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Google wird persönlich: Google Advice

Freitag 1. April 2011 von Martin

Kurz bevor Konzerngründer Larry Page am Montag wieder das Ruder übernimmt, kündigt Google tiefgreifende Änderungen an. Anstatt wie bisher einfach nur Ergebnisse zu bestimmten Suchanfragen zu liefern, soll Google künftig deutlich persönlicher werden. Dazu startet Google nun den neuen Dienst “Google Advice”, der aber gar nicht als separater Dienst abgerufen werden kann. Nach Google-Angaben wird dieser Dienst schon automatisch bei allen Google-Ergebnissen Verwendung finden.

google-advice-logoGoogle Advice liefert nicht mehr einfach nur die Ergebnisse zu einer Suchanfrage, sondern geht direkt auf die Bedürfnisse des Nutzers ein. Wird beispielsweise nach “pizza” gesucht, erkennt Google, dass der Nutzer offensichtlich hungrig ist und bietet neben dem Pizzaboten auch noch Alternativen an.

Neben offenkundigen Nutzerbedürfnissen liegt Google auch das Wohl des Nutzers selbst am Herzen. Deutet beispielsweise die Suchhistorie eines Nutzers auf bestimmte Probleme hin, so weist Google Advice dezent auf Lösungsansätze hin.

Schon-wieder-Pizza

Google Advice stützt sich allerdings nicht nur auf die Suchhistorie des Nutzers. “Google weiß wesentlich mehr über Sie als Sie denken. Gleichzeitig haben wir Zugriff auf so ziemlich jede Information zu jedem Thema”, so ein Unternehmenssprecher. “Indem wir alles miteinander verknüpfen, machen wir aus der Suchmaschine einen universalen Ratgeber für alle Lebenslagen.”

So soll Google Advice beispielsweise bei Anschaffungen wie einem neuen Auto gleich passende, auf den Nutzer zugeschnittene Suchergebnisse liefern. Berücksichtigt werden dabei Interessen des Nutzers sowie demographische Angaben. Ein erster Praxistest fiel allerdings ernüchternd aus:

Meinten-Sie-Fiat-kaufen

Datenschützer sind indes wenig begeistert von Googles neuestem Feature. “Das zeigt wieder einmal, dass Google sich nicht im mindesten für die Privatsphäre seiner Nutzer interessiert”, so Datenschützer Johannes Melchior. Im Netz scheint diese Meinung allerdings niemand zu teilen. Denn auch wer sich hier informieren möchte, muss ja schließlich Google Advice nutzen:

datenschutz

Insgesamt wird sich zeigen müssen, wie weit die Eingriffe in die Privatsphäre wirklich gehen. Offensichtlich hat Google hier aber noch Nachbesserungsbedarf. Auf unserer Wunschliste stehen da auf jeden Fall:

  1. Ein Ausschalter für den Dienst
  2. Getrennte Nutzer, damit es keine Überschneidungen bei den Empfehlungen gibt
  3. Einstellungen für Bereiche, in denen man keine Empfehlungen wünscht (Ernährung, Alkohol, Sexualverhalten, Religion, Politik, …)
  4. Die Möglichkeit, eine konkrete Empfehlung zu übergehen (sonst erfahre ich das mit dem Datenschutz ja nie)

 

Dann könnte es echt was werden mit dem Dienst, denn viele der Vorschläge sind zwar erstmal recht forsch und wenig galant formuliert, helfen aber dann doch bei der täglichen Suche.

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Neue Geotargeting-Optionen für AdWords

Mittwoch 23. März 2011 von Martin

Google hat eine kleine Option für die Ausrichtung auf Standorte eingeführt. Man kann jetzt auswählen, ob sich die Ausrichtung auf Standorte, Suchabsicht oder beides beziehen kann.

Ausgerichtet wurden die Kampagnen bisher auf beides. Der Standort wird über die IP-Adresse des Nutzers bestimmt. Bei der Suchabsicht geht es darum, dass ein Nutzer auch nach einer Region suchen kann.

Beispiel: Ein Zahnarzt aus Münster richtet seine AdWords-Anzeigen nur auf diese Stadt aus. Wer nun innerhalb von Münster nach “zahnarzt” sucht, bekommt die Werbung sehen. Wer beispielsweise von Hamburg aus nach “zahnarzt münster” sucht, kann sie aber auch sehen.

Neu ist nun, dass man auswählen kann, wie die Ausrichtung funktionieren soll:

  • Nach Standort oder Suchabsicht (Standardeinstellung)
  • Nur nach Standort
  • Nur nach Suchabsicht

Diese erweiterten Standortoptionen findet man bei den Kampagneneinstellungen unter Standorte und Sprachen:

Erweiterte-Standortoptionen

Ähnliches ist nun auch für das Ausschließen von Standorten möglich (die Option direkt darunter). Hier kann man sich entscheiden, ob man nur auf Basis von Standorten ausschließen möchte (Standardeinstellung), oder ob auch Suchanfragen berücksichtigt werden sollen.

Im offiziellen Blogpost von Google stehen ein paar Beispiele, wofür diese Differenzierungen gut sein könnten. Ich denke, die meisten Werbetreibenden sind mit der Standardeinstellung weiterhin am besten bedient.

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Brand Bidding: Halb so wild

Dienstag 22. März 2011 von Martin

Gestern hat die Firma Xamine eine Studie zur AdWords-Marktsituation für verschiedene Branchen veröffentlicht. Darin wird festgestellt, dass die Top-Werbetreibenden in fünf Branchen immer stärker damit zu kämpfen haben, dass andere Werbetreibende ihre Marke bei AdWords als Keyword buchen. Beispiel: Ein Reisebüro schaltet Werbung, wenn jemand bei Google nach einem Konkurrenten sucht.

Das gelte, so die Studie, besonders für den Bereich Tourismus, wo die Top-10 der reichweitenstärksten Werbetreibenden mit durchschnittlich über 80 sogenannten “Fremdwerbetreibenden” zu kämpfen hat (siehe Grafik).

Tourismus-Durchschnittliche-Anzahl-Fremdwerbetreibende

Auf den ersten Blick klingt das ziemlich schlimm. Die allgemeine Auffassung: Ein Unternehmen baut mit viel Mühe eine Marke auf und andere reißen sich dann den Profit unter den Nagel. SEO-United bringt die Stimmung auf den Punkt und spricht von Schmarotzern. Aber ganz so einfach ist die Unterteilung in Gut und Böse nicht.

Rechtliche Aspekte

Vom rechtlichen her ist die Sache recht klar: Man darf Werbung für fremde Marken schalten. Solange dabei nicht vorgetäuscht wird, die fremde Marke zu repräsentieren, lässt sich kaum dagegen vorgehen.

AdWords erlaubt die Verwendung fremder Marken als Keywords seit September 2010 grundsätzlich. Markeninhaber können ihre Marke allerdings weiterhin sperren lassen, damit unberechtigte Werbetreibende die Marke nicht mehr im Anzeigentext verwenden können.

Wer eine Marke sein Eigen nennt, sollte also auf jeden Fall dafür Sorge tragen, dass andere Werbetreibende diese nicht ohne Erlaubnis in ihren Anzeigentexten verwenden können. Auch sollte man aufpassen, dass Affiliate-Betrüger die eigene Anzeige nicht kopieren, um sich so Provisionen erschleichen.

Ökonomische Aspekte

Rechtlich gesehen ist Brand Bidding wohl in Ordnung, moralisch mag man davon halten was man will – aber ist das Einbuchen von fremden Marken überhaupt ökonomisch sinnvoll? Fakt ist, für den Markeninhaber ist es ärgerlich, wenn andere auf seine Marke bieten, denn das treibt auch seine Klickpreise nach oben. Die Vorstellung, andere würden hierbei einfach und billig die Profite abgreifen, ist jedoch falsch.

