Die einfachsten Fragen sind ja oft am schwierigsten zu beantworten. Auch in diesem Fall gibt es keine pauschal richtige Lösung. Die ehrliche Antwort lautet nämlich „Es kommt darauf an“. Worauf kommt es an? Und: Wie viel Zeit sollten Sie für die Content-Erstellung einplanen?
Die Antworten lesen Sie hier.

Anstoß für diesen ganzen Beitrag war eine Umfrage von CoSchedule. Dort wurden 1.597 Marketing-Profis aus 83 Ländern befragt. Ziel war es dabei, den aktuellen Stand bei Online-Marketing-Strategien – besonders im Content-Marketing – besser zu verstehen. So beeindruckend diese Stichprobe zunächst erscheinen mag, kommt sie doch mit gewaltigen Einschränkungen daher:

  • Weniger als die Hälfte der Werbe-Fachleute (48 %) gaben an, eine dokumentierte Marketing-Strategie zu haben.
  • Nur eine verschwindend kleine Minderheit der Befragten gab an, mit anderen Formaten als Blogposts, Social-Media-Posts oder E-Mails zu arbeiten (siehe Abbildung).
  • Video-Content wurde bei den Arten von Inhalten, die erstellt werden, gar nicht explizit genannt (siehe Abbildung).

Quelle: https://coschedule.com/blog/marketing-statistics/

Alle hier zitierten Daten sollten also insgesamt mit Vorsicht genossen werden und die Ergebnisse sollten nicht voreilig verallgemeinert werden.

Nun aber zur eigentlichen Frage, die ich hier beantworten möchte:
Wie lange dauert es im Content-Marketing, ein inhaltliches Werk fertigzustellen? Die bessere Frage wäre eigentlich „Wie lange sollte die Erstellung dauern?“, aber dazu später mehr.
Die Ergebnisse der CoSchedule-Umfrage lassen sich am besten grafisch vermitteln:

Quelle: https://coschedule.com/blog/marketing-statistics/

Laut Umfrage dauerte die Erstellung eines Stückes Content insgesamt, also kollektiv durch alle beteiligten Kollegen, bei den meisten Befragten (65 %) weniger als sechs Stunden. Zudem wurde festgestellt, dass es nur eine schwache Korrelation (r = 0,17) zwischen Zeitaufwand und der Content-Qualität (Selbstauskunft) gab. Noch schwächer war dann der Zusammenhang zwischen der aufgebrachten Zeit und dem Erreichen von Marketing-Zielen (Korrelation r = 0,08). Dabei waren die drei Top-Marketing-Ziele bei den Befragten übrigens qualifizierte Leads (30 %), Traffic (19 %) und direkter Umsatz durch Content (18 %).

Fassen wir zusammen:

  1. Die Mehrheit der befragten Marketer verfügt über keine dokumentierte Marketing-Strategie.
  2. Nur ein Bruchteil nutzt umfangreiche, aufwändige Formate wie E-Books, Whitepapers, Podcasts etc.
  3. Video taucht als Format gar nicht explizit auf – obwohl der Trend hin zu Video-Content schon seit Jahren bekannt und ungebrochen
  4. Die Mehrheit erstellt diese Inhalte mit einem Zeitaufwand von weniger als sechs Stunden.
  5. Mehr Zeit für die Erstellung steht nur in einem sehr schwachen statistischen Zusammenhang mit besserer Qualität der Inhalte und größerem Marketing-Erfolg durch ebendiese Inhalte.

Hier liegt also die Vermutung nahe, dass die Stichprobe hauptsächlich aus unerfahrenen Content-Marketing-Novizen und -Laien bestand. Lassen wir diese Daten also als kurze Einleitung ohne bedeutende Implikationen hinter uns und wenden uns der viel interessanteren Frage zu:

Wie lange sollte Content-Erstellung dauern?

Wer mit Content-Marketing anfängt hat viele Fragen. Wir hören am häufigsten diese:

Es ist völlig verständlich, dass hier Klärungsbedarf besteht, denn Content-Marketing ist mit erheblichen Investitionen und gewissen Risiken verbunden. Und kluge Marketer verbrennen ungern ihre Budgets. Gleichwohl zeigt die Pauschalität dieser Fragen sofort, dass eine wichtige Einsicht zum Content-Marketing fehlt. Nehmen wir einmal an, Bloofusion würde als Dienstleister und Berater „einfache“ Antworten auf die obenstehenden Fragen liefern:

Content-Marketing kostet genau 20.000 Euro, Texte müssen 1.000 Wörter lang sein, die Erstellung dauert jeweils 5:30 Stunden und jeden Dienstag muss ein neuer Beitrag online gehen.
[Achtung: Diese fiktive Aussage veranschaulicht lediglich die Nutzlosigkeit pauschaler Antworten.]

Hier wird hoffentlich klar, dass solche Antworten zwar emotional beruhigen mögen, jedoch bei dem Entwurf einer Content-Marketing-Strategie nicht helfen. Denn dafür müssen langfristige Ziele definiert werden, die dann mit dem Aufwand in ein sinnvolles Verhältnis gesetzt werden könne. Die Frage „Wie lange sollte Content-Erstellung dauern?“ verdient also keine Antwort in bloßen Stunden, sondern viel eher in Stunden pro Lead, Stunden pro Link, Minuten pro neuem Website-Besucher, …

Sind beispielsweise vorrangig Links das Ziel, könnte eine sinnvolle Evaluation so aussehen:

Nach sechs Monaten sind dank Content-Marketing 20 Links zu unserer Website entstanden. Dafür haben wir alles in allem 120 Stunden investiert.

oder

In den Ratgeber zum Thema XYZ haben wir insgesamt 30 Stunden gesteckt (inkl. Themenrecherche, Erstellung, Content-Seeding etc.). Er wurde von zehn Websites verlinkt.

Mit diesen Kennzahlen können dann sinnvolle weiterführende Fragen beantwortet werden:

  • Entspricht das den Zielen, die vorab festgesetzt wurden?
  • Hätten andere Maßnahmen (Linkaufbau ohne Content, Online-PR) mit vergleichbarem Aufwand mehr gebracht?
  • Muss die Strategie also angepasst werden?

Fazit

Pauschal lässt sich die Frage, wie lange die Erstellung von Inhalten für das Content-Marketing dauert, nicht beantworten. Für eine sinnvolle Bewertung der investierten Zeit müssen Aufwände mit Ergebnissen ins Verhältnis gesetzt werden – und dafür müssen Ziele definiert und entsprechende Kennzahlen gemessen werden. Im Content-Marketing-Alltag ist die entscheidende Frage meist gar nicht, wie viel Zeit in die Erstellung von Inhalten investiert wird, sondern, ob in dieser Zeit die richtigen Inhalte geschaffen werden.

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About Andreas Schülke

Andreas Schülke ist Head of Content Marketing bei der Online-Marketing-Agentur Bloofusion und schreibt schwerpunktmäßig zu den Themen Content Marketing und Linkaufbau – im Bloofusion-Blog, im Magazin für SEO, SEA und E-Commerce suchradar sowie bei Twitter.

Privat treibt er viel Sport und spielt Fußball im Freizeitliga-Verein SC Münster United. Außerdem ist er Fan von Werder Bremen und musikbegeisterter Hobbykoch.

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