Freitag 22. Juli 2011 von Markus
An dieser Stelle: meine ganz persönliche Meinung…
Ich teste ja auch an Google+. Und Facebook nutze ich. Und Twitter jede Menge. Und YouTube. XING sowieso. Man kann mir also nicht vorwerfen, dass ich Social Media nicht nutze und dem Gedanken nicht offen gegenüber stehe.
Gestern Abend, als ich nach einem langen Arbeitstag im Bettchen lag und noch auf meinem Android-Smartphone auf Google+ zugriff, habe ich den Stream aufgerufen und hatte diesen typischen Gedanken: Wann soll ich das denn alles lesen? Es könnte ja was wichtiges dabei sein und ich würde “the next big thing” verpassen.
Der Google+-Stream ist für mich genauso drangsalierend wie Facebook und Twitter. Wenn ich zwischendurch nochmal arbeiten und in Ruhe mit meinen Kindern spielen möchte, kann ich das doch alles gar nicht durcharbeiten.
Klar, wenn ich nur mit meinen drei besten Freunden vernetzt bin, kann das klappen. Aber wer ist schon auf sozialen Netzwerken nur mit drei Leuten vernetzt? Das Gefühl der Überforderung gehört ja wohl zu unserer Zeit, aber diesen Sargnagel schmieden wir uns oft ja auch selber.
Für mich wäre das alles toll, wenn…
- … ich allen privaten Quatsch wie “guten Morgen Ihr alle” oder Foursquare-Login-Nachrichten ganz effizient ausschalten könnte. Sorry, aber das meiste davon interessiert mich wirklich nicht. Es wäre, wenn man einer Nachricht einen Typ wie “Gruß”, “URL, über die ich gestolpert bin” oder “zeitkritisch” anhängen könnte.
- … das System alle Nachrichten wegfiltern könnte, die ich auf einer anderen Plattform schon gesehen habe.
- … das System mir wichtige Sachen zusammenhängend darstellen würde. Oft gibt es ein Thema, das auf Twitter, Facebook und Google+ gleichzeitig diskutiert wird. Warum muss ich es mir dann überall zusammensuchen? Dafür ist die Welt leider zu fragmentiert.
- …URLs, die in mehreren Tweets oder Nachrichten behandelt werden, auch zusammengefasst würden.
Google+ löst keines dieser Problem – im Gegenteil: Es macht das alles nur noch schlimmer und fragmentierter.
Wenn man sich mal anschaut, was ein “I Like” oder ein Tweet so auslösen kann. Da gefällt einem eine Website und daraus können hunderte, tausende von Texten in diversen sozialen Netzwerken entstehen. Jeder schreibt was dazu wie “Gefällt mir” oder “tolle Website”. Warum müssen daraus Textnachrichten erstellt werden, die meinen Stream zukleistern?
Das Problem ist doch, dass den meisten sozialen Nachrichten einfach die Semantik fehlt. Da gibt es eine URL und dazu einen Text. Was ist das für eine URL? Nur ein Video von einem Hund, der ausrutscht und Herrchen dazu “Mann, da hat Fiffi sich aber erschreckt” schreibt? Oder ein wichtiges neues Tool, das ich unbedingt sehen muss?
Das weiß Facebook nicht. Das weiß Twitter nicht. Das weiß Google+ erst recht nicht.
Wahrscheinlich werden die digitalen Kinder in zehn Jahren über das lachen, was wir uns heute so antun. Wie ineffizient Social Media eigentlich wirklich ist, weil wir einfach alles ungefiltert rausschicken und empfangen.
OK, Google Circles ist ein kleiner Schritt auf dem Weg zum Glück. Aber auch nicht mehr.
So, und jetzt mach ich Wochenende ohne Smartphone und Computer. Und Montag morgen kann ich dann die 1.000 Nachrichten durcharbeiten.