Wer auf fremde Marken bietet, ist praktisch immer im Nachteil. Wenn jemand beispielsweise nach “expedia” sucht und die Anzeigen von Expedia und Wettbewerbern sieht, wird er höchstwahrscheinlich auf die Anzeige von Expedia klicken. Durch die Sperrung der Marke kann außerdem verhindert werden, dass Mitbewerber die Marke in ihren Anzeigen verwenden. So kann sich Expedia deutlich von den anderen Anzeigen absetzen. Die Folge: Expedia hat deutlich höhere Klickraten und damit den mit Abstand höchsten Qualitätsfaktor. Deshalb muss Expedia deutlich weniger bieten als seine Mitbewerber.

Auch wenn mal jemand anders den Klick abbekommt: Der Besucher wollte eigentlich zu Expedia. Die Wahrscheinlichkeit, dass er seinen Urlaub woanders bucht, ist also geringer. Für andere Werbetreibende bedeutet das geringere Conversion-Raten und damit geringere Umsätze. Der Traffic, sprich die Klicks, sind für andere Werbetreibende also weniger wertvoll als für expedia selbst. Dementsprechend sind für andere Werbetreibende auch nur niedrigere Gebote sinnvoll.

Nimmt man beides zusammen, dann hat man einen Markeninhaber mit hohem Gebot und hohem Qualitätsfaktor gegen andere Werbetreibende mit niedrigen Geboten und niedrigeren Qualitätsfaktoren. Der Markeninhaber wird also weiterhin kein Problem haben, an erster Stelle zu stehen. Typischerweise wird er auf der Top-Position oberhalb der organischen Suchergebnisse zu finden sein, während eventuelle Mitbewerber am rechten Rand bleiben.

Technische Aspekte

Nicht jeder, der auf eine fremde Marke bietet, tut dies bewusst und absichtlich. Wer einen Suchbegriff mit der Standard-Keyword-Option “weitgehend passend” einbucht, bucht dabei implizit auch alle Begriffe, die Google als “weitgehend passend” einstuft. Wird zum Beispiel der Suchbegriff “sommerurlaub” eingebucht und Google stellt die Assoziation mit einer Marke wie expedia her, dann kann es durchaus sein, dass die zugehörige Anzeige bei einer Suche nach “expedia” eingeblendet wird. Das ist dann aber in der Regel kein hinterhältiges Brand Bidding, sondern schlicht ein Anfängerfehler.

In der Praxis stellt Google dann schnell fest, dass die Anzeige unpassend ist und schaltet sie nicht mehr oder nur noch selten.

Aber auch restriktivere Keyword-Optionen können zu unbeabsichtigtem Brand Bidding führen. Wird beispielsweise das Wort “urlaub” als Wortgruppe eingebucht, passt dies auf alle Suchanfragen, die das Wort “urlaub” enthalten. Also zum Beispiel auf “ab-in-den-urlaub.de”.

Statistische Aspekte

Wenn ich bei Google nach Expedia suche, dann sehe ich nur die Anzeige von Expedia selbst. Bei HRS das gleiche Bild. Bei trivago sehe ich überhaupt keine Anzeigen. Suche ich mehrfach nach Expedia, dann kommt ab und auch eine andere, recht unpassende Anzeige. Das könnte einer dieser Fälle sein, wo Google die Anzeige wegen eines weitgehend passenden Suchbegriffs einblendet. Aber wie gesagt, meistens steht Expedia da ganz allein. Sollten bei durchschnittlich 80 Fremdwerbetreibenden nicht alle Ränge belegt sein?

Nein, keineswegs. Denn um als “Fremdwerbetreibender” gezählt zu werden, muss man ja nur einmal irgendwo auftauchen. Xamine prüft die Markenbegriffe rund um die Uhr bei Google, Yahoo und Bing. Ob eine fremde Anzeige einmal um fünf Uhr morgens bei Bing oder rund um die Uhr bei Google zu sehen ist, macht in der Zählung keinen Unterschied. Die Zahl von den durchschnittlich 80 Fremdwerbetreibenden sagt in der Praxis also nur sehr wenig aus.

(Update: Wie Peter Herold von Xamine anmerkt, wurde ein Werbetreibender natürlich trotzdem nur ein Mal gezählt, auch wenn er in mehreren Suchmaschinen für eine Fremdmarke erschien)

Aber da gibt es noch eine Kleinigkeit, die aufhorchen lässt: Es geht um durchschnittlich 80 Fremdwerbetreibende. Pro Marke. Unter den Top 10 Marken.

Wie oben schon angemerkt: Wer “urlaub” einbucht, bucht implizit auch “ab-in-den-urlaub.de” ein. Das gleiche gilt für “reisen” und “reisen.de”. Weil solche generischen Suchbegriffe eben sehr oft eingebucht werden, sieht man entsprechend viele Anzeigen, wenn man nach reisen.de oder ab-in-den-urlaub.de sucht. Das zieht den Durchschnitt kräftig nach oben.

Betrachtet man, welche zehn Top-Marken pro Branche in die Statistiken eingeflossen sind, dann wird schnell klar, warum der Durchschnitt im Bereich Reise & Urlaub so hoch ist: Hier sind die Marken reisen.de, hotels.com, fluege.de und ab-in-den-urlaub.de vertreten. In den übrigen Branchen überwiegen Marken, die keine Keywords enthalten. Im Bereich Mode, wo keine einzige Keyword-Marke dabei ist, ist der Durchschnitt dementsprechend auch am niedrigsten.

Fazit: Halb so wild

Zusammenfassend: Die rechtlichen Möglichkeiten sind begrenzt, die Sperrung der Marke für fremde Anzeigentexte ist aber anzuraten. Aus ökonomischer Sicht ist Brand Bidding ein Ärgernis, aber kein Weltuntergang – solange sich keine Affiliate-Betrüger einschleichen. Für fremde Werbetreibende ist der ökonomische Anreiz weniger groß als gedacht. Aus technischen Gründen geschieht Brand Bidding oft unbeabsichtigt – und dürfte sich dann noch weniger lohnen. Und aus statistischen bzw. methodologischen Gründen erscheinen die Zahlen größer als das Problem in der Praxis ist.

Unbestritten: Es gibt Trittbrettfahrer, insbesondere bei Bing und Yahoo. Das Problem ist aber nicht so groß, wie die Zahlen suggerieren. Mangels rechtlicher Mittel wird man sowieso damit leben müssen.

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Experimente mit AdWords-Anzeigenformaten

Sonntag 20. März 2011 von Martin

Es sieht so aus, als wäre Google weiterhin sehr bestrebt, die Unterschiede zwischen AdWords-Anzeigen und normalen, organischen Suchergebnissen, weiter aufzuweichen. Offziell hatte Google zuletzt ein neues Anzeigenformat für längere Überschriften eingeführt, bei dem die erste Textzeile an die Überschrift angehängt wurde. Das führt zu höheren Klickraten – vermutlich, weil die Anzeigen dadurch noch eher wie normale Suchergebnisse aussehen. Nun legen Beobachtungen nahe, dass Google nachlegen möchte.

Etwas mehr als einen Monat nach der Einführung des neuen Anzeigenformats sieht man inzwischen immer mehr solcher Anzeigen. Eine erneute Auswertung für Suchbegriffe aus den Bereichen Elektronik/Shopping und Touristik/Reisen zeigt, dass die Quote deutlich gestiegen ist:

lange-headlines-anteil-2

Insgesamt ist der Anteil von Top-Anzeigen mit längeren, zusammengesetzten Überschriten von 25 auf 42 % gestiegen.

Gelockerte Anforderungen für längere Überschriften

Ein Grund für die Steigerung ist, dass einige Werbetreibende ihre Anzeigen entsprechend angepasst haben. Offiziell muss die erste Textzeile auf Punkt, Frage- oder Ausrufezeichen enden, damit sie an die Überschrift angefügt werden kann. Diese Anforderung scheint nun aber gelockert worden zu sein. Denn viele der verlängerten Überschriften enden gar nicht mehr auf ein Satzzeichen. Beispiele:

lange-headline-ohne-Satzzeichen-1

lange-headline-ohne-satzzeichen-2

In den weit über hundert gefundenen Fällen galt, dass die zweite Textzeile niemals mit einem Kleinbuchstaben begann. Was auch immer Google hier noch für Regeln anwendet, sie funktionieren erstaunlich gut. So habe ich nur einen einzigen Fall gefunden, wo man die beiden Textzeilen besser zusammen gelassen hätte:

lange-headline-ohne-satzzeichen-fehler

Google hat die Anforderungen für verlängerte Überschriften aber auch noch in einer anderen Richtung gelockert: Es muss nun nicht mehr zwangsläufig die ganze erste Zeile an die Überschrift angefügt werden. Es gibt viele Beispiele, wo die erste Textzeile bei einem Punkt getrennt und dann zur Hälfte an die Überschrift angehängt wurde.

