In Episode 23 geht es im Interview mit Olaf Kopp um Markenaufbau: Warum müssen Unternehmen eigentlich online zur Marke werden? Wie wird man zur Marke? Welchen Anteil kann die Agentur, welchen Anteil muss das Unternehmen  selber übernehmen? Und was ist der Unterschied zwischen Markenbekanntheit und Markenbeliebtheit? All das klären wir in diesem Podcast zweier Urgesteine.

> Alle Episoden von Search Camp als RSS-Feed
> Search Camp bei iTunes

Shownotes:

Transcript:

Markus Hövener: Moin und herzlich willkommen zur Search Camp Episode 23. Das Thema in der heutigen Sendung ist Markenaufbau. Warum muss man ein Unternehmen zur Marke werden? Was braucht es dafür? Was ist der Unterschied zwischen Bekanntheit und Beliebtheit? Wie trägt man das ins Unternehmen herein? Und und und. Also darum geht’s heute. Viele Themen. Ich mache das heute nicht alleine, sondern zusammen mit einem sehr geschätzten Kollegen aus Hannover. Also bleib dran. Gleich geht’s los.

Markus Hövener: So da sind wir jetzt. Ich freue mich sehr, dass ich den Olaf Kopp in der Leitung habe. Ich weiß nie, ob das ein großes Lob ist oder eher so ein nicht schönes Wort, aber wir sind eigentlich beide so Urgesteine der Branche und ich wollte schon lange einen Podcast mit ihm aufnehmen, habe ihn gefragt: Sage mal, welches Thema wäre für dich interessant? Und er kam mit dem Thema Markenaufbau, da habe ich gesagt: Klar. Machen wir sofort. Deswegen freut es mich, Olaf, dass wir dich hier haben. Magst du dich kurz vorstellen?

Olaf Kopp: Ja Markus. Danke erstmal für die Einleitung. Urgestein, ich glaube, du bist mehr Urgestein als ich in der Online-Marketing Branche. Also, wenn du glaube ich von mir von einem Urgestein sprichst, dann werden manche vielleicht auf die Barrikaden gehen, die da deutlich länger schon am Werk sind. Also ich, ich glaube, du bist da schon ein bisschen länger dabei. Wann hast du, seit wann bist du dabei?

Markus Hövener: Ja so 2001.

Olaf Kopp: Siehste.

Markus Hövener: Also richtig Urgestein ja.

Olaf Kopp: Also, wenn ich jetzt mal, wenn ich wirklich mal zurückdenke. Ich habe 2002 bis 2006 studiert, das war eher mit Schwerpunkt Marketing und E-Business. Da gab’s, da habe ich meinen Marketingprofessor für gehasst, dass er, wir hatten in keiner einzigen Vorlesung das Thema Online-Marketing und ich habe mich halt privat da so langsam in dieses digitale Thema mal reingefuchst mit einer eigenen Musikplattform, die wir so für Independent Künstler damals hochgezogen haben, aber eher im regionalen Raum. Und bin dann nach dem Studium auch erstmal ins klassische Marketing gegangen, hatte dort leichte Berührungspunkte. Wir hatten damals, das war ein Versandhändler, wo ich tätig war als Marketingmanager und Online-Chefredakteur. Da hatte ich zumindest was online publizieren, hatte ich da schon dann meine nach dieser Plattform meine ersten Erfahrungen und wir hatten auch damals eine AdWords-Agentur beauftragt und da bin ich eigentlich das erste Mal so richtig mit dem Thema Online-Marketing in Berührung gekommen, das war dann so um die 2006, 2007. Und dann hat mich das Thema auch ziemlich angefixt, habe mir sofort das, die erste Auflage vom Website Boosting von Mario Fischer geholt, von dem Buch. Das war quasi dann eigentlich erst mein Einstieg. Also eigentlich der Einstieg ins Online-Marketing war so richtig erst so 2007, 2008, bei mir mit dem Thema Google AdWords und dann wollte ich da, dann bin ich auch schnell zum Thema SEO gekommen und dann wollte ich da auch nicht mehr weg und bin dann, weil meine damalige Arbeitsstelle mir im Online-Marketing nichts anbieten konnte, bin ich dann nach Berlin zu Universal gegangen, habe dort mein Glück im Online-Marketing probiert. Dort hat es leider aus bestimmten Gründen nicht funktioniert beziehungsweise ich wollte da nicht bleiben und bin dann zurück in meine Heimatstadt nach Hannover und habe ich dann da selbstständig gemacht mit einer Online-Marketing Agentur, damals Schwerpunkt SEO und Google AdWords und die hieß damals SEM Deutschland, also die Domain semdeutschland.de gibt’s ja heute immer noch. Die könnte hier der eine oder andere kennen, darauf liegt ja auch mein Blog oder mein Hauptblog sage ich mal. Und dann habe ich mich 2012 mit meinem jetzigen Geschäftspartner zusammengetan und habe die Aufgesang Inbound Marketing gegründet mit Fokus eben, ich meine, wir hatten Ende 2011 konnte man schon erahnen in welche Richtung so will, was so Inhalte und so angeht, also auch in Richtung Content Marketing. Und da war es einfach für unser beide Sichtweisen einfach sinnvoll das Thema PR, mein Geschäftspartner hat vorher eine reine PR-Agentur gehabt, das Thema PR und Online-Marketing, aber speziell auch SEO zusammenzubringen, um halt daraus in dieser Fusion sage ich mal oder die Synergieeffekte auf PR und SEO für dann spätere Content Marketing Projekte zu nutzen. Und so war ich bei Aufgesang auch 3 Jahre Geschäftsführer, habe dann gemerkt, dass die Rolle mit ein bisschen zu anstrengend wurde und bin jetzt heute aktuell Head of SEO und Chief Business Development Officer, also CBDO, also mache viel mit Produktentwicklung bei uns in der Agentur, Akquise auch, aber auch Marketing, das Agenturmarketing liegt hauptsächlich bei mir.

Markus Hövener: Also als Geschäftsführer kann ich das super nachvollziehen. Also…

Olaf Kopp: Du bist halt Ansprechpartner für Gott und die Welt und egal, ob die Kaffeemaschine kaputt ist oder jemand mehr Geld haben will, du bist für die komplette Range halt Ansprechpartner und das war mir dann irgendwann zu viel.

