YouTube ist mehr als Bibi und Gaming-Videos. Auch für Unternehmen ist die Video-Plattform durchaus interessant, um Kunden zu finden und zu binden. Aber wie fängt man das Abenteuer YouTube an? Inhouse oder extern produzieren? Umfangreiches Konzept oder einfach erstmal loslegen? All diese Fragen beantwortet YouTube-Profi Sven-Oliver Funke.

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Shownotes:

 

Transcript:

Markus Hövener: Moin moin und herzlich willkommen bei Search Camp, dem Online-Marketing Podcast. Mein Name ist wie immer Markus Hövener und mein Thema ist heute YouTube für Unternehmen. Es geht um Planung und Analyse, Kanal aufbauen und verbessern. Dafür habe ich mir einen Spezialisten hinzugeholt, der hat ein Buch geschrieben zum Thema YouTube. Wir wollen mal gucken, worauf man so achten muss. Ganz am Anfang, aber auch mitten drin, wie analysiert man eigentlich, was Erfolg bringt? Was mache ich, wenn im Unternehmen keiner zu finden ist, der gut vor einer Kamera ist? Also all diese Fragen und zum Schluss noch so ein paar Sachen wie beim Live-Streaming, Storytelling, Shitstorm, die ganzen Themen, die typischerweise in Unternehmen auch immer wieder aufkommen. Das machen wir gleich. In ein paar Sekunden geht’s los. Bis gleich!

Markus Hövener: Die Leitung ist geschaltet. Ich habe jetzt den Sven-Oliver Funke in der Leitung, der hat das Buch geschrieben „Video ist King“. Unser Thema ist heute YouTube für Unternehmen. Ich habe sein Buch gelesen, hat insgesamt so zirka 500 Seiten, das kriegen wir natürlich heute in 30 Minuten nicht vollumfänglich durch. Deswegen habe ich mir ein paar Kapitel herausgesucht. Das machen wir gleich. Aber stell dich doch trotzdem mal kurz vor.

Sven-Oliver Funke: Ja hallo auch. Mein Name ist Sven-Oliver Funke, ich bin Autor von dem Buch „Video ist King“, was im Rheinland Verlag erschienen ist. Ich bin derzeit hauptberuflich als Vertretungsprofessor an der Hochschule Rhein-Main für einen Medienstudiengang tätig und berate nebenberuflich Firmen, was so das Online-Marketing mit Bewegtbild betrifft. Also Kurzvorstellung.

Markus Hövener: Ja, vielen Dank! Das Thema heute ist ja YouTube und vor allem bei YouTube für Unternehmen, da stellt sich natürlich die Frage, für viele dort draußen ist YouTube Bibis und Lochis und Konsorten, ist YouTube eigentlich auch für Unternehmen wirklich interessant?

Sven-Oliver Funke: Auf jeden Fall. Jetzt gerade, das sage ich auch in meiner Beratungstätigkeit, für Klein- und Mittelständler interessant, weil es Möglichkeiten eröffnet, die man ansonsten nicht hat. Gerade solche Kunden haben keine großen Budgets, um jetzt Fernsehwerbung oder ansonsten irgendwas mit Bewegtbild zu machen. Auf der anderen Seite ist aber Bewegtbild eigentlich das Medium, was im Moment, oder sagen wir die Medienform, das ist ja eigentlich kein Medium, sondern Medienform, die am ehesten konsumiert wird und die am meisten Impact dann auch bei dem Kunden oder bei demjenigen, der es sich anschaut, erzeugen kann. Das liegt einfach da dran, weil man eine visuelle Ebene hat und man hat eine auditive Ebene und man kann sich viel besser mit dem identifizieren, was man dort sieht. Von daher ist das eine großartige Möglichkeit, um mit relativ kleinen Budgets auch und eventuell sogar auch inhouse dann für solche Kunden, also für solche Unternehmen dann auch entsprechend auf YouTube aktiv zu sein.

Markus Hövener: Dann lass und doch mal den typischen Weg eines typischen Mittelständlers durchspielen, soweit es denn überhaupt gibt. Aber trotzdem, wir alle ahnen, es gibt am Anfang eben so ein Meeting und alle sagen, hey, na klar, wir müssen irgendwas mit Video machen. Dann stellt sich natürlich die Frage, okay, was nehmen wir dafür eigentlich? Nehmen wir YouTube oder nicht? Häufig höre ich auch sofort dann, YouTube, da ist doch Werbung drauf, das mögen wir so eigentlich nicht. Was sind die Vorteile und vor allem auch die Nachteile von YouTube?