Das folgende Beispiel verdeutlicht dies:

halblange-headline-original

halblange-headline

Die beiden Bilder zeigen die gleiche Anzeige, einmal am rechten Rand und einmal als Top-Anzeige. Wie man sieht endet die erste Zeile erst nach dem Wort “ohne”. Hier wurde also die Hälfte der Zeile in die Überschrift übernommen.

Deutlich seltener, aber ebenfalls möglich, ist, dass mehr als nur die erste Zeile in die Überschrift übernommen wird:

lange-headline-zweite-zeile-original

lange-headline-zweite-zeile

Wie man sieht ist die normale Überschrift hier extrem kurz und die erste Zeile eignet sich nicht, um sie einfach anzuhängen. Also wird kurzerhand die ganze erste und ein Teil der zweiten Zeile angefügt.

Ich habe auch noch mal ausgewertet, auf welche Zeichen die längeren Überschriften nun enden:

lange-headlines-zeichen-2

Der hohe Anteil der Punkte ist vor allem auf Googles eigenmächte Trennungen innerhalb der ersten oder zweiten Textzeile zurückzuführen. Auch gilt für alle Anzeigen, die unter “Rest” fallen, dass sie die offiziellen Anforderungen nicht erfüllen und demzufolge eigentlich nicht mit einer längeren Überschrift angezeigt werden dürften.

Fehler

Infolge der gelockerten Anforderungen gibt es allerdings auch mehr Beispiele, in denen die Neuordnung der Anzeigentexte schief geht. Gängige Fehlerquellen sind Abkürzungen:

lange-headline-fehler-1

lange-headline-fehler-3

lange-headline-fehler-5

Insgesamt ist der Anteil der unvorteilhaften Zusammensetzungen aber gering: Etwa jede vierzigste Anzeige (2,5 %) leidet darunter.

Anreicherung von Anzeigentexten

Für alle bisher genannten Beispiele gilt, dass alle Veränderungen in den Anzeigen nur mit bestehenden Teilen der Anzeigen durchgeführt wurden: Werbetreibende geben Überschrift, Zeile 1 und Zeile 2 bei AdWords an und Google stellt diese nach eigenem Gutdünken zusammen. Es gibt jedoch auch vereinzelt Beispiele, wo Google die Anzeigen eigenständig erweitert.

Die Kollegen von adwordsservice.de haben es zuerst gesehen: Eine Top-Anzeige mit verlängerter Überschrift, einer kurzen Textzeile und danach noch eine zusätzliche, längere Textzeile. Bisher konnte selbst ich nur ein einziges Beispiel dafür finden:

anzeige-mit-meta-description

Die zweite Textzeile stammt dabei aus der Meta-Beschreibung der Zielseite. Anders als im Beispiel von adwordsservice.de ist die Zeile nicht ausgegraut. Man beachte auch, dass die Keywords an dieser Stelle nicht mehr fett markiert werden. Das und die Seltenheit dieser Varianten deuten an, dass es sich um eins der vielen Experimente handelt, die Google nach eigenen Angaben ständig durchführt.

Ähnlich gelagert ist ein weiteres Einzelbeispiel:

lange-headline-erweitert

Hier wurde die Überschrift massiv erweitert und ist nun 82 Zeichen lang. Allerdings geschah dies nicht durch Änhängen der ersten Textzeile, denn beide Textzeilen stehen hier wie gewohnt nebeneinander in der zweiten Zeile der Anzeige. Am rechten Rand sieht man auch die unveränderte Originalversion der Anzeige:

lange-headline-erweitert-original

Die extrem lange Überschrift der ersten Version kommt also nicht aus der Anzeige selbst. Doch sie ist auch wieder auf der Zielseite zu finden: Es ist der Seitentitel, wenn auch am Ende abgeschnitten.

Fazit: Es tut sich was

Auch wenn Google es wohl nie zugeben wird: All diese Beispiele zeigen Bemühungen, die AdWords-Anzeigen den organischen Suchergebnissen nachzuempfinden. Das steigert die Klickrate, denn den normalen Suchergebnissen wird eher vertraut und von den Verwechslungen profitieren dann die Anzeigen.

Der Trend, die Suchergebnisse immer stärker zu kommerzialisieren, hält also an, so viel scheint sicher. Für Werbetreibende bedeuten die aktuellen Entwicklungen mal wieder ein Stück weniger Kontrolle über die eigenen Anzeigen. Dass Google es nicht für nötig hält, Werbetreibende über solche Experimente zu informieren, ist eigentlich ein Unding.

Zu denken gibt mir das Beispiel von billiger.de, bei denen viele Anzeigen nun so aussehen:

lange-headline-fehler-4

Durch den eigenmächtigen Umbruch an der falschen Stelle geht die Markenbotschaft verloren. Zwar kann man nicht sagen, dass der Werbetreibende für die Werbeeinblendung an sich bezahlt (abgerechnet wird ja nur beim Klick), aber es hat schon einen faden Beigeschmack, dass Google so mit seinen Kunden umspringt.

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AdWords Conversions nach Stunden

Sonntag 27. Februar 2011 von Martin

Bei Google AdWords kann man Conversion-Daten nun auch nach Stunden aufschlüsseln. Die Zahlen findet man auf dem Statistik-Tab, indem man sich Stunde des Tages anzeigen lässt. Bisher sah man dort nur Daten zu Klicks und Impressionen, also beispielsweise, wie viele Klicks in der Zeit von zehn bis elf Uhr angefallen waren. Die Spalten zu Conversion-Daten blieben leer.

Nun sieht man also auch, wie viele Conversions beispielsweise aus den Klicks zwischen zehn und elf Uhr entstanden sind. Die Spitzfindigkeit ist wichtig: Conversion-Daten in AdWords beziehen sich immer auf einen Klick. Wenn der Klick also um halb elf geschah und der Besucher zwei Stunden später etwas bestellt hat, wird die Conversion trotzdem in der Zeit zwischen zehn und elf Uhr angezeigt (das Phänomen kennt man ja schon in Verbindung mit Datumswechseln).

Verfügbar sind Conversion-Daten erst ab Anfang Februar. Nach Durchsicht mehrerer Accounts scheint es, als ob die Daten überall ab dem 4. Februar vollständig sind. Eine Auswertung über Zeiträume davor ist also nicht möglich, bzw. führt zu falschen Ergebnissen.

Mit Hilfe der Daten kann man nun auswerten, wie sich Conversion-Daten über den Tag entwickeln. Ich habe das für einige Accounts gemacht, hier ist einer davon. Vorweg: Dieses Beispiel ist absolut nicht repräsentativ.

AdWords Conversion-Rate und Bestellwerte (jeweils normiert) nach Stunde des Tages

Zu sehen sind hier Conversion-Raten und Bestellwerte, jeweils normiert auf den Tagesdurchschnitt (=100 %). Ich kann nur empfehlen, solche Auswertungen auf Basis normierter Daten zu machen und diese am besten noch grafisch darzustellen. Ansonsten verirrt man sich leicht in den Zahlen.

Wie man sieht schwanken beide Größen in der Nacht erheblich. Das liegt an der relativ dünnen Datenbasis: Nur 5 % der über 2.000 Conversions wurden hier vor acht Uhr morgens erzielt, zwischen drei und vier Uhr keine einzige. Die Conversion-Rate schwankt hier über den Tag verteilt, ein klarer Trend fehlt jedoch: Um acht Uhr morgens ist sie 23 % über dem Durchschnitt, eine Stunde später auf dem Durchschnitt, noch eine Stunde später sieben Prozent drunter, dann wieder sieben drüber…

Ähnlich sieht es bei den Bestellwerten aus, die über Tag ebenfalls um den Durchschnitt schwanken. Hier kristallisiert sich allerdings heraus, dass in der Nacht deutlich günstiger eingekauft wird.

