmen. Die Hürden, gerade wenn man anfängt, um überhaupt in die Umsetzung zu kommen und dass die ganze Zeit kontinuierlich weiterzumachen, muss es halt barrierefrei sein sozusagen. Das heißt, wenn ich nur ein Smartphone benutze und da vielleicht noch ein Ansteckmikro reinstecke, ich meine ein Smartphone ist teuer genug. (Markus: Absolut) Ich meine, es kostet 1.000 Euro oder 800 Euro oder sowas, also das ist ja jetzt umsonst, aber es haben schon viele. Wenn man da jetzt gutes available light hat, also verfügbares Licht, dann braucht man da jetzt noch nicht mal Lampen aufzubauen und diese Ansteckmikros, die es da heute gibt und dann noch ein Selfie-Stick, um das Ding zu halten, das würde schon mal ausreichen. Das kann man natürlich dann noch immer weiter professionalisieren. Dann ist es auch so, ich meine, Spiegelreflexkameras sind heute auch nicht mehr teuer und damit kann man auch sehr viel machen. Aber die Bedienung ist halt für viele sehr schwierig, weil man da dann selber Fokus ziehen muss und so weiter, da kann man nicht alle Mikros anschließen. Man kommt halt vom hundertsten ins tausendste, weil das Problem ist aber auch, wenn du jetzt mit den Smartphone drehst und du hast 2 Leute, die reden, dann wird es schon schwieriger. Dann musst du halt irgendwie gucken, dass du dann mit 2 Mikros irgendwie ins iPhone oder ins Smartphone reinkommst oder du musst einen externen Tonrekorder haben. Geht es halt exorbitant weiter hoch. Ich würde aber sagen, einfach mal wirklich lean anfangen und erstmal produzieren und zu gucken, wie funktioniert das eigentlich? Und nicht als erstes sagen, ich brauche jetzt erstmal 3.000 Euro, kaufe jetzt hier für 1.000 Euro ein Stativ und für 1.000 Euro eine Kamera und noch Lampen und Tonequipment, weil dann braucht man eigentlich auch entsprechendes Personal, was das dann alles betreut.

Markus Hövener: Aber lean heißt auch im Endeffekt, dass das Ergebnis vielleicht nicht perfekt ist so wie alles andere, was ich vielleicht im Unternehmen mache. Wenn man sonst irgendwie nur den Besten für die Website und nur den Besten für die Prospekte und jetzt auf einmal schmieren wir eigentlich so ein Video hin? Ich meine, stimmt nicht, es hat natürlich immer noch eine relativ hohe Qualität, aber hältst du das trotzdem für sinnvoll oder schlägt irgendwann der Marketingchef dann die Hände über den Kopf zusammen?

David Brych: Das ist jetzt so schwierig, das so generell zu formulieren. Man kann auch mit ganz kleinen Mitteln, mit einer vernünftigen Vorbereitung trotzdem was machen, was halt hochwertig wirkt. Man kann aber auch genauso mit einem 3-Mann-Team was machen, was scheiße wirkt. Natürlich man da Sachen ausprobieren, sich selber eine Expertise aufbauen oder man muss ich halt einen Experten reinholen, der einen da berät oder das für einen produziert. Man muss jemanden haben, der dann auch den Biss hat das durchzuziehen. Manchmal sagen Leute, ja, dann stelle ich einfach einen VJ ein, der das dann alles macht und das ist aber sehr, sehr schwierig, von jemandem zu erwarten, dass er diesen ganzen Bereich einfach so abdeckt. Muss man eigentlich schon auch ein Team haben und das muss auch Hand in Hand gehen mit betreuenden Kräften aus den anderen Marketingecken oder so. Wir müssten das eigentlich ein bisschen konkreter definieren, um das jetzt halt nicht so super abstrakt zu erklären, also finde ich jetzt ist schwierig das wirklich so generell zu erklären. Vielleicht hast du da ein Beispiel oder eine Frage konkret?

Markus Hövener: Ich darf den Kunden leider nicht nennen, aber ich habe halt viel mit Unternehmen zu tun, die halt wirklich bei allem irgendwie perfekt sind und viel Geld reinstecken und die halt genau da irgendwie Angst haben, dass sie irgendwas auf YouTube machen, was nicht ihren Qualitätsstandards genügt, was ihnen dann später um die Ohren fliegt. Die Angst vor Shitstorms ist absolut vorhanden und verstehen kann ich das ein bisschen, aber das führt dann in der Regel oft dazu, dass man einfach dann gar nichts macht und das kann es eigentlich auch nicht sein.

