Archiv für die 'SEM' Kategorie

Bulk-Implementierung: Embedded modified Broad Match

Donnerstag 19. August 2010 von Martin

Im Agentur-Newsletter hat Google gestern einen Broad Match Modifier Bulk Implementation Guide herumgeschickt. Darin stand, wie man alle Phrase-Match-Keywords kopiert und als modifiziertes Broad Match einfügt.

Das Resultat: Jedem Phrase Match wird ein modifiziertes Broad Match zur Seite gestellt. Bei Suchanfragen, auf die das Phrase Match passen würde, würde dann auch das modifizierte Broad Match passen. Die modifizierten Broad-Match-Keywords würden also auch Suchanfragen abbekommen, die ansonsten das restriktivere Phrase-Match-Keyword bekommen hätte. Dieser Effekt wird noch verstärkt, wenn das Gebot des Broad-Match-Keywords angehoben wird (kann im Zusammenhang mit automatisiertem Bid Management bei frühen Conversions schnell passiert sein). So wird eine genaue Auswertung und Steuerung der Keywords erschwert.

Die Lösung des Problems ist das sog. Embedded Match. Dabei kopiert man eine Anzeigengruppe mit Phrase Matches und stellt die Phrase Matches auf modifizierte Broad Matches um. Anschließend fügt man die Phrase Matches als ausschließende Keywords hinzu. Ergebnis: Die neue Anzeigengruppe wird nur noch bei Broad-Match-Suchanfragen aktiv.

Auch diese Umstellung lässt sich im Bulk-Verfahren für beliebig viele Anzeigengruppen durchführen, ist aber etwas umfangreicher.

Bulk Implementierung: Embedded modified Broad Match

Benötigt werden auch hierfür der AdWords-Editor und Excel oder ein vergleichbares Tabellenkalkulationsprogramm.

Zuerst müssen die neuen Anzeigengruppen erstellt werden. Die neuen Anzeigengruppen heißen wie die alten plus den Zusatz “_Broad”.

  1. Gewünschte Anzeigengruppen im AdWords-Editor markieren, dann Rechte Maustaste und “Shell der Anzeigengruppe kopieren”.
  2. Das Ganze in eine Excel-Tabelle kopieren
  3. In Spalte B sollte jetzt die Ad Group stehen. Rechts daneben eine neue Spalte einfügen.
  4. In Zelle C2: =VERKETTEN(B2;”_Broad”). Anschließend diese Formel in alle darunterstehenden Zellen kopieren.
  5. Die neuen Zellen kopieren und anschließend mit Rechtsklick, Inhalte Einfügen, Werte über die alten Werte in Spalte B kopieren.
  6. Spalte C löschen.
  7. Alles kopieren und im AdWords-Editor mit “Mehrere Anzeigengruppen hinzufügen/aktualisieren” einfügen. Oben links den Haken nicht vergessen(“Die Informationen … schließen eine Spalte für Kampagnennamen ein”).

Anschließend müssen die Anzeigen und bestehende ausschließende Keywords kopiert werden. Das funktioniert fast genauso: Kopieren kann man diesmal ganz normal, in Excel dann wieder die Namen der Ad Groups anpassen und zurückkopieren.

Zuletzt kommen die Keywords:

  1. Alle Keywords der gewünschten Anzeigengruppen aus dem AdWords-Editor in eine Excel-Tabelle kopieren
  2. Benötigt werden nur die Spalte A-E, sowie H und K (Destination URL und Keyword Status). Alle übrigen Spalten sollten entfernt werden.
  3. Zur besseren Übersicht lassen wir Spalte H frei und füllen die folgenden Felder aus, um die modifizierten Broad Matches zu setzen:
    I2: =A2
    J2: =VERKETTEN(B2;”_Broad”)
    K2: =VERKETTEN(“+”;WECHSELN(C2;” “;” +”))
    L2: Broad
    M2: =E2
    N2: =F2
    O2: =G2
  4. Spalte P lassen wir ebenfalls frei und füllen die folgenden Spalten aus, um die ausschließenden Keywords aufzunehmen:
    Q2: =A2
    R2: =VERKETTEN(B2;”_Broad”)
    S2: =VERKETTEN(“-”;C2)
    T2: Phrase
    U2: =E2
    V2: =F2
    W2: =G2
  5. Die zweite Zeile kann nun für die Spalten I bis W nach unten kopiert werden
  6. Zurück im AdWords-Editor bei den Keywords auf “Mehrere Änderungen vornehmen” und “Mehrere Keywords hinzufügen/aktualisieren” klicken. Wieder oben links den Haken setzten. Den Inhalt der Spalten I bis O hineinkopieren und dann die Spalten Q bis W direkt darunter.
  7. Falls in den Anzeigengruppen zuvor mehrere Matching-Typen waren, bekommt man nun die Meldung, dass einige doppelte Keywords nicht berücksichtigt werden.

Wenn alles geklappt hat, kann das Ergebnis nun hochgeladen werden.

Kategorie: SEM | Keine Kommentare »

Auto-optimierter CPC für AdWords

Dienstag 17. August 2010 von Martin

Google hat ein neues AdWords Feature vorgestellt: Mit der Einstellung Auto-optimierter CPC, oder Enhanced CPC, kann man Google erlauben, die eingestellten CPC-Gebote zu modifizieren, um Conversion-Ziele besser zu erreichen. Dazu berechnet Google auf Grundlage der bereits vorhandenen Conversion-Daten, mit welcher Wahrscheinlichkeit eine Suchanfrage zu einer Conversion führen wird. Das CPC-Gebot wird dann entsprechend erhöht (maximal um 30 %) oder gesenkt. So sollen Advertiser mehr Conversions bekommen während die Kosten pro Conversion stabil bleiben oder sinken. Eine kurze Einführung gibt das folgende Video:

Die Einstellung kann in den Kampagneneinstellungen unter Gebote und Budget aktiviert werden. Sie ist auch für deutsche Konten schon verfügbar.