Markus Hövener: Ja verstehe ich. Ja Thema war ja jetzt leider nicht Agenturführung oder Gründung, sondern Markenaufbau

Olaf Kopp: Ja. (lacht)

Markus Hövener: Genau. (lacht) Schön, dass wir die Kurve noch kriegen. Also die Frage ist ja, vielleicht einleitend auch als Motivation. Ich könnte ja einfach sagen: Ich mache nur Performance Marketing, ich stecke mein ganzes Geld in AdWords und gut ist. Ich muss gar nicht zur Marke werden. Warum sollte man trotzdem zur Marke werden

Olaf Kopp: Vor 5, circa 5 Jahren, habe ich noch gesagt: Alles, was nicht messbar ist, macht keinen Sinn. Da war ich Performance Marketing, ich will das Wort nicht im Mund nehmen, aber einfach mal so zynisch ein bisschen Performance Marketing Evangelist. Ich habe nur das wirklich für richtig gehalten, was messbar ist und was wirklich auch sehr auf harte Ziele konzentriert ist, also sprich, Lead oder Abverkäufe. Wir beide sind ja auch ein bisschen länger im Geschäft und wir sehen, wenn man so sich betrachtet, wie die Performance im Bereich AdWords über die Jahre abgenommen hat. Also ich sage mal vor, ich nehme mal AdWords jetzt als Beispiel für einen typischen Performance Marketing Kanal. Dann sieht man, dass doch es heutzutage aufgrund des Wettbewerbsdrucks und der erhöhten Klickpreise et cetera es nicht mehr so einfach ist performant AdWords zu schalten, nur AdWords für sich alleine. Und die Marke, ich, wenn man mich heute fragt, ich würde gar keine Trennung mehr machen zwischen Performance Marketing und Branding oder Markenaufbau, weil beides so eng miteinander zusammenhängt. Wir können ja mal überlegen, Beispiel Amazon, warum ist Amazon sehr erfolgreich? Weil sie so gute AdWords Kampagnen schalten? Ich glaube eher nicht. Sondern die sind erfolgreich, weil sie sich so eine Marke aufgebaut haben, dass die Leute inbound automatisch schon zu Amazon gehen, ohne, dass irgendeine Werbung eigentlich notwendig ist. Und das ist deshalb und das ist erstmal dieser Inbound-Effekt, den Marken natürlich haben. Der vereinfacht natürlich einiges, als auch dieser auch eben bei den Abschlussraten, also ich habe 2 Anbieter, Anbieter A kenne ich, weil es eine Marke ist, den kenne ich, den habe ich, der ist mir schon öfters überall an verschiedenen Touchpoints begegnet, Anbieter B hat vielleicht ein bisschen günstigere Preise, kenne ich aber nicht, die Chance, dass trotzdem derjenige bei dem Anbieter A kauft, weil er mehr Vertrauen in die Marke hat, weil er sie schon kennt, ist deutlich größer als, wenn derjenige beim Anbieter B kauft. Sprich, es hat direkt eine starke Marke hat direkten Einfluss auf die Abschlussraten. Also auch in dem Sinne auf Conversion-Optimierung.

Markus Hövener: Okay. Und natürlich auch so Standard SEO-Metriken, ich meine du hast höhere Chancen einen Link zu bekommen.

Olaf Kopp: Genau. Genau.

Markus Hövener: Soziales Signal.

Olaf Kopp: Outreach, wenn man Content Marketing Kampagnen fährt, man geht raus und man kennt einen schon, weil man mit den Redaktionen eventuell schon Kontakt hatte oder vielleicht auch, weil die uns schon kennen, weil die uns andauernd überall, wir denen andauernd über den Weg laufen. Dann sind die vielleicht auch, fühlen die sich vielleicht auch ganz geehrt, wenn man die dann anspricht und dann sind die oder ja wenn auch das finde ich ja toll, also das ist dann ganz anderes, da wird man ganz anders empfangen von Redaktionen als, wenn man eine Nullnummer ist.

Markus Hövener: Jetzt hattest du eben halt gesagt so: Früher warst du anders drauf, ne also früher, was nicht gemessen werden konnte, das zählte auch nicht. Jetzt ist ja gerade Markenaufbau so ein Thema. Also, wenn du so ein Thema hast wie Kundenbindung oder Loyalität, da ist es ja leider unglaublich schwer in Google Analytics reinzugießen, wie loyal sind meine Bestandskunden zu mir? Wie gehst du vor? Also sagst du dann: Manche Sachen kann ich einfach nicht messen, was den positiven Effekt von Markenaufbau angeht? Oder hast du Chancen, viele Sachen zu messen?

Olaf Kopp: Grundsätzlich würde ich mal unterscheiden. Markenaufbau findet auf 2 Ebenen statt. Einmal für die potentiellen Kunden, also den Nutzer, als auch die Algorithmen der wichtigsten Gatekeeper. Das ist erstmal für mich 2. Es gibt Signale, die wirken auf beide Bereiche, sowohl auf die Algorithmen, weil diese sie auch messen und feststellen können und es gibt halt eher psychologische Signale, die mehr auf das, was dann im Hirn der Nutzer eher stattfindet, also auf psychologischer Ebene eben. Die lassen sich halt eben schlecht über uns, unsere möglichen Webanalyse-Systeme zum Beispiel erfassen. Aber man ja zum Beispiel Wiederkaufraten über CRM-Systeme kann man Wiederkaufraten natürlich schon feststellen und die Kundenloyalität natürlich feststellen. Wenn oder über den über die Customer Value, man spricht ja auch immer von Customer Lifetime Value und wenn die besonders lang beziehungsweise besonders hoch ist, dann ist das ja ein Zeichen, je länger diese Customer Lifetime Value ist, desto höher ist, kann man schon Parallelen zu Markenwert dann eigentlich ziehen, zur Markenrelevanz.