Sven-Oliver Funke: Was heißt, auf YouTube ist Werbung drauf, das kenne ich ehrlichgesagt, die Aussage kenne ich jetzt ehrlichgesagt noch nicht in dieser Form. Natürlich ist YouTube auch eine Möglichkeit dort Videos über AdWords zu schalten und dafür zu bezahlen. Das ist keine Frage. Aber als Kanal selber kann ich ja auch hingehen und sagen, ich möchte eben keine Konkurrenzwerbung vor meinen Videos haben, dann nehme ich eben einfach nicht an diesem Programm teil. Das jetzt erstmal nur so vorweg. Wie ist so dieser typische Weg? Klar, ganz viele Kunden kommen zu mir und sagen, dieses YouTube ist vielleicht eine interessante Sache. In den allermeisten Fällen ist es aber so, dass die Leute gar nicht darauf kommen, dass YouTube für sie auch interessant sein könnte, weil es sind ganz oft auch Hidden Champions, die einfach da glauben, keinen Zugang haben zu können, weil sie eben Hidden Champions sind und kleine Zulieferer oder Unternehmen, die jetzt einfach nicht so groß am Markt vertreten sind, dass sie da eine Position hätten und glauben, dass sie da nicht beachtet werden können. Aber genau das ist eigentlich der Umkehrschluss, das heißt in meiner Beratungstätigkeit merke ich sehr häufig, dass man die Leute wirklich überzeugen muss davon, dass YouTube eine Basis ist, um überhaupt mit dem Kunden zu kommunizieren. Das ist in vielen Köpfen noch nicht drin und ist glaube ich aber auch ein Problem vom deutschen Markt. Also das ist im Ausland ein bisschen anders. Ansonsten gibt es natürlich auch kleine Kunden, die dann irgendwie den Auszubildenden haben, der irgendwie sagt, hey, YouTube da gibt’s jetzt ganz viele Unternehmen, da müssten wir eigentlich auch mal aktiv werden. Dem drücken die dann oft eine Kamera in die Hand und lassen den mal machen. Das ist natürlich dann auch strategisch nicht wirklich geplant. Man kann das natürlich machen, um da einfach mal ein Gefühl für zu bekommen, was funktioniert und was funktioniert nicht. Aber ich empfehle eigentlich schon sich dann Gedanken da drüber zu machen, was man langfristig auch für Ziele erreichen möchte und das Ganze auch zu analysieren und so weiter, also in eine komplette Strategie einzubetten.

Markus Hövener: Okay. Wenn man sich dann jetzt entschieden hat, also angenommen ein Unternehmen hat sich jetzt entschieden, wir machen jetzt YouTube, dann braucht man ja auch noch sowas wie Videos. Da ist die Frage: Wie produzieren wir die eigentlich? Produzieren wir die inhouse oder lassen wir die extern produzieren? Kannst du mal sagen, wie man da so rangeht? Und eine Frage ist natürlich auch so Preisvergleich, was brauche ich an Equipment versus was kostet etwas, wenn ich es extern produzieren lasse?

Sven-Oliver Funke: Na ja gut, ich meine, theoretisch kann man mit dem Handy starten. Das ist erstmal kein Hinderungsgrund. Gerade für so Startups oder für Firmen, die jetzt wirklich keine großen Budgets haben oder vielleicht sogar gar kein Budget, ist das eigentlich eine wunderbare Möglichkeit dann so anzufangen. Handy-Kosten, kommt drauf an, also sagen wir mal jetzt irgendwo so ab 500 Euro, man kann es auch direkt auf dem Handy schneiden und kann es direkt auf YouTube veröffentlichen. Das wäre durchaus möglich. Ansonsten, wenn man das etwas professioneller betreibt, klar, ein Kamera-Equipment zwischen 5.000 und 10.000 Euro würde ich jetzt als semi-professionell bis professionell bezeichnen. Da hat man dann auch problemlos eine einfache Lichtausrüstung, wenn man jetzt irgendwie was vor einer Wand drehen möchte oder möchte ein Interview drehen. Das hätte man da schon mit dabei. Ansonsten, wenn man das rausgibt, wird es natürlich schnell teuer. Aber auch da ist immer die Frage, wen beschäftige ich da? Auch da gibt es kleine Freelancer oder kleine Agenturen, kleine Firmen, die das relativ günstig machen können. Aber da bewegen wir uns dann auch schon irgendwo bei einem Preisbereich würde ich sagen von, es kommt auf die Video-Form natürlich an, aber sagen wir jetzt ein Interview oder ein relativ einfach gehaltenes Video von vierstelligen Beträgen, wenn ich das an eine Agentur rausgebe, wenn ich jetzt ein Automobilhersteller bin, dann will ich vielleicht das Produkt irgendwie darstellen, dann brauche ich einen Kamerakran, brauche ganz viele Leute, die sich darum kümmern, habe irgendwie einen Kameramann hier, habe da einen Kameraassistent, einen der die Schärfe zieht, brauche noch einen Produzenten und sowas, dann wird das auch gerne mal fünf- oder sechsstellig. Das kommt natürlich immer darauf an, hat man Reisekosten, hat Leute, die man beschäftigen muss. Von daher nach oben hin ist da mit Sicherheit keine Grenze gesetzt.