AdWords Enhanced CPC

Da auto-optimierte CPCs auf den eingestellten CPC-Geboten basieren und diese von Fall zu Fall anpassen, sind sie mit anderen Bid-Management-Systemen kompatibel.

Vorteil: Datenbasis

Bei der Auto-Optimierung von CPCs greift Google auf Daten zurück, die Bid-Management-Systeme nicht oder nur schwer berücksichtigen können. Dazu zählt vor allem die Berücksichtigung von konkreten Suchanfragen anstatt von Keywords. Als Beispiele für weitere Faktoren werden historische Daten von Websites im Such- und Content-Netzwerk genannt, auf denen die Anzeigen erscheinen. Außerdem der Aufenthaltsort des Benutzers, Spracheinstellungen, Browser und Betriebssystem. Übersetzt könnte das heißen, dass man alles an Daten berücksichtigt, was man hat. Klar ist, dass Google hier eindeutig die größte Datenbasis zur Verfügung hat. Der Flaschenhals sind dann aber möglicherweise die Conversion-Daten.

Denn Google muss seine Daten noch mit Conversion-Daten kombinieren, um individuelle Keywords bewerten zu können. Selbst wenn Google keine Mindestanzahl von Conversions voraussetzt: Auch der beste Algorithmus muss erst mal lernen, welche Suchanfragen funktionieren, bevor in dieser Richtung Anpassungen vorgenommen werden können. Wer tausend Conversions im Monat erzielt wird also mehr von den Anpassungen haben als jemand, der zehn hat.

Denkbar ist übrigens auch, dass Google benutzerspezifische Daten mit einfließen lässt. Hat Nutzer X schon oft nach Thema Y gesucht und bei ähnlichen Anbietern mehrfach Conversions erzeugt, so könnte Google dies als Signal werten, dass Suchanfragen von X nach Y besonders oft zu Conversions führen. Das ist allerdings nur ein persönliches Gedankenspiel…

Nachteile: Kontrollverlust, Zielkonflikt

Wer die Option Enhanced CPC setzt, kann also von Googles Datenbasis profitieren. Man sollte sich allerdings im Klaren darüber sein, dass Google dann das letzte Wort bei der Gebotshöhe hat. Auch ist nicht ganz klar, woran sich Google bei der Gebotsanpassung orientiert und welche Ziele eigentlich angestrebt werden. Mehr Conversions bei stabilen oder gesenkten Kosten pro Conversion klingt zwar erst mal gut, ist aber auch nur möglich, wenn ausreichend Raum für Verbesserungen da ist.

Die größte Praxishürde sehe ich darin, dass bei den auto-optimierten CPCs nur Conversions berücksichtigt werden. Umsätze bleiben damit außen vor. Daher könnte der Einsatz von Enhanced CPCs durchaus kontraproduktiv sein. Dann nämlich, wenn Keywords mit geringen Umsätzen billigere Conversions generieren und Gebote zulasten von Keywords mit höheren Umsätzen verändert werden – eine klare Fehlsteuerung. Wer also auf Umsatz bzw. ROI abzielt, sollte besser auf Enhanced CPCs verzichten.

Ich denke, wir werden der neuen Option wohl eine Chance geben. In deutschen Accounts dürfte es bis zur Verfügbarkeit der ACE-Testumgebung aber noch schwer sein, Veränderungen zu erfassen.

Kategorie: SEM | 5 Kommentare »

Neue AdWords-Markenrichtlinien

Mittwoch 4. August 2010 von Martin

Die nächste große Ankündigung zu Google AdWords kam heute Morgen herein: Am 14. September treten neue AdWords-Markenrichtlinien für Europa in Kraft. Dann wird es möglich sein, auch fremde Markenbegriffe als Keywords einzubuchen und dafür Werbung zu schalten. Bisher ist das nur möglich, wenn der Inhaber einer Marke diese noch nicht beansprucht hat oder aber seine ausdrückliche Zustimmung zu deren Verwendung durch einen Werbetreibenden gegeben hat.

Keine Änderung ergibt sich bei der Verwendung von Markenbegriffen in Anzeigentexten. Hierfür ist weiterhin die Zustimmung des Markeninhabers notwendig.

Konsequenzen für Werbetreibende

Werbetreibende, die bisher nicht auf Markenbegriffe bieten konnten, können das ab dem 14.9. tun. Dadurch haben sie potenziell Zugriff auf Kunden, die sie vorher nicht erreichen konnten – insbesondere mit Blick auf das Weihnachtsgeschäft eine spannende Sache. Bestehende Kampagnen sollten daher um die entsprechenden Keywords ergänzt werden.

Nachtrag: Wie Christoph in den Kommentaren anmerkt, ist die neue Regelung für Werbetreibende jedoch kein Freibrief, da diese dennoch eine Markenrechtsverletzung begehen können, wenn sie mit ihrer Anzeige den Eindruck erwecken, zum Markeninhaber zu gehören. Hier besteht einerseits die Möglichkeit, dass sich Markeninhaber bei Google beschweren, um die betreffenden Anzeigen entfernen zu lassen. Die Möglichkeit, rechtlich dagegen vorzugehen, bleibt davon jedoch unberührt. Mehr dazu im AdWords Hilfeforum…

Konsequenzen für Markeninhaber

Für die Inhaber der Marken, aber auch für Werbetreibende, die vorher eine explizite Freigabe für Markenbegriffe hatten, bedeutet die Neuerung in vielen Fällen mehr Wettbewerb und dadurch auch höhere Klickpreise.

Dennoch behalten Markeninhaber einen wichtigen Vorteil auf ihrer Seite: Sie können weiterhin exklusiv festlegen, wer ihre Markenbegriffe in Anzeigentexten verwenden darf. Dadurch können sie nicht nur relevantere Anzeigen mit höheren Klickraten schalten, sondern auch noch Kostenvorteile gegenüber anderen Werbetreibenden erlangen. Der Grund hierfür liegt im AdWords-Qualitätsfaktor, der hauptsächlich von der Klickrate einer Anzeige abhängt. Der Qualitätsfaktor spielt bei der Vergabe der Anzeigenplätze und der Berechnung der Klickpreise eine Rolle. Vereinfacht ausgedrückt sinkt der Klickpreis für eine bestimmte Position, wenn der Qualitätsfaktor steigt. Da die Markeninhaber also passendere Anzeigen schalten können, erreichen sie auch höhere Qualitätsfaktoren, welche ihnen Kostenvorteile gegenüber anderen Werbetreibenden verschaffen.