Markus Hövener: Okay. Und du hast natürlich auch…

Olaf Kopp: Und vielleicht, habe die Frage glaube ich nicht komplett beantwortet. (lachen beide) Also, wenn wir jetzt auf Algorithmus, also Sachen wir Backlinks zum Beispiel, sind glaube ich für Google immer noch so wichtig, weil sie einen, auch einen eigentlich immer noch eines der wichtigsten Autoritätssignale für Google sind, weil sie nichts Anderes haben. Ich glaube Social Media kann man sich drüber streiten, wäre interessant auf jeden Fall, sowas, wenn Google sowas in Betracht ziehen könnte. Da Google Plus aber nicht so richtig funktioniert hat und sie das nicht nutzen können, bin ich da mir nicht so ganz sicher eben, ob Social Media Signale auch für die Algorithmen da eine Rolle spielen, wenn wir jetzt vom Ranking Algorithmus sprechen zumindest. Aber wir haben auch zum Beispiel bei Facebook haben wir auch einen Algorithmus, der auf bestimmte Autoritätssignale in Form on Engagementzahlen jetzt da eben funktioniert. Und Engagementzahlen könnten für theoretisch ja auch wie Nutzersignale, könnten wir Google ja auch Rankingsignal sein. Jetzt sind wir bei meinem Lieblingsthema, da muss ich, sage ich kurz nochmal eins zu, da kommt aber auch demnächst ein Blogbeitrag von mir. Google sagt definitiv, dass Nutzersignale kein direktes Rankingsignal sind, noch derzeit, trotzdem ist für SEO, für die meisten SEOs anscheinend gesetzt als Rankingsignal, finde ich immer ganz interessant. Sehe ich derzeit noch nicht so, solange Google nicht ganz klar sagt: Nutzersignale sind direktes Rankingsignal und werden nicht nur zu Algorithmusweiterentwicklung genutzt, ist das reine Spekulation und ich würde es als Mythos abtun sogar. Deswegen, aber es könnte natürlich, könnte, wenn es Google nutzt, wäre es ein denke ich auch ein Signal, was für eine gewisse Markenstärke halt sprechen könnte, sozusagen so wiederkehrende Besucher wäre zum Beispiel auch interessant. Wenn Besucher immer wieder, wenn Google sieht, dass Besucher, dieselben Besucher immer wiederkehren auf eine Website, ist das ja ein Zeichen von Loyalität und in dem Sinne auch ein gewisses Vertrauen und damit auch einer gewissen Markenrelevanz.

Markus Hövener: Jetzt machen wir ja beide als SEOs sehr viele Workshops und überhaupt Gespräche mit Kunden. Und ich stelle immer so fest, wenn du mit diesem Anspruch kommst, so Markenaufbau, sagen sie: Ja das ist halt für die Großen, also Fernsehwerbung, Plakatwerbung, also im Prinzip hat man irgendwie Zalando vor Augen, die halt richtig viel Asche da versenkt haben, um auch eine massive Reichweite und eine massive Markenbekanntheit hinzubekommen. Mal eine provokante Frage irgendwie: Habe ich überhaupt als kleiner Anbieter, ob jetzt Händler oder Hersteller oder Dienstleister oder was auch immer, habe ich überhaupt eine Chance zu einer Marke zu werden, wenn ich eben nicht diese 7, 8, 9-stelligen Beträge zur Verfügung habe?

Olaf Kopp: Du hast selber das Wort Reichweite gerade genannt. Reichweite, zu was sorgt Reichweite? Reichweite sorgt für Popularität, also einen gewissen Bekanntheitsgrad. Nach meiner Meinung wird aber, definiert sich aber eine Marke nicht zur über Bekanntheit, sondern auch ebenso mindestens genauso stark, wenn nicht noch mehr über die Reputation. Und die Reputation kann ich mir nicht erkaufen in der Regel. Popularität, Reichweite, kann ich mir erkaufen. Da gewinnt der, der den größten Geldbeutel hat richtig. Oder nicht nur auch nicht nur Popularität, auch so bestimmte Hacks zum Beispiel. Wenn ich dieses Thema Growth Hacking ist ja gerade wieder, oder was heißt wieder, ist gerade so eines der Hype-Themen, halte ich persönlich nichts von, weil Growth Hacking so wie ich es zumindest verstanden habe, sorgt für kurzfristige Reichweite. Da werden, da wird nach Hacks gesucht, wie man schnell und wenn möglichst günstig in dem Fall auch Reichweite erzeugen kann. Das alleine macht aber keine gute Marke aus. Der Reputationsteil, der muss, der kann sich erarbeitet werden über zum Beispiel gute Inhalte, so wie ihr das macht mit euren Internetkapitänen, mit eurem Suchradar oder wie wir es vielleicht auch mit dem Blog und mit den Studien und mit den eBooks machen, das ist ein harter, langer Weg, den kann ich mir nicht erkaufen. Natürlich kann ich mir extern Sachen erstellen lassen, aber ich glaube gerade diese Reputation muss man sich selbst erarbeiten. Und diese Reputation, die führt im besten Fall dazu, dass ich dann von bestimmten Stakeholder-Gruppen, die für die Reputation halt wichtig sind, wie Influencer, Multiplikatoren, Journalisten, Redakteure, alles, was so, die haben ja auch Reichweite, muss man dazu sagen. Das beinhaltet natürlich auch Reichweite, die aber nicht gekauft ist. Aber viel wichtiger ist, dass dritte Personen etwas Positives über mich sagen beziehungsweise mich empfehlen sogar. Das baut dann die Reputation auf und die Kombination aus Reputation und Popularität macht mich dann zur Marke.

Markus Hövener: Übrigens vielen Dank, dass du das Thema Growth Hacking nochmal angeschnitten hast, weil ich habe es, ich weiß gar nicht, wo es gestern war, irgendwo in der Lead oder in der W&V, also irgend so ein, ja so ein Marketing-, Printmedium halt, wo es dann auch nochmal als ja als das neue Ding herumgetragen wurde, und wo ich so dachte: Mann, das gab’s, also so neu ist das Thema jetzt eigentlich nicht ne? Aber gut.

Olaf Kopp: Es ist ja, wie ich das verstehe, ich habe mich jetzt auch nicht so, es hat viel glaube ich auch ein bisschen was mit Blackhat so ein bisschen zu tun ne. Also man versucht so irgendwie Lücken auch zu identifizieren, also im Endeffekt geht’s da um günstig Reichweite, im Endeffekt so ein, auch vielleicht irgendwie in gewisser Form vielleicht auch einen viralen Schuss mal zu landen, so einen viralen Glückstreffer irgendwie zu landen und damit dann mit vielleicht relativ geringem Geldaufwand halt viel Reichweite zu erzeugen. Aber es ist halt immer nur kurzfristig, es hat halt eine kurze Halbwertszeit.

Markus Hövener: Okay. Ich habe auch so das Problem, dass so Marke werden, Markenaufbau betreiben, wird oft verstanden als etwas, was jemand als Hersteller von Produkten macht. Ich meine so kennen wir das ja klassisch auch. Aber für Händler und Dienstleister ist das gar nicht so ein beliebtes Thema so. Viele unserer Kunden sind Online-Shops, wenn man denen damit ankommt: Ja nein wir verkaufen halt nur und hier Amazon bester Preis und so. Ist das alles zu kurz gedacht? Also haben Händler und Dienstleister die gleiche Chance zu einer Marke zu werden?