Fazit: Nichts überstürzen

Die neuen Statistiken sind interessant, aber man sollte vorsichtig mit Schlussfolgerungen sein. Statistische Schwankungen liegen in der Natur der Sache. Ohne nun in die Tiefe zu gehen: Dass mal eine Stunde des Tages etwas besser lief, heißt noch lange nicht, dass es einen tatsächlichen Trend gibt.

Bevor man also aktiv wird und beispielsweise Gebote für bestimmte Tageszeiten modifiziert, sollte man also sicherstellen, dass die Trends tatsächlich statistisch signifikant sind. Auch sollte man sich ggf. die Frage stellen, ob es sich lohnt, auf signifikante Trends zu reagieren: Lohnen sich beispielsweise separate Gebote für die Zeit vor sechs Uhr, wenn dann sowieso nur wenig Traffic generiert wird?

Links

Eine offizielle Quelle gibt es nicht, aber Maria Nikishyna von Search Marketing Wisdom hat’s zuerst gesehen. Lesenswert zum Thema Dayparting (Berücksichtung von Tageszeiten, beispielsweise durch individuelle Gebote) ist auch dieser Artikel von Siddharth Shah, der vor einiger Zeit auf Search Engine Land veröffentlicht wurde.

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AdWords Anzeigenschaltung für Conversions optimieren

Donnerstag 24. Februar 2011 von Martin

Es klingt fast schon revolutionär: Ab sofort kann man die Anzeigenrotation bei Google AdWords so einstellen, dass Anzeigen, die vermutlich mehr Conversions erzielen, bevorzugt geschaltet werden. Die Einstellung findet man wie gewohnt bei den Kampagneneinstellungen und da unter Erweiterte EinstellungenAnzeigenschaltung.

Einstellung: Anzeigenschaltung-für Conversions optimieren

Bisher gab es dort nur die Möglichkeiten, für Klicks zu optimieren oder die Anzeigen möglichst im gleichen Verhältnis zu schalten. Neu ist jetzt der zweite Auswahlpunkt Für Conversions optimieren.

Mit dieser Neuerung geht Google auf eine Anforderung ein, die Werbetreibende praktisch schon immer hatten: Conversions stehen im Mittelpunkt der meisten Kampagnen, nicht Klicks. Google ist hier in einem Interessenskonflikt, denn das Unternehmen verdient pro Klick und bevorzugt dementsprechend die Schaltung von Anzeigen, die zu mehr Klicks führen.

Diese “Optimierung”, die ja primär nur im Sinne Googles ist, abzuschalten gehört für viele Werbetreibende und Agenturen zum Standardvorgehen. Stattdessen werden Anzeigen leistungsunabhängig geschaltet, um schließlich nach eigenen Kriterien die bessere Anzeige zu bestimmen. Diese Kriterien sind typischerweise Klick- und Conversion-Rate sowie ggf. Umsatzkennzahlen.

Der Haken

Weder die offizielle Ankündigung noch die AdWords-Hilfe geben Auskunft darüber, um welches Kriterium es bei der Optimierung für Conversions nun genau geht. Auf den ersten Blick bietet sich die Conversion-Rate als die Kennzahl an, die bei der Optimierung im Mittelpunkt stehen müsste. Mit anderen Worten, die Anzeige mit der höchsten Conversion-Rate müsste bevorzugt geschaltet werden. Ich glaube nicht, dass das auch so gemacht wird.

Die Conversion-Rate bezeichnet das Verhältnis von Conversions zu Klicks. Da pro Klick bezahlt wird, bedeutet eine höhere Conversion-Rate für den Werbetreibenden gleichzeitig niedrigere Kosten pro Conversion – kurz: Es wird profitabler. Nun gibt es prinzipiell zwei Wege, die Conversion-Rate zu erhöhen: Die Klicks besser zu verwerten oder die Streuverluste zu verringern. Letzteres bedeutet, weniger schlecht konvertierende Klicks einzukaufen – und das ist nicht im Sinne von Google.

Google hat aber nirgends behauptet, dass die Conversion-Rate tatsächlich im Mittelpunkt steht. Vielmehr geht es um die Zahl der Conversions an sich. Und diese Zahl hängt von zwei Dingen ab: Wie viele Klicks es gibt und wie viele dieser Klicks konvertieren. Im Mittelpunkt steht also nicht mehr das Verhältnis von Conversions zu Klicks, sondern das Verhältnis von Conversions zu Impressionen. Diese Kennzahl, auch als Impression-to-Conversion (I2C) oder Conversions-per-1000-Impressions gehandelt, ist durchaus nicht neu, aber auch nicht gerade weit verbreitet.

Ich gehe stark davon aus, dass Google diesen Ansatz verfolgt. Werbetreibende sollten sich also nicht wundern, wenn eine Anzeige mit hoher Conversion-Rate trotzdem nicht Googles Favorit ist. Google kommt Werbetreibenden mit dem Fokus auf Conversions zwar entgegen, zwangsläufig optimal ist dies für Werbetreibende aber nicht.

Weiter wie bisher?

Es gibt in der Ankündigung einen kleinen Satz, der für die Wirkung der Option in der Praxis ausschlaggebend sein dürfte:

When we don’t have enough data to make a decision, we’ll show the ad that is the most likely to receive clicks.

In der englischen AdWords-Hilfe steht es noch deutlicher (die deutsche Version ist offenbar falsch übersetzt worden):

If there isn’t sufficient conversion data to determine which ad will provide the most conversions, ads will rotate using ‘Optimize for clicks’ data.

Solange nicht klar ist, welche Anzeige mehr Conversions generiert, wird also wie gehabt auf Klickmaximierung hin optimiert. Da Google hierbei für gewöhnlich recht schnell einen Gewinner kürt, stellt sich die Frage, wie dann genügend Conversion-Daten für neue Anzeigen gesammelt werden sollen. Naturgemäß werden Klickdaten eben sehr viel schneller gesammelt als Conversion-Daten.

Fazit: Doch keine so große Neuerung

Insgesamt ist zu erwarten, dass die neue Option nur in wenigen Fällen einen Unterschied zur Standardeinstellung (für Klicks optimieren) macht. In diesen wenigen Fällen dürfte die Option dann bessere Ergebnisse bringen, ansonsten ändert sich nichts. Die Standardeinstellung wäre damit der neuen Option unterlegen und sollte – wenn überhaupt – nur noch eingesetzt werden, wenn man tatsächlich überragenden Wert auf Klicks legt.

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AdWords erlaubt längere Anzeigentitel

Dienstag 8. Februar 2011 von Martin

Eine Änderung bei Google AdWords sorgt derzeit für Betriebsamkeit bei Werbetreibenden: Anzeigen auf den Premium-Positionen, können nun auch längere Titel erhalten. Dazu wird die erste Textzeile an den Titel angefügt, so dass eine besonders lange, klickbare Überschrift entsteht.

Normalerweise besteht eine AdWords-Anzeige aus einer Überschrift, zwei Zeilen Text und einer Anzeige-URL. Auf den Premium-Positionen, also oberhalb der organischen Suchergebnisse, rücken die beiden Textzeilen normalerweise zusammen in eine Zeile. Scheint es sich bei der ersten Zeile jedoch um einen abgeschlossenen Satz zu handeln, kann sie nun auch an die Überschrift angehängt werden. Alte Überschrift und erste Textzeile werden dann durch einen Gedankenstrich miteinander verbunden. Das kann dann z. B. so aussehen:

Lange-Headline-1

Voraussetzung für dieses Anzeigenformat ist, neben der Einblendung auf den Premium-Plätzen, dass Google die erste Textzeile als abgeschlossenen Satz ansieht. Das Rezept hierfür ist denkbar einfach: Satzzeichen verwenden. Je nach Land gelten unterschiedliche Regeln. In Deutschland funktionieren Punkt, Frage- und Ausrufezeichen sowie Auslassungspunkte (…). Zeichen wie Doppelpunkt und Bindestrich helfen leider nicht. Eigentlich dürfte auch kein Ausrufezeichen funktionieren, denn dessen Verwendung in der Überschrift verstößt streng genommen gegen die AdWords-Anzeigenrichtlinien.