Für Markeninhaber bedeutet das also mehr Wettbewerb, aber sie behalten immerhin einen Vorsprung vor nicht autorisierten Werbetreibenden.

Für uns als Agentur bedeutet das nun, dass wir unsere Kunden durchgehen und für jeden prüfen, welche Konsequenzen die Änderung haben wird. In vielen Fällen werden unsere Kunden davon profitieren, so dass erst mal eine Menge Arbeit auf uns zukommt. Deshalb bin ich ganz dankbar dafür, dass die neuen Markenrichtlinien erst in sechs Wochen in Kraft treten…

Kategorie: SEM | 8 Kommentare »

Modifiziertes Broad Match verfügbar

Donnerstag 15. Juli 2010 von Martin

Das ging schnell: AdWords hat das Modified Broad Match nun auch weltweit eingeführt. Das bedeutet, dass man nun Keywords mit der Option Broad Match (dt. weitgehend passende Übereinstimmung) mit Modifikatoren ausrüsten kann, welche die Übereinstimmung wieder etwas einschränken. Damit wird ein Mittelweg zwischen den Optionen Phrase Match (dt. Wortgruppe) und Broad Match verfügbar. Warum das wichtig ist, wie das genau funktioniert und was das für Konsequenzen hat, habe ich in diesem Beitrag beschrieben. Die folgende Grafik demonstriert außerdem noch mal den Zusammenhang der Matching-Arten.

Für uns bedeutet das jetzt erst mal viel Arbeit. Denn die neue Option bietet zu viel Potenzial, um es ungenutzt zu lassen. Das gilt vor allem für Kampagnen, bei denen bisher auf Broad Match verzichtet wurde. Prinzipiell kann man hier die Phrase Matches um entsprechende modifizierte Broad Matches ergänzen, um zusätzliche Wortstellungen, Füllwörter und Fehlschreibungen mitzunehmen.

Ein ganz grober Ansatz wäre, wirklich alle Phrase-Matches zu kopieren, vor jedes Wort ein Pluszeichen zu schreiben und alles als modifiziertes Broad Match einzubuchen. Das lässt sich mithilfe von Excel und dem AdWords-Editor auch problemlos in fünf Minuten für Konten beliebiger Größe umsetzen. Das Problem dabei ist allerdings, dass man sich die Konten dadurch auch ein Stück weit zumüllt. Denn das modifizierte Broad Match vereint eine ganze Reihe von Phrase Matches auf sich: Singular und Plural, Wortstellungen, Fehlschreibungen, Füllwörter, … Am Ende hat man also viele Keywords, wo eigentlich eins gereicht hätte. Das muss nicht schaden, aber ich habe es eigentlich lieber übersichtlich.

Ein Problem ist sicher auch, dass noch nicht ganz klar ist, wie sich das modifizierte Broad Match in der Praxis schlägt. Was passiert z.B. mit Zahlen oder Fragmenten wie im Keyword “+acer +aspire +5740g” – passt dies auch auf die Suchanfragen “acer aspire 5740″ und “acer aspire 5741g”? Klar ist jedenfalls, dass man nach einer Umstellung von Phrase auf Modified Broad die Suchanfragen wieder öfters auswerten sollte, um ggf. gegensteuern zu können.

Klar ist auch die Empfehlung, das neue modifizierte Broad Match ausgiebig zu nutzen. Für den Moment bedeutet dies sicher einen Mehraufwand für den Einbau. Mittelfristig dürfte es uns aber das Leben erleichtern – beim Aufbau neuer Kampagnen sogar radikal.

Kategorie: SEM | 3 Kommentare »

AdWords Keyword-Diagnose

Mittwoch 7. Juli 2010 von Martin

Eine kleine Neuerung in AdWords erfreut gerade mein Herz: Man kann jetzt eine Keyword-Diagnose durchführen, die aufzeigt, ob Keywords auch tatsächlich geschaltet werden. Dazu klickt man auf der Keywords-Registerkarte auf Weitere Aktionen und dann auf Keywords diagnostizieren.

Keyword-Diagnose

Anschließend wählt man Domain (z.B. www.google.de), Sprache und Standort (Land, optional auch Bundesland oder gar Stadt) und lässt den Test laufen.

Keyword-Diagnose 2

Je nach Anzahl der Keywords dauert es nun einen Moment, danach sieht man die Ergebnisse in der Status-Spalte. Dort steht im Idealfall immer “Anzeige wird jetzt geschaltet”, manchmal aber so etwas wie “Freigabeproblem” oder “Wird nicht geschaltet (sonstige)”. Die Ergebnisse lassen sich auch noch filtern, um beispielsweise die Diagnosen “geringes Suchvolumen” oder “unter dem Gebot für die erste Seite” gar nicht erst angezeigt zu bekommen.

Im Inside-AdWords-Blog wurde das Tool zwar in der Kategorie Anfänger abgelegt, ich merke aber, dass es sich auch wunderbar für große Kampagnen verwenden lässt. Denn hiermit lassen sich problemlos tausende von Keywords auf einmal analysieren – dauert etwas länger, funktioniert aber tadellos. Dann sortiert man einfach nach der Status-Spalte und sieht sofort, wo es noch Probleme gibt. So habe ich eben bei einem Kunden unter tausenden von Keywords zwei Stück gefunden, die von ausschließenden Keywords blockiert wurden.

Mein Tipp: Einfach mal für alle Keywords eine Diagnose laufen lassen und gucken, was dabei heraus kommt. Dadurch kann man auf eine Menge von Dingen aufmerksam werden, darunter markenrechtlich geschützte Begriffe, fehlende Anzeigen, sich überschneidende Keywords oder Keywords, die eigentlich ausgeschlossen sind. Das sollten alles nur Kleinigkeiten sein, aber es hilft, auch große Konten weiter zu perfektionieren.