Olaf Kopp: Bei uns ist es komischerweise, deshalb kommen wir uns glaube ich auch so selten in die Quere (lachen beide), bei uns ist es eher

Markus Hövener: Nur einmal im Jahr.

Olaf Kopp: Ja. Wir – Insider -, wir haben früher auch viele Online-Shops gemacht. Jetzt derzeit ist es bei uns so, dass wir eigentlich mehr B2B-Kunden haben als B2C, also Shop-Kunden im Endeffekt haben. Also das ist deutlich weniger geworden. Für aber Amazon ist ja das beste Beispiel. Also ich glaube, dieses Bild von Amazon, das wir alle haben, dass dort der günstigste Preis ist, das ist hundertprozentig auch nicht immer gegeben. Wir glauben es nur. Wenn wir glaube ich mal richtig, noch ein bisschen also, wenn man sich, wenn ich mal nicht bei Amazon gucke, sondern auch mal tatsächlich woanders noch was kaufe, also im Bereich Mode oder mache ich das eigentlich ziemlich viel, weil da ist Amazon, hat Amazon meistens nicht so ein gutes Angebot, dann fällt das schon auf, dass Amazon da gar nicht immer der günstigste ist. Aber das ist halt Marke. Wir haben die Marke Amazon so stark zusammengebracht mit erstmal große Auswahl, aber auch günstigste Preise. Und natürlich das Wichtigste bei Amazon für was sich Amazon ja auch positioniert hat, ist natürlich die wahnsinnig gute Usability. Dieses also ich habe nicht viel Zeit, ich weiß ziemlich genau, was ich will, dann gehe ich zu Amazon. Weil das geht schnell und ich muss mich nicht lange da mit dem Bestellen aufhalten.

Markus Hövener: Ja also sehe ich auch so. Also hauptsächlich ist es Conveniance, du hast halt ein Login, du weißt: Alles, was du brauchst, ist da. Das Filtern okay klappt nicht immer so wie du es gerne hättest, aber ja.

Olaf Kopp: Und wie jetzt fragen wir uns doch mal, wie ist denn Amazon, wie hat sich denn Amazon zur Marke gemacht? Haben die große Werbung geschaltet? Also ich kann mich nicht dran erinnern. Außer AdWords.

Markus Hövener: Nein nicht wirklich.

Olaf Kopp: AdWords haben sie, AdWords haben sie sehr inflationär betrieben, da gab es dann immer so schöne Beispiele früher noch, wenn man Angela Merkel eingegeben hat,

Markus Hövener: Ja genau.

Olaf Kopp: Konnte man Angela Merkel bei Amazon kaufen. Aber weil eben Masse und Keyword Insearchen und solche Geschichten halt, da auf Masse halt die AdWords Anzeigen ausgespielt, aber so richtige Markenwerbung ist AdWords eben nicht in dem Sinne. Von daher, die haben sich ihre Marke halt ja ganz klar über ihr Sortiment, ihre Usability und dass früher vielleicht noch gegebene beste Preisversprechen irgendwie gemacht. Aber ich habe nie eine Fernsehwerbung von, hast du schon mal eine Fernsehwerbung von Amazon gesehen?

Markus Hövener: Du ich habe leider gar keine Fernsehwerbung zuhause. Ich habe da noch nie eine gesehen. (lachen beide)

Olaf Kopp: Okay. Also ich, mir ist jetzt nicht bewusst, dass ich irgendwann mal eine Fernsehwerbung von Amazon gesehen hätte.

Markus Hövener: Ich hatte auf der SEOKOMM habe ich auch einen Vortrag gehalten über Content Marketing für Online-Shops und später kam dann auch jemand zu mir und fragte: Ja, warum soll man überhaupt noch einen Shop aufbauen? Weil ich kann ja auch alles bei Amazon verkaufen. Ich glaube, einer der Hauptgründe ist eben wirklich Markenaufbau. Ich meine, klar kannst du bei Amazon sein

Olaf Kopp: Die Marke, meine eigene Marke ist mein eigenes Asset.

Markus Hövener: Ja ich meine das eine ist halt wirklich umsatzgetrieben und klar kannst du jedes Mal deine X Prozent an Amazon abdrücken oder halt, wenn du einen eigenen Shop hast, kannst du die Leute halt wirklich zu Wiederholungskäufern bei dir machen.

Olaf Kopp: Genau. Und hast du dein Online-Marketing ganz, du hast es 100 Prozent in der Hand, in deiner eigenen Hand. Und bist nicht abhängig davon, ob du Amazon, man hat es ja, man sieht es ja bei Google. Und da wird Amazon, den Weg wird Amazon denke ich auch noch gehen. Google hat immer mehr, früher war die Shopping-Suche umsonst, jetzt zahlt man Geld dafür. Und Amazon wird auch immer mehr, wenn sie sehen, dass alle ihnen aus der Hand fressen, werden sie diesen Hebel so überspannen, dass sie noch mehr Umsatz machen können. Und wenn man sich nur davon abhängig macht, muss man den Weg mitgehen. Und das ist eigentlich kein schönes Gefühl. Man macht sich ja irgendwann auch mal selbstständig mit einem Unternehmen, um irgendwie unabhängig zu sein.

Markus Hövener: Ja. Also ich habe einen Freund, der auch primär auf Amazon verkauft und der sagte: Wenn Amazon mir 2 Tage lang den Account sperrt, bin ich pleite.

Olaf Kopp: Genau. Es ist wie alle immer sagen, auch sich nicht nur alleine von Google abhängig machen. Das ist ja genau das Gleiche.

Markus Hövener: Und wir sprechen heute über Markenaufbau und das ist eben gerade die Chance, dass du halt aus diesen ganzen Performance-Kanälen herauskommst, für die du eigentlich permanent Geld abdrückst, ist also eigentlich kaufen statt mieten im Endeffekt.