Viel zu tun

Für Werbetreibende bedeutet diese Änderung jedenfalls zusätzliche Arbeit, denn viele Anzeigen müssen erst mal angepasst werden, um die Voraussetzungen dafür zu erfüllen. Andere Anzeigen erfüllen die Voraussetzungen schon, sind aber vielleicht gar nicht dazu geeignet, so dargestellt zu werden. Ein Beispiel: In der folgenden Anzeige wirkt die Überschrift auf mich etwas unglücklich. Hier waren die Textzeilen wohl eher dazu gedacht, zusammen zu stehen:

Lange-Headline-Poolreiniger

Wer es ordentlich machen und Anzeigenvarianten gegeneinander testen möchte, steht allerdings vor einem Problem. Denn AdWords gibt keine Statistiken darüber heraus, wie oft eine Anzeige auf den Premium-Positionen und damit möglicherweise mit einer längeren Überschrift zu sehen war.

Es gibt aber einige Dinge, die man von vorneherein beachten sollte. So sollte man sich genau überlegen, welche Botschaft man in der ersten und welche man in der zweiten Textzeile unterbringt. So sollte man starke Verkaufsargumente besser in der ersten Zeile unterbringen, so dass diese in der Überschrift ihre volle Wirkung entfalten können. In folgendem Beispiel wäre das knackige 50%-Preisargument wohl besser in der Überschrift aufgehoben:

Lange-Headline-2

Vermeiden sollte man auf jeden Fall die (inhaltliche) Wiederholung der Überschrift in der ersten Zeile, wie hier geschehen:

Lange-Headline-Turnschuhe

Die Verwendung von Keywords in der ersten Zeile macht sich dafür besonders bezahlt, da die gefetteten Elemente in der Überschrift noch deutlicher heraus kommen. Grundsätzlich würde ich auch dafür plädieren, statt Punkten eher auf die Frage- und Ausrufezeichen auszuweichen, da diese in der Überschrift einfach besser wirken. Sehr gut hat das alles in der folgenden Anzeige funktioniert:

Lange-Headline-Mietwagen

Zahlen und Sonderfälle

Ich habe über Nacht mal die Anzeigen zu ein paar hundert Suchbegriffen aus den Bereichen Touristik/Reisen und Elektronik/Shopping ermittelt. Dabei kam heraus, dass bereits ein Viertel der Anzeigen auf Premium-Positionen mit längeren Headlines ausgestattet ist:

Lange-Headlines-Anteil

Auch die Endungen habe ich mir angesehen. In gut zwei Drittel der Fälle endet die verlängerte Überschrift auf einen Punkt:

Lange-Headline-Zeichen

Die Auslassungspunkte habe ich dabei nur bei einigen Anzeigen von enjoyyourcamera.com gesehen:

Lange-Headline-Punkte

Erwähnenswert finde ich auch noch die folgenden Anzeigen:

Lange-Headline-Extralang-Digicam

Lange-Headline-Extralang-Ibiza

Beide Anzeigen setzen Keyword-Platzhalter sowohl in der Überschrift als auch in der ersten Textzeile ein, wodurch AdWords sich schon mal erweichen lässt, das starre Zeichenlimit zu ignorieren. Dadurch entsteht im ersten Fall für den Suchbegriff panasonic digicam eine Überschrift mit 78 Zeichen – 28 Zeichen aus der alten Überschrift und 47 aus der ersten Textzeile (plus der Trennstrich und die beiden Leerzeichen). Im zweiten Fall für den Suchbegriff last minute ibiza ist die Überschrift sogar 80 Zeichen lang. Hier kommen 33 Zeichen aus der alten Überschrift und 44 aus der ersten Textzeile.

Dass man mit Keyword-Platzhaltern überlange Elemente schaffen kann, ist nicht neu. Solch krasse Fälle sind mir jedoch noch nicht begegnet. Mir scheint, dass in den längeren Überschriften die tatsächlichen Limits noch mal ein Stück herauf gesetzt wurden.

Fazit: An die Arbeit

Die Beispiele zeigen, dass es noch viel zu tun gibt. Einige Anzeigen sind im neuen Format noch verbesserungswürdig, viele andere erfüllen die Voraussetzungen gar nicht. Wer das neue Format optimal ausnutzen möchte, kommt nicht umhin, seine Anzeigen unter neuen Gesichtspunkten zu beurteilen und ggf. zu ändern.

Etwas Unsicherheit bleibt: Die offizielle Ankündigung lässt durchblicken, dass die längere Überschrift keine Selbstverständlichkeit ist. So ist die Rede davon, dass bei manchen Anzeigen die erste Textzeile in die Überschrift rückt. Weiter steht dort, dass man durch korrekte Satzzeichen seine Chancen verbessert. Derzeit sieht es zwar so aus, als kämen alle Anzeigen in den Genuss der längeren Überschriften, wenn sie die Voraussetzungen erfüllen. Ob das so bleibt, wird sich wohl noch herausstellen müssen. Für den Moment scheint Google jedenfalls sehr freigiebig damit umzugehen.

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AdWords Anzeige-Domains nur noch in Kleinschreibung

Dienstag 25. Januar 2011 von Martin

Vor zwei Wochen hat Google eine Änderung bei den Anzeige-URLs angekündigt, die inzwischen umgesetzt wurde: Der Domain-Teil der Anzeige-URLs wird ab sofort nur noch in Kleinschreibung angezeigt. Aus

Mein.Beispiel.de/TolleSachen

wird also

mein.beispiel.de/TolleSachen

Die Kleinschreibung beschränkt sich also auf den Namen der Domain und eventuelle Subdomains. Pfade, sprich, alles nach dem Schrägstrich, sind nicht betroffen. Die Änderung ist wie gesagt schon umgesetzt geworden, ohne dass Werbetreibende dafür aktiv werden mussten.

Aufgeregte Diskussion

Über die Hintergründe wird schon eifrig spekuliert. Laut Google wurde herausgefunden, dass durch die Standardisierung die Klickraten gesteigert werden konnten. Werbetreibende sehen das zuweilen allerdings anders, da führende Großbuchstaben die Lesbarkeit erleichtern und sich in der Vergangenheit positiv auf Klickraten ausgewirkt haben.

Auf SearchEngineWatch wird spekuliert, Google wolle mit der Maßnahme vielleicht Bandbreite und Serverplatz sparen – weil Großbuchstaben ja mehr Speicherplatz brauchen könnten. Ich sag da jetzt mal nichts zu ;)

Die Reaktionen auf Twitter und anderswo sind jedenfalls teilweise heftig. Manch einer scheint zu glauben, dass Großbuchstaben im Domainnamen ein extrem wichtiges AdWords-Feature waren, ohne dass man keine großartigen Anzeigen schreiben könne. Hier und da wird sogar spekuliert, dass Google dadurch Werbetreibende so sehr frustriert, dass diese aufhören, AdWords zu nutzen.

Meine Einschätzung

Ich persönlich denke, dass Google die Änderung nicht gemacht hätte, wenn es die Klickraten insgesamt beeinträchtigt hätte. Dass sich einzelne Werbetreibende über die Verwendung von Großbuchstaben nicht mehr voneinander absetzen können, sagt ja erst mal nichts über die Klickrate aller Anzeigen insgesamt aus.

Für möglich halte ich, dass der Effekt dadurch kommt, dass die Anzeigen nun den organischen Listings noch ähnlicher sind. Als jemand, der tagtäglich mit AdWords zu tun hat, kommt einem das zwar unmöglich vor, aber ein Großteil der Google-Nutzer kennt den Unterschied zwischen bezahlten und organischen Suchergebnissen ja gar nicht. Insbesondere die Anzeigen auf Premium-Positionen werden ja gerne für normale Suchergebnisse gehalten.