Kategorie: SEM | Keine Kommentare »

Bewertungen aus der Produktsuche jetzt auch bei AdWords

Donnerstag 1. Juli 2010 von Markus

Wer bei Google.com (nicht Google.de) sucht, findet seit einigen Tagen dort manchmal auch Ratings der Shops. Hier ein Beispiel:

Bild

Hier werden die Shops Zalando.de, Shoes.com und Nordstrom.com jeweils mit Sternchen versehen. Der “rated”-Link zeigt dabei auf die Rating-Seite aus der Google Produktsuche – dieselbe Seite, die man in der Google Produktsuche auch erreicht, wenn man dort auf die Sternchen klickt:

Bild

Google hat die AdWords-Erweiterung Seller Rating Extensions getauft. In Deutschland gibt es das derzeit noch nicht. Wenn man dort AdWords von Zalando sucht, gibt es dort keine Sternchen – bei der Suche in Google.com (siehe oben) aber schon.

Woher kommen die Bewertungen?

Darüber haben wir schon mal was geschrieben. Die Bewertungen stammen von externen Plattformen, z.B. Trusted Shops.

Interessant ist dabei, dass Google nur Bewertungen zu übernehmen scheint, die auch einen Text haben. Auch scheint Google keine Bewertungen zu importieren, die älter als Februar 2010 sind.

Es gibt auch gewisse Mindestanforderungen, damit Google das Rating anzeigt: Ein Shop muss mindestens ein Rating von 4.0 haben und zudem über 30 Bewertungen verfügen (wie gesagt: Es zählen nur textliche Bewertungen).

Was empfehlen wir?

Seller Rating Extensions finde ich spannend, weil man damit wahrscheinlich einen gewissen Vorteil gegenüber anderen Werbetreibenden erlangen kann. Wer Sternchen hat, dürfte wohl auch auf einer niedrigeren Positionen attraktiver werden und damit eine höhere Click-Rate und in der Folge auch einen besseren Quality Score bekommen.

Grundsätzlich würde ich daher das Folgende empfehlen:

  1. Wer seine Shop-Kunden noch nicht dazu motiviert, Bewertungen für den Shop abzugeben, sollte das ändern.
  2. Wer Bewertungen abgeben lässt, sollte dazu Plattformen nutzen, die Google auch honoriert.
  3. Bewertungen sollten auch einen Text haben. Shop-Betreiber sollten also jeden Einfluss ausüben, den sie haben, damit Kunden eben auch einen Text schreiben.
  4. Das Review Management ist wichtiger denn je. Man sollte sich also gezielt um negative Bewertungen kümmern.
  5. Prinzipiell hat jeder Shop-Betreiber ja ein Interesse an möglichst positiven Bewertungen. Da die meisten Bewertungen auf dem Wege zustandekommen, dass Kunden nach Bestellung und Erhalt der Ware ein Link zum Bewerten zugeschickt wird, kann man hier ja durchaus selektiv vorgehen. So könnte man z.B. den Link nur an Kunden schicken, an die die Ware auch am Tag der Bestellung rausgegangen ist. So wird man tendenziell weniger Bewertungen generieren, in denen sich Kunden über Lieferverzögerungen beschweren.
  6. Und schlussendlich ist das natürlich eine Motivation, sich mit den (zu Recht ergangenen) Kritikpunkten auseinanderzusetzen. Manchmal tut’s ja schon ein Päckchen Gummibärchen im Paket (aber bitte nur helal-/halal-konforme, wenn man an muslimische Kunden schickt).

Ich weiß nicht, wann das Feature auch bei Google.de verfügbar sein wird. Aber so bleibt einem wenigstens Zeit, sich darauf vorzubereiten. (Unsere Kunden sind seit gestern jedenfalls richtig fleißig…)

Kategorie: SEM | 2 Kommentare »

Ad Sitelinks für alle!

Freitag 25. Juni 2010 von Martin

Google hat gerade verkündet, dass Ad Sitelinks (die bis zu vier zusätzlichen Links unter einer AdWords-Anzeige) nun für alle Kampagnen verfügbar sind. Konkret heißt das erstmal nur, dass die Einstellmöglichkeit nun für jede Kampagne unter dem Tab Anzeigenerweiterungen verfügbar ist. Ob am Ende auch tatsächlich Sitelinks angezeigt werden, entscheidet nach wie vor Google. Neu ist auch das einzeilige Format, welches Google nun für einige Sitelinks verwendet.

Nach wie vor gilt: Damit Sitelinks angezeigt werden, muss die Anzeige besonders gut zur Suchanfrage passen und in der Vergangenheit außergewöhnliche Klickraten hervorgebracht haben. Früher hieß das, dass man fast nur für die Suche nach der eigene Marke Sitelinks erhalten konnte – und sowieso nur für den ersten Premium-Anzeigenplatz. Nun scheint diese Regel etwas gelockert worden zu sein, wie der folgende Screenshot zeigt:

AdWords Ad Sitelinks

In diesem Beispiel existieren zwei Websites, deren Anzeigen extrem gut auf die Suchanfrage passen. Die erste enthält die alten Premium-Sitelinks im 2×2-Format, die zweite die einzeiligen Sitelinks. Was man vielleicht erst auf den zweiten Blick sieht: Die neuen einzeiligen Sitelinks sind nicht mehr in ein Spaltenraster einsortiert, sondern nur noch durch Gedankenstriche getrennt. Eigentlich dürfen Sitelinks bis zu 35 Zeichen umfassen, allerdings sieht man hier, was dann passieren kann: Es passen nicht mehr alle vier Sitelinks in die Zeile – und eine zweite Zeile gibt’s nicht. Konsequenz: Wer alle vier Sitelinks haben möchte, sollte sich kurz fassen – weniger ist mehr.