Olaf Kopp: Genau. Und was ja auch dieses, das dauert glaube ich vielen zu lange dieses Thema Markenaufbau. Die heutige Welt ist doch gerade mit der ständigen Verfügbarkeit, sofortigen Verfügbarkeit, haben auch viele Ansprüche, schnell Geld zu verdienen beziehungsweise schnell irgendein Feedback zu bekommen, was auch finanzieller Art ist. Aber dieser Markenaufbau ist ein Marathonlauf, kein Sprint. Und das macht man halt nicht von einem Tag auf den anderen. Ich weiß, Zalando ist ja auch immer ein schönes Beispiel. Zalando hat ja die ersten, weiß nicht, wie viele Jahre die in roten Zahlen gelaufen sind. Das waren natürlich das bei kleinen Unternehmen, die jetzt kein Venture Capital drin haben oder keine Geldgeber dann haben, da muss man halt ein bisschen pfiffiger sein. Da geht das nicht so, da kann man sich halt keine TV-Werbung leisten, aber durch die eigene Person, für mich bloggen viel zu wenig Geschäftsführer immer noch. Das ist natürlich auch immer eine Frage des Talents oder auch, ob man da Lust zu hat und ob einem das leichtfällt. Aber irgendwie, wenn es nicht der Geschäftsführer ist, dann muss es irgendeiner sein, der so eng mit dem Unternehmen verknüpft ist, dass der auch das wirklich mit Herz und Seele betreibt und das transportiert, wird dann denke ich auch gespürt so, wenn etwas mit Herz und Seele gemacht wird. Und da liegt der große Pluspunkt bei kleinen Unternehmen. Weil bei großen Unternehmen, bei einem Zalando wird der Geschäftsführer wahrscheinlich nicht anfangen selbst zu bloggen. Da wird das irgendein Mitarbeiter machen. Aber, wenn es irgendein Mitarbeiter macht, der dann auch vielleicht irgendwann geht, dann transportiere ich damit keine Persönlichkeit. Und Persönlichkeit und Authentizität ist gerade für die kleinen Unternehmen der große Pluspunkt, den große Unternehmen nur ganz schwer abgebildet kriegen.

Markus Hövener: Dann lass uns doch mal, ich meine wir beide sind zwei Agenturheinis, die klassische Frage: Wenn wir jetzt ein Beratungsmandat haben beim Kunden X und wir stellen fest, hallo, du musst eigentlich mehr zu einer Marke werden, wieviel kann eigentlich von außen kommen, also von dir als Agentur, von uns als Agentur, und wieviel muss eigentlich von innen kommen? Geht’s überhaupt ohne diesen Funken von innen? Also kann ich das alles auslagern an irgendjemanden?

Olaf Kopp: Hmm, ich schneide mir da ein bisschen ins eigene Fleisch, aber ich würde sagen: Nein. Weil man kann sich nicht alles erkaufen. Ich glaube, Marke kann man sich nicht erkaufen. Da bin ich mir gerade heutzutage, früher ging das noch, da konnte man, hat man ein paar, hat man richtig viel Geld in TV-Werbung gesteckt und dann hat das funktioniert. Aber heutzutage, um dieses Tandem Reputation, Popularität hinzukriegen, muss man selber in den Aufwandsinvest, gehe jetzt nicht in ein Geldinvest, sondern in den nennen wir es Leidenschaftsinvest oder in das „Eigene Engagement Invest“. Ich glaube eine Agentur kann gut begleiten. Das kann Impulse geben, kann immer wieder auf die richtige Bahn zurückführen, kann ein bisschen zielorientierter das Ganze gestalten und effektiver gestalten. Aber diese eigentliche, das eigentliche Herzstück von, wenn es zum Beispiel um Inhalte geht, sehe ich eigentlich im besten Fall immer im Unternehmen selbst. Also, wenn ich, ich finde das Thema Content Produktion im Rahmen von Content Marketing ist eigentlich am besten aufgehoben in den Unternehmen selbst. Weil dort sollte das, liegt das Herz, dort sollte das Herz liegen, die Leidenschaft für die Produkte, die da verkauft werden.

Markus Hövener: Ich finde es übrigens super, dass das Stichwort Content Marketing noch nicht deutlich früher gefallen ist, weil eigentlich in jedem Podcast muss das ja schon im Moment ab der 2. Minute kommen. Vollkommen zurecht, also keine Frage ja.

Olaf Kopp: Also die Sache ist, ja aber wir müssen uns drüber unterhalten, was wird noch wahrgenommen? Also Werbung wird noch sehr zumindest bei mir nur noch, du guckst gar keine Werbung, keinen Fernseher, bei dir geht das komplett vorbei (lachen beide). Du bist halt wahrscheinlich, ich weiß es nicht, wenn du dich mal hinterfragst, welche Marken findest du warum gut? Ist es wegen der Werbung oder hat es irgendwas mit dem Produkt selbst oder mit Inhalten zu tun?

Markus Hövener: Wahrscheinlich eher Produkt, also klar habe ich auch ein paar Marken noch aus der früheren Zeit mitgenommen. Aber ansonsten, ja was kaufe ich heute? Und gerade so was Produkte angeht und so muss ich sagen: Ja über klassische Werbung erreichen die mich nicht. Aber ich habe zum Beispiel letztens so ein neues Podcast-Mikrofon gekauft und warum? Weil die halt so einen total geilen Ratgeber dafür geschrieben haben.

Olaf Kopp: Siehst du.

Markus Hövener: Also ich merke bei mir, dass das wirkt. Ich merke aber auch eben und das ist eben, halte ich nach wie vor für ein Riesenproblem, dass wir einfach, wir haben Kunden, wo ich sage: Die schaffen das nicht. Also dieses Adjektiv marketinggeil oder sendebegeistert oder so, also, dass wirklich ein Chef da steht und sagt: Okay ich verstehe, warum ihr das haben wollt. Wir müssen jetzt Content Marketing machen und wir müssen dem auch einen persönlichen Anstrich geben und ich als Chef stelle mich jetzt hier vor die Kamera und mache den Affen auf YouTube. Das passiert extrem selten. Und das sehe ich echt als Problem, weil das auch, also eigentlich kannst du es nicht wirklich auslagern. Viele würden es gerne auslagern. Es muss von innen kommen, aber manchmal hast du einfach als Unternehmen diese Chance nicht, weil du ja einfach, ja, weil die Personen das nicht hergeben.

Olaf Kopp: Ist glaube ich aber auch ein Thema, jetzt können wir, wir können den Bogen jetzt noch weiterspannen. Wir können uns gerne auch ein bisschen mal über die Digitalisierung unterhalten. Da haben wir nämlich das gleiche Problem. Warum ist der deutsche Mittelstand, warum hängt der oder allgemein die deutsche Wirtschaft, warum hängt die in Sachen Digitalisierung so hinterher? Weil dort in den verantwortlichen Positionen Menschen sitzen, die es gewohnt sind, zu delegieren und nicht selber zu interagieren. Oft. Und sich selber dann gar nicht mehr zu engagieren. Ich glaube, wenn du einen Gründer hast, der wird in den ersten Jahren wahrscheinlich auch noch richtig selber sich engagiert haben, der wird auf jedes Event gegangen sein und sein Gesicht da hingehalten haben. Weil er da vielleicht auch noch stolz drauf war, was er da gemacht hat et cetera. Aber irgendwann sind die Leute glaube ich auch einfach mal satt und gerade je größer ein Unternehmen ist, entweder es sind eingekaufte Geschäftsführer, die zur Wurzel des Unternehmens nur sehr wenig Bezug haben und deswegen auch relativ wenig, relativ leidenschaftslos sind. Und natürlich dann die fehlende, so eine gewisse fehlende DNA und so ein gewisses State of Mind zu sagen: Ich kann mir den Erfolg nicht mehr nur alleine durch Geld erkaufen, sondern ich muss was dafür tun, auch ich, und nicht nur meine Mitarbeiter, die ich bezahle. Geldeinsatz ist nicht die Garantie für Erfolg.