Markus Hövener: Wenn du jetzt so sagst, ein Handy reicht manchmal schon für die Aufnahme, da ahne ich schon, dass der typische Mittelständler jetzt fragen wird, hm, reicht das denn für meinen Qualitätsanspruch? Also reicht so ein iPhone aus für die Video-Qualität, die ich haben möchte? Muss es eigentlich immer direkt auch geil aussehen oder geht auch mal so halb geil?

Sven-Oliver Funke: Meine Empfehlung ist immer zu schauen, was für ein Format will ich bedienen? Habe ich zum Beispiel ein Q&A-Format, da brauche ich keine wahnsinnig teure Kamera oder möchte irgendwie mal einfach so diesen Firmenalltag zeigen und wenn das authentisch sein soll, dann wird das authentischer, wenn ich eher dem Mitarbeiter eine Kamera in die Hand drücke, ein Handy mit einem (unv.) oder sowas. Das kann wesentlich authentischer werden. Auf der anderen Seite muss ich das aber auch abwägen. Ist das zu einfach, ist das zu platt, was ich da veröffentliche und gucke ich auch wirklich, was sehen meine Mitarbeiter da oder was redet der Protagonist, dem ich das jetzt in die Hand gedrückt habe und gesagt, mach einfach mal. Das ist wirklich eine Abwägung, die muss man dann auch treffen und da ist es wirklich wichtig jemanden zu haben, der diese YouTube Welt dann auch einschätzen kann und auch einschätzen kann, wer als Unternehmen dann auf YouTube in welcher Form Videos veröffentlicht. Ich glaube, dann ist es schon wichtig sich auch mal andere Sachen anzuschauen, was andere Unternehmen machen. Aber ich brauche kein Hochglanz-Image-Video, das ich jetzt für 100.000 Euro produziere, weil das wahrscheinlich dann eher nicht so authentisch rüberkommt.

Markus Hövener: Ein wichtiges Stichwort ist natürlich der Protagonist, also einer muss vor der Kamera stehen und ganz ehrlich, einige können das und einige können das auch nicht. Einige wollen das auch nicht. Trotzdem, angenommen wir haben jemand gefunden, der es will, schickst du Leute auch zu einem Sprechtraining? Wie gehst du insgesamt damit, um Leute fit für die Kamera zu machen?

Sven-Oliver Funke: Das Einfachste ist tatsächlich und das sehe ich ganz häufig, dass man die Leute wirklich vor die Kamera setzen muss und muss schauen, funktionieren die oder funktionieren die nicht. Ganz oft sind das Leute, die eher zurückhaltend sind im Alltag, die vor der Kamera wahnsinnig gut funktionieren. Von denen hätte man das nie gedacht. Und andere, die wahnsinnig aus sich herausgehen im Alltag und immer vorne dabei sind, die funktionieren vielleicht vor der Kamera überhaupt nicht. Das heißt mein Tipp wäre einfach mal, ein kleines Casting-Unternehmen machen, kommt eigentlich immer darauf an, was für ein Format habe ich geplant. Und einfach mal schauen, wie funktionieren die Leute vor der Kamera? Ich habe jetzt zum Beispiel kürzlich gesehen eine ganz kleine Agentur hier aus dem Rhein-Main-Gebiet, die machen jetzt ein neues Format auf YouTube oder in ihren Social-Media-Kanälen, ich weiß gar nicht, ob es auf YouTube war. Aber das spielt ja im Endeffekt keine Rolle. Also man das auch auf YouTube projizieren. Bei denen die Visitenkarten analysieren. Also die lassen sich Visitenkarten schicken von ihren Zuschauern oder die Visitenkarten, die sie bekommen haben und analysieren dann die Visitenkarten. Wie sind die gemacht, wie ist die Haptik? Wie ist die Gestaltung? Gefällt mir die Visitenkarte? Was ist gut, was ist nicht so gut? Was hätte man besser machen können? Dieses Format funktioniert wahnsinnig gut. Dieser Protagonist, der davorsitzt, scheint ein Gestalter zu sein, der in dem Unternehmen arbeitet, zumindest auf jeden Fall einer aus der Agentur raus und es ist sehr authentisch.

Markus Hövener: Gute Idee. Was würdest du Unternehmen so grundsätzlich raten? Erstmal langes, dickes Konzept schreiben oder erstmal loslegen und Sachen ausprobieren?