Die Anforderungen für Sitelinks sind allerdings noch weiter gesunken als der Screenshot nahe legt: Inzwischen können auch Anzeigen für Keywords abseits von der eigenen Marke mit Sitelinks ausgestattet werden. Ich habe das eben schon bei Kunden eingerichtet und gleich für generische Suchbegriffe Sitelinks bekommen. Dabei muss es nicht mal Qualitätsfaktor 10 sein: Sogar ein Siebener-Keyword bekam anstandslos seinen Sitelinks-Einzeiler. Alle Anzeigen waren dabei auf Premium-Positionen, die Gebote waren aber nicht außergewöhnlich hoch.

Fazit: Google hat die Verfügbarkeit und den Einsatz von Ad Sitelinks gerade dramatisch ausgeweitet. Dabei ist diese Neuerung noch so frisch, dass sie hierzulande kaum jemand bewusst einsetzt. Stattdessen sehen wir gerade Sitelinks, die eigentlich für die Eigenmarken-Keywords gedacht sind. Der folgende Screenshot zeigt, warum das ein Problem sein kann:

AdWords Ad Sitelinks 2

Wie unschwer zu erkennen ist, wurde nach dem Begriff “dvd” gesucht. Die Sitelinks passen allerdings zur Suche nach den jeweiligen Eigennamen. Für jemanden, der nach DVDs gesucht hat, sind die Links nutzlos.

Zweites Fazit: Auf uns Kampagnen-Verwalter kommt eine Menge Arbeit zu, wenn wir die neuen Sitelinks optimal nutzen wollen. Wobei optimal eigentlich heißt, dass man sie sofort einbauen müsste, bevor die Konkurrenz am Montag aufsteht und nachzieht. Na, wer hat Samstagmorgen noch nichts vor?

Kategorie: SEM | 2 Kommentare »

SMX Advanced Seattle 2010: Amazing PPC Tactics

Donnerstag 17. Juni 2010 von Martin

Das letzte Panel der SMX Advanced war thematisch recht offen gehalten und wurde von Moderater Matt Van Wagner als “das Beste zum Schluss” angekündigt.

Den Anfang machte Aaron Putnam mit dem Thema How To Identify and Target Google’s Search Partners – es ging also um Googles Such-Werbenetzwerk. Er begann mit einem Zitat aus der AdWords-Hilfe: “Your ads may appear alongside or above search results, as part of a results page as a user navigates through a site’s directory, or on other relevant search pages.” Als oft genannte Beispiele nannte er z.B. die AOL-Suche, allerdings ist die Liste in der Realität sehr viel länger und umfasst hunderte weiterer Websites. Das Problem mit dem Such-Netzwerk sah er in mangelnder Transparenz und Kontrolle: Man kann einzelne Websites weder identifizieren, noch kann man sie gezielt bewerben oder ausschließen. Entweder, man schaltet überall die gleichen Anzeigen, oder eben nicht – alles oder nichts.

Eine Lösung gibt es aber dennoch. Voraussetzung dafür ist eine gute Datenbasis, sprich: Kampagnen, die schon länger im Such-Werbenetzwerk aktiv sind. Für diese lässt man sich Suchanfragenberichte generieren und sucht darin nach langen Suchanfragen, die absolut unnatürlich aussehen. Deutsches Beispiel: “möbel & wohnen glas & kristall” (für den Anfang einfach mal nach dem Kaufmanns-Und Ausschau halten). Diese Suchanfragen entsprechen meist der Rubrizierung einer Website im Such-Netzwerk. Sucht man damit bei Google, so findet man die passenden Seiten meistens recht schnell. Die Suchanfragen entsprechen oftmals der Breadcrumb-Navigation der gefundenen Seite.

Mit diesem Wissen können nun einzelne Websites des Such-Netzwerks gezielt gebucht werden: Man bucht einfach die zuvor gefundenen Keywords ein, wobei Keywords zu verschiedenen Websites in verschiedene AdGroups einsortiert werden. Danach kann man die AdGroups so behandeln, wie man es bei einer Ausrichtung auf Placements auch tun würde. Abschließend kam allerdings noch die Warnung: “Results may vary. Proceed with caution.”

Als nächstes kam von Lulu Gephart vom Outdoor-Ausrüster REI, die damit ihren dritten Vortrag auf der SMX ablieferte. Titel des Vortrags war “Stalking your Customers in the Wild” und es ging im Grunde darum, dass man mal aus dem Büro und vom Rechner weg geht, um Einblicke in Kundenbedürfnisse und Trends zu bekommen. Ihre Vorschläge waren also, mit Kunden zu sprechen, in die eigenen Geschäfte zu gehen, bei der Hotline mitzuhören und sich mit Kollegen zu unterhalten. Interessante Anekdote: Eine Kundin wollte nicht auf eine Anzeige klicken, weil die Anzeige-URL auf die Homepage zu führen schien.

Der Vortrag von Dan Soha trug den Titel “Dealing with Google” und begann mit dem Thema Double-Serving, also dem mehrfachen Schalten von Anzeigen eines Werbetreibenden. Das ist zwar offiziell nicht oder nur in Ausnahmefällen erlaubt, wird laut Dan von großen Advertisern regelmäßig betrieben und von Google auch erlaubt. Dazu werden verschiedene Websites verwendet, deren Content zu “80%” identisch sein darf. Dan war nun der Meinung, man solle auch viele URLs (Domains) kaufen und bewerben. Niemand wolle das, aber man müsse es eben so machen, denn die anderen würden es auf jeden Fall tun.

Wenn man schon mehrere Domains einsetzt, dann kann man natürlich auch gleich solche nehmen, die auf die eingebuchten Keywords passen. Dadurch, dass diese dann fett markiert werden, steigt die Klickrate deutlich an – auf den unteren Positionen kann sie schon mal vierfach so hoch sein wie üblich. Man bekommt also die Klickrate einer hohen Position zum Preis einer niedrigeren Position.