Markus Hövener: Ich finde das oft auch ein bisschen seltsam. Also so manche Workshops, wenn du mit Leuten sprichst so und ihnen mal ihren eigenen Facebook-Kanal vor Augen hältst und da sagst du: Okay, ihr wisst doch privat, also, wenn ihr privat irgendwas teilt, dann wisst ihr genau was gut läuft. Also Katzenbilder teilst du.

Olaf Kopp: Ich nicht.

Markus Hövener: Aber sobald du im Unternehmen bist, hast du das irgendwie jetzt vergessen, was gut geteilt wird und dann bist du wieder nur produktzentriert unterwegs. Finde ich manchmal seltsam. Aber deswegen auch hier dieser Austausch. Ich finde es eigentlich interessant zu gucken, wie kriegt man sowas in Unternehmen rein. Wie legt man diesen Schalter um, dass man sagt: Ihr müsst halt sendefähig werden, ihr müsst marketinggeil werden, ihr müsst einfach rausgehen und nicht mehr produktzentriert denken, sondern ihr müsst halt wirklich irgendwas, ja irgendwas Geiles machen. Und halte ich aber echt für nach wie vor für schwierig und manche können das gut und manche brauchen halt auch deutlich mehr Anstöße, um dann irgendwann mal dahinzukommen.

Olaf Kopp: Wie ist denn zum Beispiel, jetzt überlege mal: Großes, mittegroßes oder größeres mittelständisches Unternehmen, mit wem sprichst du da, wenn du dahingehst? Wer kontaktiert dich mit wem führst du die Erstgespräche?

Markus Hövener: Hat sich auch verändert. Also früher war es der IT-Leiter, weil SEO da noch ein IT-Thema war. Mittlerweile ist man ja zum Glück schon in der Marketingabteilung angekommen. Aber es ist manchmal so, dass der Geschäftsführer sich dazu setzt, aber es ist nach wie vor, also bei uns finde ich so ein, ja so eine Marketingverantwortlicher Thema. Aber das ist dann eben auch der Marketingverantwortliche, der auch alle anderen Themen verantwortet, also der auch die Printwerbung im Fachmagazin einbucht.

Olaf Kopp: Genau. Und da sind wir bei dem Punkt. Wo ist der Marketingleiter?  Ich glaube das ist ganz entscheiden. Wo ist der Marketing- oder das Marketing im allgemeine im Unternehmen hierarchisch aufgehangen? Für mich ist Marketing eigentlich ein unternehmensstrategisches Thema und sollte auch immer die Geschäftsführung berühren. Das ist aber in den meisten Fällen nicht so, sondern die Marketingstellen sind Stabsstellen. Irgendwie, wo du das Gefühl hast, gerade auch, gehen wir noch weiter, bei Online-Marketing Stellen finde ich das noch stärker ausgeprägt. Das wird aus Aktionismus hat man oft das Gefühl, ein Online-Marketer eine Stelle aufgemacht, die sitzt dann eher im Kämmerlein alleine und ja und dann kann der Chef irgendwie sagen: Ja Online-Marketing Manager haben wir auch, manchen wir auch. Dann so als Aktionismus, um digital zu wirken, aber digital sein ist immer noch was Anderes.
Markus Hövener: Ja. Absolut.

Olaf Kopp: Und das ist glaube ich das gleiche Thema auch, wenn wir uns über das Thema Kommunikation über Inhalte unterhalten.

Markus Hövener: Ja also gerade das Thema Content Marketing ist halt echt so ein Ding, wo ich jedes Mal so eine ganz große Schere sehe. Wenn du in so ein Unternehmen reingehst du fragst mal: Ja, in eurem Blog, worüber könntet ihr denn mal so schreiben? Und meistens haben wir natürlich auch eine Liste mit Themen vorbereitet, über die man wirklich schreiben sollte. Dann merkst du halt, da gibt es überhaupt keine Schnittmenge dazwischen. Und das ist glaube ich so das Größte, was viele Unternehmen da draußen noch lernen müssen, dass das wirklich, ja es geht nicht mehr um deine verfluchte Maschine oder um dein Produkt oder deine Dienstleistung, sondern wirklich ja Probleme lösen deiner Kunden. Und so wie mit dem Mikro, in das ich gerade reinspreche, ich habe den Leitfaden gelesen, ich fand den toll. Da gebe ich auch mal gerne ein bisschen mehr aus, auch wenn es eigentlich irgendwie zum Fünftel des Preises hätte ich auch ein Mikro kriegen können, aber du willst halt das der Marke haben.

Olaf Kopp: Genau. Das so zum Thema. Aber vielleicht einmal kurz noch, wir werden aus dem Dilemma nicht rauskommen, wenn wir auch immer noch dieses Silodenken in diesen Unternehmen haben. Weil Silodenken heißt Silobudgets und wenn wir uns über Content Marketing als Meta Disziplin unterhalten, muss da SEO-Budget mit reinfließen, muss da Kommunikationsbudget mit reinfließen. Das muss ein Mischbudget sein und nicht nur ein SEO-Budget, weil damit kommst du für Content Marketing meistens nicht weit. Und das ist halt dieses Silo-Denken und ich glaube und dann können wir den Bögen wieder zur Marke spannen, zum Markenaufbau spannen, weil das hängt alles miteinander zusammen. Die Menge der Touchpoints, die ich mit meinen potentiellen Kunden während der Customer Journey habe, baut auch Marke auf. Und wie erreichen, wir kommen teilweise, vielleicht kommen wir noch teilweise mit Display-Werbung oder mit Allgemeinwerbung kommen wir auch zu diesen Touchpoints, aber die wirklich qualitativ hochwertigen Touchpoints, die Beziehungen aufbauen, die werden nach meiner Meinung in vielen Fällen vom Geschäftsmodell und Produkt immer vielleicht noch unterschiedlich, aber in vielen Fällen halt durch Inhalte aufgebaut, die wirklich starken Beziehungen, die dann entstehen.