Sven-Oliver Funke: Formate ausprobieren muss man in jedem Fall immer. So eine Strategie ist auch irgendwo ein Zyklus. Das heißt ich fange irgendwie an, mache mir Gedanken darüber, was für ein Video könnte ich machen, suche mir einen Protagonisten, wenn ich den nicht schon habe, und drehe halt eben mal einen Pilot davon oder vielleicht auch zwei, drei. Stelle den online, mache vielleicht auch ein Format draus, was jede Woche kommt zum Beispiel oder jeden Tag und gucke einfach mal, kann das funktionieren, kann das nicht funktionieren? In diesem iterativen Prozess muss ich dann schauen, halte ich dieses Format bei oder ändere ich das Format vielleicht ab und mache dann entsprechend in meiner neuen Formatfolge etwas anders oder nicht. Grundsätzlich halte ich es für Unternehmen oft schwierig, wenn sie noch gar keinen haben, der irgendwie ein Gespür dafür hat, was so in diesen Social-Media- und YouTube-Kanälen an Bewegtbild passiert. Das heißt da muss man wirklich als Kunde auch sagen, ich hole mir vielleicht mal jemanden dazu und schaue einfach mal, was der vielleicht da zu sagen hat, welche Formate für unser Unternehmen interessant sind. Da geht man am besten auch mal mit einer Analyse rein und dann kann das durchaus auch inhouse oder sogar idealerweise inhouse produziert und umgesetzt werden. Weil dann sind die Videos auch authentisch. Aber auch da muss man eben gucken, ob man die Ressourcen im Unternehmen akquirieren kann oder nicht.

Markus Hövener: Das Stichwort Formate hast du schon ein paar Mal genannt. Das hängt natürlich immer klar vom Unternehmen und von der Branche ab, aber trotzdem, was sind so typische Formate, die man eigentlich immer auf die Checkliste schreiben kann?

Sven-Oliver Funke: Das ist wirklich ganz schwierig. Das werde ich auch oft gefragt. Aber das lässt sich wirklich nicht festmachen. Klar, vor die Kamera setzen mittig, irgendwas erzählen, was interessant ist, kann man natürlich immer. Ein Q&A-Format funktioniert auch für jedes Unternehmen. Ich kann auch beispielsweise, es muss ja nicht immer ein Protagonist vor der Kamera stehen. Vielleicht fällt der Mitarbeiter aus und dann hat man auch ein Problem später. Das heißt man muss auch irgendwie gucken, dass das so ein bisschen weiter gestreut ist, was man an Formaten hat. Ich kann zum Beispiel auch mal einfach meine Produktvorstellungen live streamen oder kann die aufzeichnen und kann sie später reinsetzen oder kann ein Case-Video machen über irgendeine Kampagne, die ich jetzt gemacht habe. Oder kann ich auch Kampagnen-Videos online setzen. Lauter solche Sachen funktionieren auf YouTube. Aber das ist wirklich sehr individuell. Ich habe auch gerade schon dieses Format genannt mit diesen Visitenkarten. Das ist jetzt sicher auch sehr innovativ. Da muss man sich wirklich Gedanken drüber machen, was passt zu meinem Unternehmen, was können wir Lustiges oder Interessanteres vorbereiten? Vielleicht auch zum Beispiel als Werbeagentur, weil wir aus der Werbung kommen, könnte man zum Beispiel auch hingehen und irgendwas aus diesem Kontext nehmen, was dann eben gerne einen Mehrwert für den Zuschauer bietet und ihn dann im Gegenzug auf das eigene Unternehmen aufmerksam machen. Das hat ganz viele verschiedene Gründe, warum man auch überhaupt solche YouTube-Videos macht. Das ist nicht immer nur Produktabverkauf, den man damit erzielen möchte.

Markus Hövener: Also Produktabverkauf nicht, klar. Also alles eher Richtung Content-Marketing, also lösungsorientierte Inhalte anbieten?

Sven-Oliver Funke: Klar. Ich kann mir natürlich auch überlegen, ob ich das überhaupt alles selber mache oder ob ich vielleicht, das ist im Moment auch ein ganz großes Thema und auch so ein Buzzword, ob ich dann irgendwas mit Influencer-Marketing mache und das muss ja nicht Bibis Beauty Palace sein, die ich dann eben als Influencer habe, aber das kann auch zum Beispiel als Sportartikelhersteller jemand sein, der beispielsweise viel um die Welt reist oder viel in den Bergen ist oder sowas und dann eben eine Präsenz in den Kanälen hat. Aber der kennt sich halt wesentlich besser aus mit dem, was funktioniert und was nicht und bringt auch schon seine eigene Reichweite mit, die er auf das Unternehmen projizieren kann. Und den wiederum könnte ich auch auf meinen eigenen Kanal holen und eine Cross-Promotion machen oder wie auch immer. Also solche Sachen sind durchaus auch sehr attraktiv für Unternehmen, die halt noch gar keine Reichweite haben.