Nun sind Keyword-Domains rar – macht aber nichts, denn man möchte ja nur, dass die URL fett markiert wird. Das ist bei Google der Fall, wenn ein Wort in der URL auf ein Wort in der Suchanfrage passt. Als Domain kommt also zum Beispiel auch wwwkeyword.de – ohne Punkt nach dem www – in Frage. Bei Yahoo ist die Sache noch einfacher, weil da alle URLs fett geschrieben werden. Hier kann man sich z.B. zunutze machen, dass ein kleines L und ein großes i oft nicht voneinander zu unterscheiden sind. Beispiel: oniinedegrees kaufen und dann das erste i groß schreiben.

Thema Nummer 2 des Vortrags: Wie startet man einen neuen Account bei Google? Dan zufolge muss man den erst mal einfahren, indem man zu Beginn strikt den Regeln folgt und eine hohe Klickrate erreicht. Dazu soll man extrem hoch bieten und auch erst mal ordentlich Geld verbrennen. Sein Beispiel: Ein Sale bringt zehn Dollar, er bietet pro Klick schon zwölf. Wenn man zu Beginn nicht viel Geld verliere, dann biete man nicht hoch genug. Gleichzeitig soll man aber nur auf solche Keywords abzielen, für die man auch tatsächlich eine hohe Klickrate erzielen kann – am besten solche, die nahe am eigenen Domainnamen sind. Um die Verluste einzuschränken, kann man sich auch auf die am besten konvertierenden Keywords beschränken, z.B. “buy xyz”. Außerdem soll man die Kampagne geographisch einschränken.

Weiter ging es mit ein paar Grundlagen zum Bid Management mit Excel. Interessant war sein Vorschlag, hier auch auf den Werbezeitplaner zurückzugreifen. Darin lassen sich ja eigentlich für bestimmte Tage oder Tageszeiten höhere oder niedrigere Gebote einstellen. Sein Vorschlag war nun, das Feature global zu nutzen, um alle Gebote zu erhöhen oder zu senken, indem man einfach zu allen Zeiten das Gebot z.B. auf 125 % setzt – Dayparting ohne Dayparting, sozusagen.

Letzter Vorschlag: Einen Suchanfragenbericht herunterladen, alle Keywords identifizieren, die nicht im Account sind, diese mit Geboten versehen und per AdWords-Editor wieder hochladen. Resultat: Ein deutlich breiter aufgestellter Account mit verfeinerten Geboten, der per Definition besser optimiert ist.

Der letzte Vortrag im Paid Search Panel kam von Michael Behrens und drehte sich um den Bid Simulator, Excel und Keyword-Portfolios. Insbesondere ging es um zwei Fragen: Was bekommt man für X Dollar zusätzliches Budget und woher weiß man, dass man das meiste aus dem Geld herausholt?

Michaels Ansatz bestand darin, den Bid Simulator für alle Keywords im Portfolio aufzurufen und die Inhalte der Fenster ins Notepad zu kopieren. Wenn für alle wichtigen Keywords die Daten kopiert sind, dann wird das Ganze weiter nach Excel kopiert und aufgeräumt. In Excel macht man dann für jedes Keyword ein Chart und fügt eine Trendlinie (Potenzregression) hinzu. Der Sinn dahinter: Bei der Trendlinie kann man sich die zugehörige Formel im Diagramm anzeigen lassen. Die Formel gibt den Zusammenhang zwischen Klicks und Kosten in der Form “Kosten = a mal Klicks hoch b” wieder. Die Regressionskoeffizienten a und b werden also notiert – das alles für jedes Keyword.

Für jedes Keyword stellt man dann die Regressionskoeffizienten, die Maximalzahl der Klicks laut Bid Simulator, die Conversion-Rate, die Zahl der Klicks sowie die Kosten (ergeben sich aus den Klicks und den ermittelten Koeffizienten) und die Conversions (ergeben sich aus Klicks und Conversion-Rate). Dann lässt man den Excel Solver auf die Sache los. Der Solver ist ein kleines Excel-Addon, das Optimierungsprobleme lösen kann. Im Prinzip sagt man dem Solver, was er variieren darf (die Zahl der Klicks) und welche Nebenbedinungen er einhalten muss (Budget darf nicht überschritten werden, keine Klickzahl darf die Maximalzahl der Klicks überschreiten). Optimierungsziel: So viele Conversions wie möglich.

Heraus kommt für jedes Keyword die vermeintlich optimale Klickzahl, die man dann noch in Gebote zurückübersetzen muss. Es lässt sich außerdem eine Prognose abgeben, wie viele Conversions für ein bestimmtes Budget möglich sind.

Die Ergebnisse des Verfahrens werden natürlich besser, je mehr Keywords dabei miteinbezogen werden. Bei Excel ist allerdings, so Michael, bei ca. 100 Keywords Schluss. Auch lässt sich das Verfahren verbessern, etwa durch Verwendung der Google API, um automatisiert Daten für den Bid Simulator abzufragen.

Die Vortragsfolien mitsamt Anhang, der Details zum Verfahren mit Copy-Paste, Trendlinie und Solver enthält, gibt’s im Blog von Webmetro.

Damit waren die Vorträge durch und es folgte die letzte Fragerunde der SMX. Q&A-Moderator Dennis Yu ging mit dem Mikro im Auditorium rum, während die Zuhörer größtenteils schon am Einpacken waren. Dann war die Fragerunde wohl durch und alle warteten nur noch darauf, nach Hause aufbrechen zu dürfen, als Dennis sagte, er habe auch noch einen Tipp für die Amazing PPC Tactics.

Er erzählte dann etwas von schlecht laufenden Accounts mit miesen Quality Scores, und dass er einen Trick gefunden hätte, wie man die wieder hochziehen könne. Der Trick bestand darin, die Brand-Anzeige eines eCommerce-Riesen zu kopieren und für dessen Namen zu schalten. Die Klicks dafür seien extrem billig und die Klickrate sehr hoch. Der Effekt würde die Qualitätsfaktoren des ganzen Kontos zeitlich versetzt nach oben ziehen. Und die ganze Sache seie ja nicht illegal und man würde überhaupt auch nichts falsches tun. Man solle es als kleine Steuer für einen besseren Quality Score ansehen. Ob das nicht der “best PPC trick ever” sei, fragte er.