Markus Hövener: Vielleicht noch eine Frage basierend auf meinem Lieblingsbeispiel geileweine.de, finde ich echt einen Super Shop, weil sie einfach auch …

Olaf Kopp: Ist das deiner?

Markus Hövener: Nein ist nicht meiner. (lachen beide) Nein aber ich …

Olaf Kopp: Ich dachte, du willst dezent hier mal eine Werbung einbetten.

Markus Hövener: Ja ein bisschen Werbung. Kauft alle schön. 10 Prozent Rabatt. Nein, ich finde den einfach gut, weil die meisten Weinshops sind einfach irgendwie, weiß nicht, nach Rebsorte sortiert oder nach rot, weiß, irgendwas. Und geileweine.de ist halt irgendwie anders bezogen. Also du sagst: Ich will einen geilen Mädelsabend haben und sage mir mal, welche geilen Weine du dafür hast? Und solche Unternehmen muss man ja sagen, haben es meiner Meinung auch leichter einfach zur Marke zu werden, weil man einfach, es ist so ein Outlaw der Branche. Und man sieht das und denkt so: Wow, geil, muss ich teilen. Hier Mädelsabend ha ha, lustig.

Olaf Kopp: Vor allem ist das eine ganz andere Zielgruppe auch. Ich habe gerade mal aufgemacht. Du siehst halt schon, das ist eine ganz andere Zielgruppe. Es ist nicht der seniorige Weinliebhaber. Die Zielgruppe sind eher Jüngere.

Markus Hövener: Absolut, das ist Konsum. Also das ist einfach nur, hier du hast ein Event und jetzt nicht irgendwie Kinderkommunion, sondern du hast halt eine geile Party zuhause und du brauchst jetzt 12 Flaschen, die diesen Event auch zu einem geilen Abend machen. Und versuchst du auch irgendwie auf das Konzept einzuwirken von Unternehmen, wenn du wirklich merkst: Oh ja wow, da hat jetzt einer den 10. Online-Schuhshop aufgebaut, der ein Vollsortiment hat? Ist das ein Thema bei euch?

Olaf Kopp: Ja, aber wirklich schwierig. Weil du musst immer aufpassen, da hat sich ja irgendeiner mal Gedanken gemacht. Sei es eine andere Agentur, die da mit drinhängt oder die Marketingabteilung selber und wenn du da an Konzepten rüttelst, wo vielleicht schon viel Geld ausgegeben wurde beziehungsweise irgendwelche Befindlichkeiten gestört werden, musst du halt ganz vorsichtig sein, weil sonst verhärten sich Fronten und du kriegst gar nichts mehr hin und wirst im schlimmsten Fall blockiert.

Markus Hövener: Ja das stimmt. Ja. Lass mal zum Schluss noch irgendwie ein fiktives Unternehmen durchspielen. Ich weiß ja, dass du nebenbei auch noch DJ bist, zumindest oder warst.

Olaf Kopp: Ich bin noch, ich mache das so alle 2 Monate mache ich das noch.

Markus Hövener: Wenn du jetzt irgendwie einen Online-Shop aufbauen würdest für DJ Equipment und du fängst wirklich bei Null an, worauf würdest du achten? Oder was müsste der für dich machen, um dich zu kriegen und zur Marke zu werden?

Olaf Kopp: Puh. Ich habe mir lange kein DJ Equipment mehr gekauft, weil das heute ja auch alles digital ist. Meine Schallplatten, meine 3.000 Schallplatten stauben hier munter vor sich hin. Was müsste der tun? Ja, Tutorials, definitiv. Tutorials, wenn ich mich zum Beispiel, es gibt so ein, das nennt sich so Serato, du brauchst ja heutzutage keine Schallplatten mehr, du benutzt halt heutzutage einen Laptop und da benutzt du dann so 2 Vinylscheiben immer noch und dann hast du aber eine Software, über die du dir dann diese Vinylscheiben bespielen kannst im Endeffekt. Und einfach so Tutorials, gut das wäre jetzt schon After Sales, weil dann hätte ich die Software ja schon. Doch, aber vielleicht fürs Cross Selling. So Tutorials, wo die mir zeigen, wie kann ich die Software gut nutzen und dann, wo mir dann was vorgeschlagen wird, eine bestimmte Routine oder einen bestimmten Einsatzzweck, wo ich eventuell dann noch ein Zusatztool für brauche. Es gibt diverse Zusatztools, die man sich noch holen könnte, um einfach geile Effekte hinzukriegen oder noch besser mixen zu können irgendwie und dann würde ich auch über den Inhalt quasi zum Produkt geleitet werden. Sowas zum Beispiel. Da würde es viel im Tutorialbereich gehen oder natürlich, da funktionieren natürlich auch so Sachen wie, machen die ganzen, viele DJ Software Hersteller auch, doch dann irgendwie Testimonials nehmen, die meinetwegen so einen 30-minütigen Mix aufnehmen und dann mit deren Equipment halt geile Sachen machen. Und dann halt so einen Live-Mix halt, dann mit nicht nur Audio, sondern per Video, immer wieder, dass die Kamera immer wieder über das Mischpult geht, was er da macht und dann was wer für Effekte da rausholt und so. Und das würde mich glaube ich auch abholen so. Weil ich auch so geile Mixe machen will.

Markus Hövener: (lacht) Machst du doch schon oder?

Olaf Kopp: Ähm nein ich bin da sehr, was diese neuartigen DJ-Techniken angeht, ich bin bei Serato stehengeblieben und danach, also da gibt’s viel abgedrehtere Sachen, die man heute da schon machen kann. Da bin ich ein bisschen raus.

Markus Hövener: Vielleicht so ganz abschließend. Hast du noch den einen großen Tipp oder irgendwie auch einen Buchtipp oder einen Website-Tipp, irgendwas, wo du sagst so: „Das gibt dir jetzt den richtigen Kick Richtung Marke“?

Olaf Kopp: Das Richtung Marke, das ist schwer, also da kommt vieles, also da muss ich ganz ehrlich sagen, vieles, ich schreibe ja, habe ja selber in den letzten Jahren ziemlich viel über das Thema geschrieben, zumindest digitaler Markenaufbau. Das habe ich mir aber alles so ein bisschen aus der eigenen Erfahrung und aus den eigenen Ideen raus geklaubt. Also ich hätte da jetzt inzwischen zu digitalen Markenaufbau jetzt keinen wirklichen heißen Tipp, den ich da empfehlen würde, muss ich ganz ehrlich sagen. Das ist halt auch ein, es ist halt auch ein ganzes Puzzle, wozu viele Puzzleteile aus dem gesamten Marketing, insbesondere Online-Marketing halt gehören. Also es, ich glaube, um sich mit solchen Themen zu beschäftigen, braucht man auch eine gewisse Reife und eine gewisse Erfahrung und muss schon so ein paar operative Instrumente auch erlebt und praktiziert haben, bis man dann dahin kommt, wieder zu so einer Metaebene kommt irgendwie.