Was auch immer dahinter steckt: Google hat sich entschieden und die Änderung umgesetzt. Ob das jetzt gut oder schlecht ist, kann uns eigentlich egal sein, denn das ändert nichts mehr. Also warum sollte man sich über Dinge aufregen, die man nicht ändern kann? Sehen wir es doch mal so: AdWords ist um ein ganz kleines bisschen einfacher geworden. Das hatten wir auch schon lange nicht mehr.

Manche trifft es natürlich trotzdem hart, wie ich eben auf WebmasterWorld gesehen habe:

bad-news-for-pen-island

In diesem Sinne ;)

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Das Geheimnis des Qualitätsfaktors

Donnerstag 20. Januar 2011 von Martin

Was bisher geschah

Dieser Post ist der vierte und entscheidende Teil einer Serie, in der das Geheimnis des AdWords-Qualitätsfaktors ergründet werden soll. Bisherige Posts:

  1. Das Qualitätsfaktor-Puzzle
  2. Google AdWords und die Qualität
  3. Mit dem Qualitätsfaktor zur Gewinnmaximierung

Im ersten Post ging es darum, dass es keinen allgemeinen Konsens gibt, wozu der Qualitätsfaktor eigentlich gut ist. Es ist ein bisschen so, als hätte Google für sich eine abstrakte Formel für das, was Qualität ist und Werbetreibende müssten eben damit leben. Der zweite Post zeigte anhand von einigen Beispielen, dass bei Google der Gewinn im Vordergrund stehen dürfte – auch, wenn er zu Lasten der Qualität geht. Die Idee, dass der Qualitätsfaktor tatsächlich zur Sicherung der Qualität (auf Kosten von Gewinn) dienen soll, wurde deshalb als geschicktes Marketing von Google angesehen und verworfen.

Im dritten Post wurde die Theorie, dass Google in erster Linie Gewinn machen möchte, konsequent weiterverfolgt. Die Anzeigenauktion rückte in den Mittelpunkt – jenes Verfahren, in dem täglich millionenfach festgelegt wird, in welcher Reihenfolge Anzeigen bei Google eingeblendet werden. Die Frage lautete, wie die Anzeigenauktion funktionieren müsste, damit Google den meisten Gewinn macht. Die einzige Schraube, an der Google dabei drehen kann, ist der Qualitätsfaktor. Hier muss der Qualitätsfaktor der Klickrate entsprechen, damit das für Google bestmögliche Ergebnis erzielt wird. Am Ende des letzten Posts stand also:

Qualitätsfaktor = Klickrate

Widerspruch?

Es ist zunächst einmal wichtig, klarzustellen, dass an der folgenden Aussage gar kein Zweifel besteht: Wenn der Qualitätsfaktor mit der Klickrate übereinstimmt, bringt dies Google den meisten Gewinn. Der Beweis dafür findet sich nicht nur im letzten Post: Bevor der Qualitätsfaktor 2005 eingeführt wurde, hat Google stattdessen die Klickrate in genau der gleichen Weise verwendet. Die Anzeigenreihenfolge wurde mit der Formel Gebot x Klickrate bestimmt, heute heißt es Gebot x Qualitätsfaktor.

Ich weiß, das klingt abstrus und widersprüchlich: Wenn die Formel früher schon optimal war und sich dann geändert hat, dann muss Google ja jetzt ein anderes Ziel als Gewinnmaximierung verfolgen. Oder aber Google hat überhaupt nichts verändert und uns auf ganzer Linie hinters Licht geführt.

Die Natur der Klickrate

Doch so einfach ist es nicht. Ein näherer Blick auf die banal erscheinende Klickrate bringt Licht ins Dunkel.

Wenn Google die Reihenfolge der AdWords-Anzeigen festlegt, müssen zwei Dinge beachtet werden: Wie viel bringt die Anzeige pro Klick und wie viele Klicks bringt die Anzeige. Dafür habe ich im letzten Post zwei Begriffe verwendet: Gebot und Klickrate.

Doch die Klickrate ist eigentlich nicht die richtige Größe, denn sie bezieht sich auf die Vergangenheit. Die Klickrate ist ganz einfach die bisherige Anzahl der Klicks geteilt durch die bisherige Zahl der Impressionen.

Wenn Google eine Suchanfrage bekommt und dafür die Reihenfolge der Anzeigen festlegt, dann geht es aber gar nicht um die Vergangenheit: Es geht darum, ob die Anzeigen hier und jetzt angeklickt werden. Es geht um die unmittelbare Zukunft. Bei der Festlegung der Reihenfolge geht es nur um diese eine Impression für die aktuelle Suchanfrage. Wird darauf auch ein Klick folgen oder nicht? Die Klickrate hat damit erst mal wenig zu tun – hier geht es um die Klickwahrscheinlichkeit.

Wo ist der Unterschied?

Den Unterschied zwischen Klickrate und Klickwahrscheinlichkeit kann man sich sehr einfach am Beispiel eines Münzwurfs verdeutlichen. Kopf oder Zahl, beides hat die gleiche Wahrscheinlichkeit, nämlich 50 %. Diese Wahrscheinlichkeit steht fest und ändert sich nie.

Wenn wir die Münzwürfe zählen, bei denen am Ende der Kopf oben liegt, und durch die Gesamtzahl der Würfe teilen, dann erhalten wir eine “Kopf-Rate”. Bekommen wir also ein Mal Kopf bei zwei Würfen, dann haben wir eine “Kopf-Rate” von 50 %. Das entspräche dann der “Kopf-Wahrscheinlichkeit”, denn die liegt ja auch bei 50 %.

Es könnte aber auch sein, dass wir bei zwei Würfen zwei Mal Kopf bekommen. Dann hätten wir eine Kopf-Rate von 100 %. Die “Kopf-Wahrscheinlichkeit” bleibt aber unverändert bei 50 %.

Genauso verhält es sich mit Klickrate und Klickwahrscheinlichkeit: Nur weil eine Anzeige mit zwei Impressionen schon einen Klick und damit eine Klickrate von 50 % hat, bedeutet das noch lange nicht, dass sie auch in Zukunft eine Klickrate von 50 % haben wird. Wenn Google also eine Vorhersage über die Zukunft machen will, wird die reale Klick-Wahrscheinlichkeit benötigt.

Nun ist die Bestimmung der Klick-Wahrscheinlichkeit nicht ganz so einfach. Natürlich besteht ein Zusammenhang zwischen der gemessenen Klickrate und der Klickwahrscheinlichkeit. Allerdings kann man nicht einfach die Klickrate nehmen und sagen, die Wahrscheinlichkeit sei die gleiche.
Nehmen wir das Münz-Beispiel, wo wir zwei Mal Kopf und damit eine Rate von 100 % hatten. Wenn wir nun annehmen, dass die Wahrscheinlichkeit entsprechend auch bei 100 % liegt und all unser Geld auf Kopf setzen, könnten wir eine böse Überraschung erleben.

Auf den ersten Blick könnte man glauben, dass sich Rate und Wahrscheinlichkeit recht schnell annähern. Denn natürlich kann man nach zehn Münzwürfen bessere Rückschlüsse auf die Wahrscheinlichkeit ziehen als nach zwei. Allerdings ist es auch nach zehn Münzwürfen recht unwahrscheinlich, dass tatsächlich genau die Hälfte davon Kopf zeigen. Umgekehrt folgt, dass, selbst wenn fünf von zehn Kopf zeigen, man noch lange nicht sagen kann, dass die Wahrscheinlichkeit bei 50 % lag.

Bevor das jetzt zu kompliziert wird, verdeutliche ich das Dilemma lieber an ein paar Zahlen und bitte darum, mir diese zu glauben. Die folgende Tabelle zeigt die Zahl der Münzwürfe, die Zahl der Kopf-Würfe und die Kopf-Rate (immer 50 %). Die nächsten beiden Zahlen geben an, in welchem Bereich die Kopf-Wahrscheinlichkeit (WS) vermutlich liegt. Ein Lesebeispiel: Bei zehn Würfen, von denen fünf Kopf ergeben, liegt die Kopf-Rate bei 50 %. Die Wahrscheinlichkeit liegt dann vermutlich irgendwo zwischen 19 % und 81 %.