Ich muss sagen, das klingt erst mal total verlockend, aber auch riskant, vor allem auf dem deutschen Markt mit deutscher Rechtslage. Allerdings habe ich auch noch etwas Recherche zu besagtem Q&A-Moderator betrieben. Das Ergebnis lässt mich daran zweifeln, dass der Trick tatsächlich funktioniert. Insbesondere der Effekt, dass eine gute Performance eines Keywords ein ganzes Konto nennenswert “hochziehen” kann, erscheint mir nicht schlüssig. Mein Rat: Finger weg!

Fazit: Das letzte Panel war insgesamt sehr interessant. Allerdings bleibt es für die meisten Dinge dabei – interessant, aber für die Praxis wenig relevant. Überhaupt gab es in diesem Panel viele Tipps und Tricks, die auch einiges an Kosten und Risiko mit sich brachten, also nicht ohne Weiteres zur Nachahmung zu empfehlen sind.

Kategorie: SEM | Keine Kommentare »

SMX Advanced Seattle 2010: Demystifying Search Data

Dienstag 15. Juni 2010 von Martin

Mein sechstes SMX-Panel war ausnahmsweise nicht im offiziellen Paid Search Track, sondern ein gesponsertes Panel von Efficient Frontier. Der Grund dafür war ganz einfach: Dr. Siddharth Shah, Director of Business Analytics bei Efficient Frontier hatte schon in zwei Panels zuvor faszinierende Einblicke geliefert und sich eine kleine Fangemeinde erarbeitet. Eigenen Angaben zufolge verwaltet Efficient Frontier etwa 900 Millionen Dollar Pay-per-Click-Budget für 80 Millionen Keywords – den Analysen liegt also eine kräftige Datenbasis zugrunde.

Moderiert wurde das Panel von Tom Shin , dem VP of Sales, der Sid Shah vorstellte und ein paar Witze machte (“he works with models all day”). Dann wurde Sid auf den “Hot Seat” gesetzt, sollte also mit Fragen gelöchert werden. Das ganze Drumherum war etwas seltsam, denn natürlich kannte Sid die Fragen und hatte einen Teil der Gags auch schon im Panel davor gebracht. Er wirkte zu Beginn auch etwas weniger locker – ich schätze, da musste er jetzt durch. Es folgte eine Reihe von Fragen, welche jeweils mit fundierten Analysen und Modellen beantwortet wurden.

Über Portfolio-Theorie hatte Sid schon im Panel davor gesprochen. Hier ging es vor allem darum, ein begrenztes Budget mit festem durchschnittlichen CPA-Ziel zu verwalten. Beispiel: Eine Conversion soll im Durchschnitt nicht mehr als zwei Dollar kosten. Jetzt kann man entweder alle Keywords einzeln auf dieses Ziel hin ausrichten, oder man baut sein Portfolio so auf, dass das Ziel eben nur im Durchschnitt erreicht wird. Angenommen, es gibt pro Keyword acht mögliche Gebote und eine Kampagne hat zwei Keywords, dann gibt es bereits 8² = 256 mögliche Kombinationen. Bei drei Keywords sind es schon 8³ = 2048, bei hunderten oder tausenden von Keywords wird die Zahl entsprechend groß. Es ergeben sich also riesige Mengen von Kombinationen, von denen einige die anderen klar dominieren und somit die Effizienzlinie bilden – den Efficient Frontier. Wer sich für das Thema näher interessiert, dem empfehle ich das passende Whitepaper.

Ganz kurz behandelt wurde die Frage, welches die wichtigste Einflussgröße für den Qualitätsfaktor ist. Dass das die Klickrate ist, war natürlich längst bekannt. Sid hatte aber noch ein paar Daten im Gepäck, die den Zusammenhang noch mal statistisch untermauerten (R² = 0,9053).

Wie geht man mit Long-Tail-Keywords um, wie sagt man deren Performance vorher? Hierzu gab es wenig Konkretes. In einen Modellierungs-Algortihmus fließen allerlei historische Daten ein. Außerdem wird ein Lernbudget reserviert, welches nach bestimmten Kriterien auf Keywords verteilt wird, um dafür weitere Daten zu sammeln. Etwas ausführlicher werden die Prinzipien (aber nicht die Details) in Sids neuesten Whitepaper The Tail Behind the Tail beschrieben, welches er auf der SMX verteilt hat.

Lohnen sich Anzeigen für die eigene Marke? Schließlich steht die eigene Website in den organischen Suchergebnissen sowieso schon an erste Stelle. Kurze Antwort: Ja. Sid hatte dazu einen Test gemacht. Demnach bleibt die Zahl der Klicks insgesamt gleich, egal ob mit oder ohne Anzeigen. Allerdings ist die Conversion-Rate bei gleichzeitiger Anzeigenschaltung deutlich höher.

Dazu wurden noch Forschungsergebnisse Sha Yang und Anindya Ghose (Stern School of Business, New York University) vorgestellt. Diese haben festgestellt, dass die erwarteten Profite bei der Kombination von Anzeigen und organischen Listings um 4,2 % bis 6,15 % höher liegen. Die größten Interdependenzen von organischen und bezahlten Listings sollen dabei für die eigene Marke ausgemacht worden sein; bei Produkt- oder generischen Suchbegriffen sei der Effekt schwächer. Im Paper selbst steht allerdings, dass der Effekt mit zunehmender Konkurrenz abnahm, was nur ungefähr das gleiche bedeutet. Hier gibt’s das Paper: Analyzing the Relationship Between Organic and Sponsored Search Advertising