Markus Hövener: Glaubst du, dass die ganzen SEO-Konferenzen das Thema hinreichend würdigen oder müsste da eigentlich mehr passieren?

Olaf Kopp: Ich habe ja, verfolge ja deine Podcasts auch, ich habe ja auch deine Kritik an der überhypten Technikproblematik oder beziehungsweise es geht mir noch viel zu, speziell auf SEO jetzt bezogen, viel zu doll um Technik. Technik ja, aber für kleine bis mittelgroße Seiten halte ich Technik auch noch nicht mal mehr als unbedingt Grundvoraussetzung, weil ich glaube die Effekte von Marke oder Autorität und von Inhalten ist deutlich höher anzusiedeln als das Thema Technik. Und da bin ich absolut bei dir irgendwie und deswegen würde ich mir auf Konferenzen, auf SEO-Konferenzen, einfach mehr noch wünschen, die gehen ja schon in die Breite, also, wenn man guckt, was für Themen SEO-Konferenzen früher behandelt haben und heute behandeln. Heutzutage sind es ja eher Online-Marketing Konferenzen als SEO-Konferenzen. Aber das, mir fehlt da noch die Klammer. Es ist mir noch viel zu viel taktisches Stückwerk.

Markus Hövener: Das können wir dann ja einfach mal machen.

Olaf Kopp: Das können wir dann irgendwann machen, zusammen dann.

Markus Hövener: Also wissen ja wahrscheinlich auch viele, dass du selber auch unter den Konferenzmitbetreibern bist, also das SEA Camp, was jetzt eben, lass mich nicht lügen, im

Olaf Kopp: April.

Markus Hövener: April erstmal in Jena und im Oktober, November?

Olaf Kopp: November in Hannover das erste Mal auch ja.

Markus Hövener: Okay. Ja. Wünsche ich euch viel Erfolg.

Olaf Kopp: Ja Dankeschön. Also Jena ist schon lange ausverkauft, also da haben wir den Erfolg schon. Hannover gibt’s noch ein paar Karten, aber auch nicht mehr viele.

Markus Hövener: So ein paar, okay. Ja mal gucken. Ja du ich danke dir auf jeden Fall schon mal für deine Zeit.

Olaf Kopp: Mhm (bejahend). Ich danke dir Markus. Also freut mich immer, vor allem, wenn du als alter Haudegen so einen Junior unter deine Fittiche immer nimmst.

Markus Hövener: Das ist lieb von dir. Nein, sollten wir auf jeden Fall wiederholen. Wenn wir noch ein anderes gutes Thema die Tage, dann machen wir das nochmal.

Olaf Kopp: Mhm (bejahend). Prima.

Markus Hövener: Wir sehen uns sowieso regelmäßigst über das ganze Jahr verteilt auf diversen Veranstaltungen.

Olaf Kopp: Campixx bist du oder?

Markus Hövener: Nein, die überschneidet sich leider zu sehr mit der SMX und

Olaf Kopp: Ja okay stimmt. Das ist ja immer dein Steckenpferd eher.

Markus Hövener: Genau. Da hilft sich die Branche jetzt nicht wirklich, dass sie wirklich direkt angrenzend 2 wichtige Veranstaltungen macht. Finde ich ein bisschen unnötig.

Olaf Kopp: Für manche sogar 3, wenn man die Online Marketing Rockstars diese Woche noch

Markus Hövener: Ja stimmt. Ja.

Olaf Kopp: Mitnimmt, dann haben wir 3 Wochen aufeinanderfolgend. Also für Leute, die nichts zu tun haben, vielleicht ganz gut, aber ich glaube für unsereins nicht tragbar.

Markus Hövener: Ja. Also gerade, wenn du die komplette Campixx Week dann noch mitnimmst, dann kannst du wirklich irgendwie 12, 13 Konferenztage am Stück mitnehmen und das ist natürlich irgendwie, glaube das macht kein Gehirn mehr mit sowas.

Olaf Kopp: Richtig.

Markus Hövener: Okay. Also vielen Dank für deine Zeit. Euch da draußen vielen Dank fürs Einschalten. Wie immer freuen wir uns natürlich über gutes Feedback, also auch über konstruktives, negatives Feedback, aber über gutes noch mehr. Und nochmal vielen Dank an Olaf und von hier sage ich schon mal Tschüss und bis bald!

Unser nächstes Webinar:
SEO für B2B/Industrie: Ihre Fragen rund um Google & Co.

In diesem Jahr haben wir in Kooperation mit dem verlag moderne industrie B2B-Webinare veranstaltet, für die wir sehr viel positives Feedback erhalten haben. Dabei konnten wir sicherlich schon viele SEO-Fragen beantworten – aber leider eben auch nicht alle. In diesem Webinar haben Sie daher die Chance, Andreas Stegmann (verlag moderne industrie) und Markus Hövener (Bloofusion) Fragen zu stellen: zu SEO im Allgemeinen und zu Ihrer Website im Speziellen.

Ihre Frage(n) können Sie bereits bei der Anmeldung zum Webinar hinterlegen. Wichtig: Sie können natürlich auch teilnehmen, ohne eine Frage zu stellen, oder ganz einfach spontan während des laufenden Webinars einreichen.

Jetzt kostenlos anmelden:
SEO für B2B/Industrie: Ihre Fragen rund um Google & Co. (23. November 2017)

Alle kommenden Webinare:
Bloofusion- und suchradar-Webinare im Überblick

About Markus Hövener

Markus Hövener ist Gründer und Head of SEO der auf SEO und SEA spezialisierten Online-Marketing-Agentur Bloofusion. Als geschäftsführender Gesellschafter von Bloofusion Germany ist er verantwortlich für alle Aktivitäten in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Markus Hövener ist Buchautor (SEO - Die neuen Regeln), Autor vieler Artikel und Studien rund um SEO und SEA und Chefredakteur des Magazins suchradar.

In seiner Freizeit hat Markus vier Kinder, spielt gerne Klavier (vor allem Jazz) und hört auf langen Autofahrten „Die Drei Fragezeichen“.