Markus Hövener: Wenn man also nochmal über das Thema Formate nachdenkt, würdest du dir am Anfang erstmal alle Konkurrenten anschauen, mit welchen Formaten die Erfolg haben?

Sven-Oliver Funke: Ja, kann man machen, klar, warum nicht. Eine Konkurrenzanalyse würde ich auf jeden Fall immer machen. Ich meine, so viele gibt’s da wahrscheinlich dann auch nicht, die da auf YouTube aktiv sind. Das muss man auch dazu sagen, zumal die Reichweiten, die Unternehmen in Deutschland auf YouTube haben, bisher noch sehr gering sind, vergleichsweise mit dem internationalen Markt. Das liegt natürlich auch an der Sprache, weil man natürlich wesentlich, die Zielgruppe ist natürlich wesentlich kleiner als jetzt, wenn man auf Englisch Videos produziert. Aber das kann man sich natürlich auch als Unternehmen überlegen, wenn man einen englischen Markt oder einen internationalen Markt bedient, ob man dann eben auch Videos auf Englisch produziert. Dann kann die Reichweite natürlich auch wesentlich größer sein. Aber natürlich muss man sich anschauen, was funktioniert auf YouTube, was funktioniert nicht? Aber es muss nicht immer nur die Konkurrenz sein, sondern ich empfehle auch oft wirklich sich Leute anzuschauen, die als Einzelperson oder als Gruppierung auf YouTube eine hohe Reichweite haben und was die an Formaten haben, was bei denen funktioniert und wie die agieren. Denn ganz viele Unternehmen und das sehe ich häufig, das ist schon so ein Basic-Fehler, gehen hin und veröffentlichen einfach mal alle Videos auf einen Schlag. Sowas ist halt schon allein gegen den Algorithmus und für den Zuschauer funktioniert das sowieso auch gar nicht. Allein da kann man schon die Basics von Leuten lernen, die halt eine hohe Reichweite als Einzelperson auf YouTube haben. Also das würde nie jemand machen so.

Markus Hövener: Ein großes Kapitel bei dir im Buch ist auch das Analysieren von Kanal und Videos. Da gibt’s 2 Methoden, einmal gibt’s YouTube Analytics und dann gibt’s die Verbindung von YouTube und Google Analytics. Wo ist der Unterschied zwischen diesen beiden Methoden?

Sven-Oliver Funke: Wenn man Google Analytics einbindet, dann geht es in erster Linie darum, dass diese Kanal-Seite, dass die über Google Analytics analysiert werden kann. YouTube Analytics ist eigentlich was ganz anderes, da geht’s darum und das hat auch nichts, ist nicht in Google Analytics integriert, das hat was damit zu tun, wie lange schauen meine Zuschauer meine Videos? Wie ist die Abbruchrate? Was überspringen sie vielleicht? Man hat dann entsprechende Graphen, mit denen man sieht, wie die Abbruchraten sind. Oder ich kann auch schauen, wo sind meine Zuschauer her? Wie alt sind meine Zuschauer? Wie sind sie überhaupt auf meinen Kanal oder auf das Video gekommen? Was haben sie sich als nächstes angeguckt? Solche Sachen sind natürlich wahnsinnig aufschlussreich, insbesondere wenn man an so eine Customer Journey denkt, weil ich natürlich wissen will, wo kommt der Kunde her in meiner Customer Journey und hat der vielleicht danach noch mehr Videos von mir angeguckt oder ist er zum Konkurrenzprodukt übergegangen auf YouTube, hat sich da ein Video angeguckt? Oder hat er vielleicht sogar meine Micro-Site besucht? Das ist wahnsinnig interessant zu erfahren.

Markus Hövener: Zurück zu YouTube Analytics. Was kann ich da typischerweise daraus ableiten? Wenn ich sehe, dass alle nach 2 Minuten meine Videos abbrechen, mache ich dann nur noch 2-Minuten-Videos? Ist das die große Idee?