David Brych: Das war doch schon mal sehr gut. Erstmal dieses Shitstorm Thema, das ist glaube ich auch, die Deutschen sind da auch sehr, sehr vorsichtig, was sowas angeht und brauchen immer da ein bisschen Best Practice Ansätze und das ist dann auch so, wenn ich dann sage, wir haben für einen Kanal, da sind 50 Folgen online, haben wir insgesamt 9 Drehtage für gebraucht. Also so machen wir das, das meine ich jetzt mit Effizienz. Du versuchst den Workflow so aufzubauen, dass es halt so effektiv wie möglich ist und damit meine ich auch, dass es so günstig wie möglich ist. Dass es halt so wenig Ressourcen wie möglich frisst, dass die Leute, die damit beschäftigt sind, die da den ganzen Monat was anderes zu tun haben, nur einmal in 2 Monaten sich mit YouTube wirklich beschäftigen oder sowas. Beziehungsweise man muss sich auf sein Kerngeschäft konzentrieren. Was würde ich denen raten? Ich würde denen raten, mit lean anzufangen. Man hat jetzt ein Smartphone, mit dem könnte man drehen. Das Smartphone sollte man aber schon auf ein Stativ stellen. Wir nehmen jetzt ein günstiges Fotostativ mit einer Smartphone-Klemme, machen das Smartphone da drauf und kaufen noch 2 Lampen und dann suchen wir einen möglichst hellen nicht halligen Raum. Natürlich, man braucht schon ein bisschen was dafür, diese Sachen wären jetzt ideal, um zu starten. Man braucht natürlich auch einen Platz. Wenn man kein Büro hat, wo man einen Platz hat, dann kann man das halt auch da nicht machen, dann müsste man in dem Fall rausgehen. Dann stellt man sich vielleicht erstmal vor die weiße Wand oder vor das Bücherregal oder man stellt sich von mir aus in die Küche, wenn die schön aussieht, in einem Besprechungsraum, macht den Bildschirmhintergrund an. Man muss meiner Meinung nach keinen Shitstorm befürchten, weil Shitstorms sind meistens nicht nachhaltig und außerdem gibt’s die nur bei großen Telekommunikationsanbietern und so weiter. Bisher gibt’s manchmal kleine Kritiken, aber mit denen kann man super gut umgehen und die eher noch progressiv nutzen, weil man mit den, wenn man dann direkt darauf eingeht. Aber ein Shitstorm, quasi unkontrollierte Hasskommentare, die da drunter auftauchen, sowas gibt’s nicht in diesem Corporate Bereich. Sowas findet man vielleicht bei Lets Play Videos, wenn man sich da mal die Kommentare anguckt, das ist dann schon ziemlich unter der Gürtellinie, aber das wird bei Unternehmen nicht passieren. Man sollte gute Inhalte haben, gute Inhalte vorbereiten, man braucht eine sympathische Person, die das präsentiert oder Personen. Dann geht man davon aus und entwickelt das Format weiter. Markus Hövener: Vielleicht so ungefähr die vorletzte Frage. Wir haben es jetzt nicht vorher abgesprochen, aber für die, die jetzt loslegen wollen, ich meine, du hast gesagt, was man so nehmen kann, hast du vielleicht noch ein paar Tool-Tipps, was Software oder App oder irgendwie ein Shop, wo man gut Sachen kaufen kann? Sonst fängst du an und tippst das bei Amazon ein und kriegst halt 20.000 Sachen. Gibt’s irgendwo so ein Super Starterpaket?

David Brych: Ein Starterpaket ist eigentlich eine gute Idee. Ich werde auch oft gefragt, ob ich so Pakete mal, so die Links zusammenstellen könnte. Es gibt auf jeden Fall einen Anbieter für günstiges Kameraequipment. Da müsste ich aber nochmal nachgucken wie das heißt, ich habe es jetzt vergessen.

Markus Hövener: Wir können es dann in die Shownotes reinpacken.