Tabelle-Muenzwurf

(Wer die Wahrscheinlichkeiten nachvollziehen möchte: Es handelt sich um Clopper-Pearson-Konfidenzintervalle, das Konfidenzniveau liegt bei 95 %).

Die Zahlen zeigen: Selbst, wenn die Rate immer bei 50 % liegt, braucht man schon sehr viele Würfe, bis man die Wahrscheinlichkeit wirklich eingrenzen kann. (Nebenbei: Die Bereiche, mit denen man das reale Ergebnis eingrenzt, sind dabei auch nur mit 95 %iger Wahrscheinlichkeit korrekt. Das bedeutet, in jedem zwanzigsten Fall liegt die reale Wahrscheinlichkeit außerhalb des Bereichs.)

Google steht vor dem gleichen Dilemma, wenn versucht wird, aus der Klickrate auf die Klickwahrscheinlichkeit zu schließen. Die folgende Tabelle zeigt die Situation wie oben, nur dass es dieses Mal um eine Anzeige mit einer Klickrate von 5 % geht – eine ganz normale Situation also.

Tabelle-Klicks

Wie man sieht bedarf es einiger Impressionen, bevor verlässliche Zahlen vorliegen. Dabei müssen die Zahlen möglichst genau sein, denn es geht bei der Anzeigenauktion ja um viele Anzeigen, die vermutlich alle recht dicht beieinander liegen.

Die ganze Übung mag sehr theoretisch wirken – was macht es schon, wie genau man die Klickwahrscheinlichkeit kennt? Im Zweifelsfall sortiert Google die Anzeigen eben mal falsch und verliert hier und da mal einen Cent. Doch wenn man, wie Google, täglich Abermillionen von Anzeigen ausliefert, dann machen diese Feinheiten in der Summe durchaus einen großen Unterschied.

Schätzung der Klickwahrscheinlichkeit

Um die Anzeigen optimal zu ordnen und den höchstmöglichen Gewinn daraus zu erzielen, braucht Google also eine möglichst genaue Schätzung der Klickwahrscheinlichkeit für den Qualitätsfaktor. Die Tabellen zeigen, dass man für eine verlässliche Schätzung einiges an Daten sammeln muss. Bis diese Daten vorliegen, muss Google also blind fliegen. Während dieses Blindfluges würden natürlich suboptimale Ergebnisse erzielt – Google müsste also mit weniger Einnahmen leben als möglich wären.

Dabei ist Googles Dilemma noch viel größer als es aussieht. Denn die Tabellen legen ja nahe, dass es irgendwann verlässliche Daten gibt. In der Realität sieht das allerdings anders aus, denn da gibt es fast nie die Klickrate, auf die man sich verlassen kann. Nehmen wir mal an, das Keyword “laufschuhe” hat eine Klickrate von 5 % nach 10.000 Impressionen. Laut Tabelle haben wir die reale Klickwahrscheinlichkeit damit schon gut eingegrenzt.

Allerdings entfielen diese 10.000 Impressionen vielleicht auf ganz verschiedene Suchanfragen wie “laufschuhe”, “laufschuhe günstig” und so weiter. Natürlich hat jede Suchanfrage dabei ihre eigene Klickwahrscheinlichkeit. Vielleicht steht in der zugehörigen Anzeige das Wort “günstig”, dann hat die Suchanfrage “laufschuhe günstig” eine ganz andere Klickwahrscheinlichkeit. Jede Suchanfrage muss also einzeln betrachtet werden. Die 10.000 Impressionen werden also aufgeteilt und man hat deutlich weniger Daten.

Verschlimmert wird das Dilemma noch durch die Rotation von Anzeigen: Das Keyword “laufschuhe günstig” funktioniert mit der Anzeige für teure Laufschuhe ganz anders als mit der für günstige Laufschuhe. Und natürlich gibt es da noch die Situation, dass eine Suchanfrage oder eine Anzeige ganz neu ist und es noch gar keine Daten dazu gibt.

Halten wir fest: Google braucht wirklich Unmengen von Daten zur Schätzung von Klickwahrscheinlichkeiten, wenn das auf Grundlage von Impressionen und Klicks geschehen soll. Also was könnte man noch heranziehen, um auf die Klickwahrscheinlichkeit zu schließen? Hier brauchen wir unsere Fantasie nicht groß zu bemühen: Es sind die bekannten Einflussfaktoren des Qualitätsfaktors, die wir bequem der AdWords-Hilfe nachlesen können.

Da wäre zunächst die Klickrate selbst – die haben wir ja jetzt abgehandelt. Ansonsten spielen vor allem Relevanzfaktoren eine Rolle. Das ist logisch: je relevanter die Anzeige für die Suchanfrage ist, desto wahrscheinlicher ist auch der Klick. Neben Klickrate und Relevanz wird auch oft die Zielseite angeführt. Diese ist allerdings in der Anzeigenauktion nicht relevant, was ich im zweiten Post der Reihe als Widerspruch zu Googles Qualitätsversprechen bezeichnet habe. Jetzt ist klar, warum die Zielseite keine Rolle spielt: Sie hat keinerlei Einfluss auf die Klickwahrscheinlichkeit, denn man sieht sie ja erst nach dem Klick. Das einzige, was man von der Zielseite sieht (bzw. zu sehen glaubt), ist die Anzeige-URL – und deren Klickrate wird als separater Faktor tatsächlich aufgeführt.

Man kann davon ausgehen, dass es noch viele weitere Signale gibt, die in die Berechnung mit eingehen. Wie genau Google all diese Daten zur Klickwahrscheinlichkeit vermengt, ist alles andere als trivial und kann von außen nicht im Detail ergründet werden. Man kann jedoch davon ausgehen, dass sich der Qualitätsfaktor bei neuen Keywords oder Anzeigen am Anfang vor allem auf Faktoren wie Relevanz und halbwegs verwandte Klickraten (Konto insgesamt, ähnliche Keywords, etc.) stützt, welche mit zunehmender Datengrundlage mehr und mehr in den Hintergrund treten.

Das Geheimnis des Qualitätsfaktors

Im ersten Post dieser Reihe hatte ich Antworten für drei Fragen versprochen. Diese Antworten haben wir nun:

Wozu ist der Qualitätsfaktor da?

Um Googles Gewinn zu maximieren.

Was ist Qualität?

Klickwahrscheinlichkeit.

Was ist der Qualitätsfaktor?

Man könnte meinen, hier müsste noch mal Klickwahrscheinlichkeit stehen. Wie oben dargelegt, ist die Klickwahrscheinlichkeit jedoch keine greifbare Größe, sondern kann lediglich bestmöglich geschätzt werden. Diese Schätzung ist der Qualitätsfaktor.

Also, noch mal in fett und deutlich:

Der Qualitätsfaktor ist Googles Schätzung der Klickwahrscheinlichkeit

Und damit hätten wir nun auch das “Geheimnis des Qualitätsfaktors” gelüftet.

Stimmt das denn auch?

Wie im ersten Post geschildert: Ich bin nicht in den Googleplex eingebrochen. Auch sonst hat Google in keinster Weise bestätigt, dass das hier stimmt. Insofern muss man es ehrlicherweise als Theorie bezeichnen.

Man muss allerdings auch sehen, dass diese Theorie einfach nur eine logische Fortführung einer einfachen These ist: Google möchte so viel Geld verdienen wie möglich. Wenn das hier falsch ist, dann bedeutet das eins von zwei Dingen: Entweder, Google möchte gar nicht so viel Geld wie möglich verdienen. Oder Google ist nicht von selbst darauf gekommen. Beides scheint mir nicht wahrscheinlich.

Wie geht’s weiter?

Das große Geheimnis ist gelüftet, doch damit sind wir nicht fertig. Denn mithilfe dieses Wissens können wir nun etwas tiefer in die Funktionsweise des Qualitätsfaktors blicken. Damit lassen sich Fehlannahmen korrigieren und manche bisher ungeklärte Frage beantworten. Wir können außerdem über bisher unbekannte Faktoren spekulieren. In den kommenden Tagen und Wochen werden wir also noch so manchen Post hierauf aufbauen.