Sven-Oliver Funke: Nein, man muss sich das Video natürlich schon genau anschauen. Was habe ich da vielleicht in den 2 Minuten gemacht? Vielleicht zwischen 1:30 und 2 Minuten. Was ist da genau passiert? Wurde es da langweilig? Ist da keine Spannung mehr gewesen? Wie kann ich die Spannung vielleicht höher halten? Warum haben die Leute da weggeschaltet? In den allermeisten Fällen hat das mit dem Storytelling innerhalb des Videos zu tun, weil hier das dann einfach für den Zuschauer langweilig geworden ist. Oder ich muss mir natürlich auch überlegen, ob ich dann schon Sekunde 30 sage, besuche meine Mikro-Site, wenn das Video 10 Minuten lang geht. Das wäre natürlich auch ein Fehler. Dann gehen die Leute alle direkt auf die Seite und sind erstmal weg. Schadet insofern erstmal nicht dem Ziel der Customer Journey, schadet aber langfristig dem Kanal, weil die Videos dann als nicht so relevant eingestuft werden, wenn die Zuschauer das 10-Minuten-Video nur 30 Sekunden lang anschauen. Das heißt, meine Reichweite insgesamt fällt dadurch dann irgendwann ab.

Markus Hövener: Wie oft sollte man denn in YouTube Analytics reinschauen? Sollte ich mir dafür einen Plan machen? Ein monatliches Meeting? Also wie verankere ich das im Unternehmen?

Sven-Oliver Funke: Ich würde das in jedem Fall in diesen iterativen Prozess einbeziehen. Sobald ich mir Gedanken um neue Formate mache, dann in jedem Fall. Weil wenn ich jetzt ein Format vorproduziert habe, dann macht es wenig Sinn da draus jetzt irgendwas abzuleiten, weil das wird ja sowieso erscheinen. Aber natürlich kann ich währenddessen immer mal reinschauen, von mir aus kann man da jeden Tag reinschauen, nachdem ein Video veröffentlicht wurde, warum nicht. Man kann auch daran sehen, ob es vielleicht irgendwelche, ob die Viralität vielleicht gestiegen ist? Kann ja plötzlich passieren. Irgendwie ein Haar-Tutorial von einem Friseur geht plötzlich durch die Decke, dann hat vielleicht jemand mit einer großen Reichweite diese Tatsache aufgegriffen. Das könnte man vielleicht an dem Analytics erkennen und dann könnte man entsprechend da drauf reagieren. Vielleicht nimmt man dann zu dem Kontakt auf. Wäre jetzt nur so ein Beispiel. Von daher warum nicht immer mal reinschauen. Also verbietet ja niemand, kostet auch nichts.

Markus Hövener: Wir stellen natürlich in der Praxis immer wieder fest, nur weil Daten verfügbar sind, heißt das wirklich nicht, dass sie jemand nutzt. Gerade Google Analytics muss ich sagen wird von vielen Unternehmen nach wie vor kaum oder überhaupt nicht genutzt. Und deswegen natürlich immer reinschauen in seine Daten, nicht das Erheben von Daten erbringt den Wert, sondern natürlich das Analysieren der Daten.

Sven-Oliver Funke: Das wäre natürlich schade, aber ich meine, natürlich, das wird man auch merken, das ist ein bisschen anders als bei dem Google Analytics. Nehmen wir mal an, ich schalte eine Webseite online, dann ist die erstmal online und die vergesse ich aber nach 3 Tagen wieder. Bei so einem Video hat man schon irgendwie so diesen Zähler, da unten den Counter, der unter dem Video läuft und will irgendwie wissen, wie viele Leute haben das gesehen? Wer kommentiert da? Vielleicht kommen auch neue Kommentare rein, über die wird man benachrichtigt. Das heißt man ist dann doch irgendwie mehr auf dieser Plattform involviert als mit einer Webseite, die über Google Analytics läuft, weil man einfach viel mehr Interaktion mit dieser Seite auch hat und einfach viel mehr selber dabei ist. Von daher denke ich mal, ist es auch schon ein natürlicher Prozess sich wesentlich öfter damit zu beschäftigen als mit dem Analytics, weil man da die wirklich einfach schnell vergisst.

Markus Hövener: Ich habe bei dir auch wirklich was Neues gelernt im Buch, nämlich ein Tool, was ich noch nicht kannte, socialblade.com, da kann ich einen YouTube-Kanal eingeben und bekomme Daten zum Beispiel über die Reichweite und inklusive der Veränderungen über die Zeit. Ist das sinnvoll da alle Konkurrenten rein zu stecken?