David Brych: Packen wir da nochmal rein, schicke ich dir den Link. Ansonsten Software, wir benutzen alles von Adobe, aber im Endeffekt kann man das auch, man kann auch anfangen mit einem von den Gratisprogrammen mit iMovie oder mit Windows Movie Maker. Es gibt auch sogar Plugins für Chrome, wo man mit schneiden kann, die im Endeffekt die gleichen Funktionen haben wie Movie Maker. Ich habe eben schon angesprochen, dass man auch mit dem Handy schneiden kann. Da benutze ich die App VideoShow, die ist auch kostenfrei und ich glaube, mittlerweile haben die so ein Wasserzeichen da drin, aber die Pro-Version kostet 5 Euro oder so. Das kann man ruhig investieren. Damit kann man halt sehr, sehr simpel Sachen zusammenschneiden, kann Musik reinmachen, kann Einblendungen machen und kann auch zusätzliche Effekte benutzen oder sowas und das dann direkt uploaden. Das finde ich auf jeden Fall noch ganz charmant. Man wird, wenn man das langfristig macht, dann muss man irgendwann das weiter professionalisieren, aber man muss ja auch das Footage archivieren, man muss es auch irgendwie wiederfinden und dafür muss man es dann irgendwann auch vom Smartphone wieder runterbringen und auf eine Festplatte speichern und dann kann man damit halt auch weiterarbeiten, weil man haut es nicht nur einmal raus, sondern man bewahrt es auf, man arbeitet damit weiter, man kann in anderen Social Media Plattformen damit weiterarbeiten und dafür muss man dann noch wissen, wo es ist und wie man es weiterverwenden kann.

Markus Hövener: Vielleicht dann wirklich zur letzten Frage, die eher so in Richtung Promo geht. Ich habe gesagt, du wirst bei uns am 6. Februar auf der BLOO:CON ein Seminar halten zu Corporate YouTube. Ein ganzer Tag 9 bis 17 Uhr. Was kann ich da alles von dir lernen als Unternehmen?

David Brych: Wo fangen wir an? Ich werde zeigen, wie wir vorgehen, um da einen passenden Workflow zu etablieren für ein Unternehmen, ich werde das an einem oder zwei konkreten Beispielen vorzeigen, wie man da rangeht, wie man das aufbaut, wie man da redaktionell rangeht, wie man das produziert, wie die komplette Nachbearbeitung sein wird. Auch viele Bereiche, die wir jetzt hier heute angesprochen haben, werde ich dann nochmal ganz ausführlich beleuchten, zeigen, was sind Erfolgskriterien und was hat nicht so gut funktioniert? Kann dann auch echte Zahlen zeigen und zeige verschiedene Auswertungen. Was hat uns das gebracht, was haben wir hier gespürt? Wie hat sich der Kanal weiterentwickelt? Was hat sich dadurch in der realen Welt getan? Es gibt da sehr, sehr viele spannende Cases in sehr vielen verschiedenen Branchen und auch sehr unterschiedliches Klientel, unterschiedlichem Alter. Somit wird man da schon einen sehr breiten Eindruck davon bekommen, wie dieses Medium zu verstehen ist.

Markus Hövener: Wir freuen uns drauf. Wer das buchen möchte, auch der Link ist in den Shownotes. Natürlich würde mich freuen, wenn möglichst viele zu Dave strömen. Von daher vielen Dank, dass du da warst. Die 30 Minuten geplant sind perfekt rumgegangen, angenehm kurzweilig. Ich würde jetzt einfach nur noch sagen, vielen Dank schon mal fürs Zuhören, nochmal Danke, dass du da warst Dave und bis bald. Tschüss!

David Brych: Vielen Dank! Ciao!

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About Markus Hövener

Markus Hövener ist Gründer und Head of SEO der auf SEO und SEA spezialisierten Online-Marketing-Agentur Bloofusion. Als geschäftsführender Gesellschafter von Bloofusion Germany ist er verantwortlich für alle Aktivitäten in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Markus Hövener ist Buchautor (SEO - Die neuen Regeln), Autor vieler Artikel und Studien rund um SEO und SEA und Chefredakteur des Magazins suchradar.

In seiner Freizeit hat Markus vier Kinder, spielt gerne Klavier (vor allem Jazz) und hört auf langen Autofahrten „Die Drei Fragezeichen“.