Bis dahin danke ich allen, die so lange durchgehalten haben, fürs Lesen :)

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Mit dem Qualitätsfaktor zur Gewinnmaximierung

Dienstag 18. Januar 2011 von Martin

Was bisher geschah

Dieser Post ist der dritte Teil einer Serie, in der das Geheimnis des AdWords-Qualitätsfaktors ergründet werden soll. Bisherige Posts:

  1. Das Qualitätsfaktor-Puzzle
  2. Google AdWords und die Qualität

Im ersten Post ging es unter anderem darum, dass jeder etwas anderes unter Qualität versteht, was ein großes Hindernis beim Verständnis des Qualitätsfaktors darstellt. Im zweiten Post ging es darum, dass Google zwar gerne von Qualität spricht, allem Anschein nach jedoch eher an kurzfristigem Profit interessiert ist. Alle Aussagen in Richtung Qualität erscheinen da eher als geschicktes Marketing.

Annahmen

Im Folgenden bleiben wir bei dieser Grundannahme: Google möchte in erster Linie den eigenen Gewinn maximieren. Aussagen, der Qualitätsfaktor sei zur Sicherung der Anzeigenqualität eingeführt worden, werden zunächst ignoriert. Damit wird die Suche nach dem Qualitätsfaktor plötzlich auf eine ziemlich einfache Frage reduziert: Wie verdient Google am meisten Geld?

Nicht jede Aussage von Google zum Qualitätsfaktor ist als Marketing anzusehen. Es gibt auch technische Details zum Qualitätsfaktor, die wohl kaum in diese Kategorie fallen dürften. Stattdessen sind sie recht begrenzt und stellenweise vage.

Ein solches technisches Detail ist die Funktionsweise der Anzeigenauktion. Bei dieser wird für alle teilnehmenden Anzeigen jeweils das Gebot und der Qualitätsfaktor multipliziert. Das Ergebnis dieser Multiplikation wird als Anzeigenrang bezeichnet und bestimmt dann die Anzeigenreihenfolge.

Um zu ergründen, was es mit dem Qualitätsfaktor auf sich hat, werden nun folgende Annahmen getroffen:

Annahme 1: Google verhält sich gewinnmaximierend.

Annahme 2: Die Anzeigenauktion funktioniert wie oben beschrieben:
Anzeigenrang = Klickgebot * Qualitätsfaktor

Daraus folgt: Die Anzeigenauktion zielt auf Gewinnmaximierung ab.

Die Anzeigenauktion besteht aus Geboten und Qualitätsfaktoren für eine gewisse Anzahl von Anzeigen. Die Gebote und die teilnehmenden Anzeigen stehen dabei fest, variabel sind nur die Qualitätsfaktoren.

Die zentrale Frage lautet also: Wie muss der Qualitätsfaktor ausgestaltet sein, damit die Anzeigenauktion zur Gewinnmaximierung führt?

Schlussfolgerungen

Google verdient erst, wenn jemand auf eine Anzeige klickt. Der Klick ist allerdings nicht garantiert, denn nicht jeder Nutzer klickt auch auf eine Anzeige. Wichtig ist also nicht nur, wie viel ein Werbetreibender für einen Klick bietet, sondern auch, wie viele Klicks er letztlich erzielt.

Zum Zeitpunkt der Anzeigenauktion ist also unsicher, ob es überhaupt zu einem Klick kommt. Sicher ist nur, dass es eine Suche gibt, bei der Anzeigen eingeblendet werden sollen. Zu ermitteln ist also, welche Anzeigenreihenfolge den Gewinn aus diesen Einblendungen maximiert. Und das ist erstaunlich einfach.

Der pro Impression aus einer Anzeige erzielbare Gewinn ergibt sich aus der Multiplikation von Klickgebot und Klickrate. So lässt sich ein Klickgebot sehr einfach in ein Gebot pro Impression umrechnen.

Beispiel:

A bietet 1,00 € pro Klick und erzielt eine Klickrate von 10 %
Daraus folgt: A bietet 10 Cent pro Impression

B bietet 1,50 € pro Klick und erzielt eine Klickrate von 40 %
Daraus folgt: B bietet 60 Cent pro Impression

Die Klickrate hängt allerdings maßgeblich von der Anzeigenposition ab. Im Beispiel nehmen wir nun an, dass B bisher immer auf der ersten Position zu finden war, A immer auf der zweiten. Es ergibt sich also folgendes Bild:

A erzielte eine Klickrate von 10 % auf der zweiten Position.

B erzielte eine Klickrate von 40 % auf der ersten Position.

Die Klickraten sind erst mal nicht vergleichbar: Zwar hat B eine deutlich höhere Klickrate, war aber auch weiter oben gelistet. Dieser Einfluss muss also erst heraus gerechnet werden, bevor die Klickraten verglichen werden können. Die Frage lautet also, welche Klickraten A und B auf der gleichen Position erzielen würden.

Vereinfachend wird nun angenommen, dass eine gleichwertige Anzeige auf der zweiten Position eine nur halb so hohe Klickrate wie auf der ersten Position erzielt. Mathematisch lässt sich das durch “Positions-Klickraten-Koeffizienten” ausdrücken:

Für Position 1: 1,0

Für Position 2: 0,5

Damit lassen sich die Klickraten nun auf andere Positionen umrechnen. Normiert auf die erste Position ergibt sich folgendes Bild:

A würde eine Klickrate von 20 % auf der ersten Position erzielen (10 % / 0,5).

B würde eine Klickrate von 40 % auf der ersten Position erzielen (40 % / 1,0).

Nun lassen sich auch vergleichbare Gebote pro Impression berechnen:

A bietet 1,00 € pro Klick und erzielt eine Klickrate von 20 % auf der ersten Position
Daraus folgt: A bietet 20 Cent pro Impression auf der ersten Position

B bietet 1,50 € pro Klick und erzielt eine Klickrate von 40 % auf der ersten Position
Daraus folgt: B bietet 60 Cent pro Impression auf der ersten Position

Mithilfe der Positions-Klickraten-Koeffizienten lassen sich auch Impressionsgebote für weitere Anzeigenpositionen berechnen:

Gebot pro Impression auf Position X
= Klick-Gebot * Klickrate auf der ersten Position * Positions-Klickraten-Koeffizient(X)

Für die zweite Position müsste man die Gebote also mit dem Faktor 0,5 multiplizieren:

A bietet 10 Cent pro Impression auf der zweiten Position

B bietet 30 Cent pro Impression auf der zweiten Position

Betrachtet man die möglichen Anzeigenreihenfolgen, so sieht man schnell, welche für Google optimal ist. In diesem Fall gibt es nur die folgenden beiden:

A auf Position 1 (Gebot: 20 Cent) und B auf Position 2 (Gebot: 30 Cent) führen zu einem Gesamtgebot für diese Impressionen von 50 Cent

B auf Position 1 (Gebot: 60 Cent) und A auf Position 2 (Gebot: 10 Cent) führen zu einem Gesamtgebot für diese Impressionen von 70 Cent

Letztere Kombination stellt das höchste und damit gewinnmaximierende “Gesamt-Impressionen-Gebot” dar. Das Aufstellen aller Kombinationen ist allerdings gar nicht notwendig: Die optimale Reihenfolge ist stets die der Impressions-Gebote für die erste Position (in diesem Fall als: erst die Anzeige mit den 60 Cent, dann die mit den 20 Cent).

Vergleicht man dieses Vorgehen mit der Anzeigenauktion, dann sieht man sehr schnell, wo der Qualitätsfaktor stecken muss:

Offizielle Anzeigenauktion: Reihenfolge ergibt sich aus Gebot * Qualitätsfaktor

Optimale Anzeigenauktion: Reihenfolge ergibt sich aus Gebot * positionsbereinigte Klickrate

In Gleichungen ausgedrückt: Aus

Offizielle Anzeigenauktion = Optimale Anzeigenauktion

folgt

Qualitätsfaktor = positionsbereinigte Klickrate.

Kann das stimmen?

Um es kurz zu machen: Ja, das stimmt. Allerdings fehlt noch ein entscheidender Baustein. Die endgültige Auflösung gibt’s im nächsten Post.

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