Sven-Oliver Funke: Ja, auf jeden Fall. Klar, dieses Tool bietet halt vor allem den Vorteil Einblick in andere Kanäle zu bekommen. Das machen die, indem die einfach täglich tracken und die API abfragen, welche Daten da die Videos erzielt haben, also wie viele Views hatten die, wie viele Abonnenten hatten die? Das kann man halt wahnsinnig gut grafisch dann darstellen in allen möglichen Varianten. Natürlich kann ich mir da anschauen, hat zum Beispiel die Kampagne von einem Konkurrenten X wirklich was für deren YouTube-Kanal gebracht oder sind vielleicht sogar Leute abgesprungen? Ich meine, es gibt auch Unternehmen, die sich im Social-Media-Bereich zum Beispiel sehr kritisch bewegen. Nehmen wir mal ein Beispiel, True Foods zum Beispiel. Die sind nicht immer von allen Seiten gemocht. Von daher kann man ja mal schauen, hat die Kampagne denn jetzt eigentlich mehr Reichweite gebracht, obwohl die jetzt wieder den neuesten Skandal für einige Leute erzeugt haben oder ist es vielleicht wirklich schlecht gewesen diesmal für die? Warum soll man das sich nicht mal anschauen? Von daher ist SocialBlade da schon eine ganz gute Basis, um da auch mal Einblicke zu erhalten. Aber ich würde das auch nicht überbewerten. Ich würde zum Beispiel mich nicht, ich würde immer schauen, Konkurrent X hat vielleicht 1 Millionen Abonnenten und wir haben nur 1.000. Das ist halt eigentlich kein KPI, den ich da irgendwie ran ziehen kann, weil wenn ich die 1.000 Kunden vielleicht alle zum Sale machen kann und der von 1 Millionen irgendwie alle nur unterhält, aber nie was davon hat, dann ist der Wert von den 1 Millionen Abonnenten vielleicht auch wieder da hinfällig.

Markus Hövener: Wir alle kennen diese KPIs, die dann auch wirklich keine KPIs sind.

Sven-Oliver Funke: Deshalb sage ich ja, es kann auch ein Unternehmen relativ wenige Abonnenten, aber halt am Anfang eine sehr starke Community haben, die irgendwie in allen möglichen Lagen des Unternehmenskontextes dann hilfreich sein kann.

Markus Hövener: Vielen Dank erstmal soweit. Ich habe das Buch natürlich insgesamt nochmal durchgeblättert und es sind bei mir noch ein paar Stichworte hängengeblieben, da wollte ich dich nochmal nach fragen. Immer eine kurze Frage mit der Bitte um kurze Antwort. Stichwort Nummer 1: 360 Grad Videos, brauche ich das?

Sven-Oliver Funke: Ist ein Format, was wirklich schwierig zu handhaben ist. Wenn man Ideen hat, wie man 360 Grad sinnvoll in seinem Storytelling einbinden kann, dann ja. Ansonsten probieren, ob man damit was machen kann, ansonsten eher Finger weg. Kommt natürlich auf die Zielgruppe an. Die müssen die Möglichkeit haben oder müssen zumindest auch die Fähigkeit haben, nicht nur die Möglichkeit, gibt auch Leute, die verstehen das Medium nicht, eben diese Videos anzuschauen.

Markus Hövener: Dann das Stichwort Storytelling. Das haben wir eben schon mal genannt, aber trotzdem nochmal die Frage: Brauche ich das?

Sven-Oliver Funke: Storytelling als Buzzword. Ist ganz schwierig. Was versteht man überhaupt darunter? Storytelling ist eigentlich alles. Das, was wir hier gerade machen, ist auch Storytelling. Ich erzähle ja auch irgendwas. Von daher Storytelling jetzt im Kontext von, ich habe ein Video, was auch einen Sinn hat, was eine Geschichte erzählt, dann definitiv. Weil das Video wird besser funktionieren oder meine Gesamtstrategie als Geschichte in einem Kontext, in einer eigenen Markenwelt, wird definitiv besser funktionieren, wenn ich da irgendwas draus mache. Da würde jetzt Storytelling in dem Kontext auch was bringen. Aber Storytelling als Wort finde ich ganz schwierig überhaupt zu fassen. Storytelling in meinem Buch ist vor allem auf die Videos und auf die Markenwelt bezogen dann.

Markus Hövener: Noch ein Stichwort: Live Streaming. Ja oder nein?

Sven-Oliver Funke: Für einen Produkt-Launch auf jeden Fall. Finde ich sehr gut, wenn man Events hat, an denen Leute nicht teilnehmen können, die aber für sie trotzdem interessant sein könnten. Kann zum Beispiel sein, dass man Konferenzveranstalter oder sowas ist, der eben auch seine breite Basis da erhöhen will. Dann ist Live Streaming auf jeden Fall gut. Wozu ich abrate, das vielleicht auch, weil ich gerade davon, von Konferenzen und Live Streaming, wir hatten es jetzt vorher von 360 Grad, ich rate eher davon ab 360 Grad Live Streaming zu machen, wenn man eine Konferenz streamt. Ist meiner Erfahrung nach sehr viel verbranntes Geld für am Ende sehr wenig Output.

Markus Hövener: Angst vor Shitstorm. Gerechtfertigt oder nicht?

Sven-Oliver Funke: Ja durchaus. Aber man sollte sich einfach vorher eine Strategie überlegen, wie man damit umgeht. Shitstorm ist meistens was, was eher außerhalb von YouTube passiert und sich dann eher auf die Plattform projiziert, wenn man nicht irgendwie mit den falschen Leuten auf YouTube in Kontakt kommt. Da würde ich eher Shitstorm, wenn es mit Influencer-Marketing und dem falschen Umgang damit zu tun hat, dann würde ich da sagen, kann das auf YouTube schon mal in die Hose gehen. Aber auch da muss man sich dann einfach jemanden holen, der davon Ahnung hat. Es gibt ja genug Influencer-Marketing-Agenturen.

Markus Hövener: Und noch eine Frage: Rechtsberatung vorher, ja oder nein?

Sven-Oliver Funke:  Es gibt so ein paar Basics, die muss man auf jeden Fall beachten auf der Plattform. Man braucht auf jeden Fall ein Impressum. Lauter solche Sachen. Ich kann auch nicht einfach mich zu bestimmten Themen äußern oder das vielleicht schon. aber ich muss aufpassen, in welcher Form ich das mache. Von daher Rechtsberatung ist schon sehr sinnvoll, wenn ich mich da absichern will. Aber kommt auch immer auf das an, was man da machen möchte.

Markus Hövener: Und noch einer! Cross Promotion: Ja oder nein?

Sven-Oliver Funke: Definitiv. Muss man machen, in jeder Lebenslage.

Markus Hövener: Vielen Dank erstmal so weit. Soweit wäre ich mit meinen Fragen auch durch. Vielleicht zum Schluss, hast du noch so einen richtig finalen tollen Tipp für Unternehmen, die sagen jetzt, okay, ich will jetzt auf YouTube durchstarten?

Sven-Oliver Funke: Ich würde es mir auf jeden Fall mal anschauen. Ich habe schon gesagt, viele Unternehmen haben dafür kein Bewusstsein. Das hat aber nichts nur mit kleinen und mittelständischen Unternehmen zu tun, sondern das betrifft auch sehr viele Großkunden. Meine Grundempfehlung für kleine Unternehmen und die habe ich auch sehr häufig schon beraten, ist, wenn ich der Friseur um die Ecke bin, habe ich wunderbare Möglichkeiten meine Frisuren, die ich gemacht habe, zu präsentieren und wahrscheinlich wird mein Laden sich vor Terminen nicht mehr retten können. Wenn ich der vegane Laden um die Ecke bin, der irgendwie ein wahnsinnig leckeres Essen zubereitet, dann sollte ich da eben auch im Social-Media-Kontext was machen. Das muss nicht nur YouTube sein, das kann YouTube sein. Und wenn ich da ein Koch-Tutorial draus mache oder irgend sowas. Was einen Mehrwert hat, können gerade solche kleinen Unternehmen wahnsinnig authentisch mit wahnsinnig einfachen Mitteln machen und haben dadurch eine wunderbare Möglichkeit auf YouTube die Reichweite zu nutzen.

Markus Hövener: Vielen Dank für deine Zeit! Nochmal der Hinweis aufs Buch. „Video is King! Erfolgreiches Online-Marketing mit YouTube“ im Rheinwerk-Verlag, kann man sich jederzeit kaufen, wenn man das Ganze nochmal nachlesen möchte, so 500 Seiten sind es ungefähr. Das wars für heute mit diesem Thema. Wir werden, ich glaube das ist auch schon die nächste Ausgabe, das Thema YouTube nochmal angehen, diesmal mit Dave, einem netten und guten Kollegen. Könnt ihr jetzt schon mal drauf gespannt sein. Das Thema lässt uns nicht los. Deswegen bleibt dran! Wenn ihr dann demnächst mal auf YouTube durchstartet, dann gebt doch kurz Bescheid, dann. freue ich mich einfach, über Feedback freue ich mich sowieso immer, wenn ihr schreibt oder macht sonst was, kleine Zettelchen an Brieftauben binden, Richtung Emsdetten schicken. Alles geht. Vielen Dank und bis bald! Ciao!

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About Markus Hövener

Markus Hövener ist Gründer und Head of SEO der auf SEO und SEA spezialisierten Online-Marketing-Agentur Bloofusion. Als geschäftsführender Gesellschafter von Bloofusion Germany ist er verantwortlich für alle Aktivitäten in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Markus Hövener ist Buchautor (SEO - Die neuen Regeln), Autor vieler Artikel und Studien rund um SEO und SEA und Chefredakteur des Magazins suchradar.

In seiner Freizeit hat Markus vier Kinder, spielt gerne Klavier (vor allem Jazz) und hört auf langen Autofahrten „Die Drei Fragezeichen“.