Bereits in einem vorherigen Panel (Targeting The Search Funnel) hatte Sid die Bedeutung von Assists behandelt, wobei hier noch mal eine etwas speziellere Frage gestellt wurde: Führen generische Keywords zu Conversions bei Brand-Keywords? Hierzu wurde Sid noch mal erfrischend deutlich und stellte zunächst die herrschende Lehre vor. Demnach wird oft mit einem allgemeinen Suchbegriff angefangen, um dann, nach einiger Recherche, Schritt für Schritt zu immer spezielleren Suchbegriffen zu kommen, die am Ende konvertieren. Beispiel: “dvd player”, “sony dvd player”, “sony dvp sr100″, Kauf im Onlineshop. Die Daten unterstützten diese These laut Sid allerdings nicht. Er hatte 30.000+ Transaktionen untersucht und dabei festgestellt, dass nur 9 % überhaupt ein Assist vorausgegangen war. Nur 0,9 % begannen mit einem Suchbegriff ohne Marke und endeten in einem Suchbegriff mit Marke. Fazit: Assists sind gar nicht so wichtig und die herrschende Lehre liegt daneben. Interessante Nebenbemerkung von Sid: “Assisters” sind von der Tendenz eher Plural, “Transactors” eher Singular.

Dann ging es darum, welche Suchmaschine den besten ROI bietet. Da lag, Sid zufolge, Bing ganz klar vorn. Dabei hatte Bing im ersten Quartal 2009 noch gut den doppelten ROI verglichen mit Google, zuletzt lag Bing noch bei leicht über 120 %. Yahoo war jeweils weit hinter Google. Mit Schlussfolgerungen wäre ich persönlich aber vorsichtig.

Vorgestellt wurde auch noch ein kleines Sitelinks-Experiment. Für einen Blumenversender wurden Sitelinks geschaltet, die vor dem Valentinstag vier mal schneller konvertierten. Nach dem Valentinstag gab es diesen Unterschied nicht mehr.

Lohnt sich Dayparting, also das Setzen spezieller Gebote für bestimmte Tageszeiten? Kurze Antwort: Nein. Das Potenzial ist extrem gering, selbst wenn man die richtige Balance finden könnte. Die lange Antwort hat er in einem Artikel bei Search Engine Land gegeben.

Damit kam Sid vom “Hot Seat” und Tom sagte noch ein paar Worte zum Thema Display Advertising. Abschließend kam noch das Fazit, skeptisch gegenüber der herrschenden Lehrmeinung zu sein und immer eigene Schlüsse aus den eigenen Daten zu ziehen.

Fazit: Interessantes Panel mit einzigartigen Einblicken. Dabei lag der Fokus mehr auf Erkenntnissen, nicht auf Ideen, die man mal eben schnell ausprobieren kann. Insgesamt war es dank Sid Shah eher wissenschaftlich und mathematisch angehaucht – Aspekte, die im Performance-Marketing eigentlich stärker vertreten sein müssten.

Kategorie: SEM | Keine Kommentare »

SMX Advanced Seattle 2010: The Mad Scientists of Paid Search

Samstag 12. Juni 2010 von Martin

Das Bloofusion-Team ist inzwischen wieder vollzählig und ausgeschlafen in Deutschland. Die SMX ist vorbei, aber ich möchte noch vom zweiten Tag berichten. Der war etwas kürzer als der erste und umfasste neben der Keynote von Microsofts Yusuf Mehdi noch drei Panels pro Track. Hier das erste Panel im Paid Search Track:

The Mad Scientists of Paid Search

Twitter-Tag: #2b1 #smx

Das erste Paid Search Panel am zweiten Tag fing damit an, dass die Vortragenden in Laborkitteln auf die Bühne kamen – netter Gag. Der erste Vortrag war der von Addie Connor und behandelte die Auswirkungen von Verschiebungen auf Quality Scores. Sie berichtete von einem Kunden, der seine AdWords-Kampagnen auf über 100 zersplitterte Accounts aufgeteilt hatte. Ihr zufolge behauptet Google seit ca. einem Jahr, dass der Quality Score auch auf Domainbasis gespeichert wird. “Never assume that the engines know what they’re talking about”, das hatte sie sogar auf ihren Folien stehen. Also hat sie getestet, was passiert, wenn Anzeigengruppen umziehen: in neue Kampagnen, in bestehende Kampagnen und in neue Accounts. Ihr Fazit: Nur der Umzug in einen neuen Account bringt neue Quality Scores mit sich – soviel zum Domain Quality Score. Frische Accounts sind also weiterhin eine Möglichkeit, um von vorne anzufangen.

Als nächstes trat Wister Wolcott von Marin Software an und fragte, wer im Saal glaube, dass die Conversion-Rate auf den unteren Anzeigenpositionen höher sei, wer das gleiche von den oberen Positionen glaube und wer denkt, dass es keinen Unterschied mache. Die meisten schlossen sich der offiziellen Version von Google an: Es macht keinen Unterschied.

Wister stellte dann ein Experiment vor, in dem das statistisch untersucht wurde. Hypothese: Die unteren Positionen konvertieren besser. Die Slides erinnerten an die Statistik-Vorlesungen an der Uni und ich spare mir mal die Details. Er wusste jedenfalls, wovon er sprach und die Untersuchung ging weit über ein kleines Privatexperiment hinaus. Er bedauerte, dass er nur enttäuschende Ergebnisse dabei hatte: Die Conversion-Rate war bei 11 von 12 Kunden unabhängig von der Position. Nur beim zwölften Kunden gab es einen Zusammenhang, aber da konvertierten die höheren Positionen besser. Fazit: Googles Chefökonom Hal Varian sagt wohl die Wahrheit, dass es allgemein keinen Zusammenhang zwischen Position und Conversion-Rate gibt.

Die Folien gibt’s übrigens bei Marin Software zum freien Download.

Lulu Gephart vom Outdoor-Ausrüster REI stellte als nächstes die Ergebnisse ihrer Experimente mit dem Content-Netzwerk vor. Sie hat sich ihre Affiliates angesehen und solche herausgesucht, die auch AdSense eingebunden haben. Auf den entsprechenden Websites wurden dann Text- und Banneranzeigen geschaltet – mit erfreulichen Ergebnissen bei Traffic und Conversions.

Ihr zweites Experiment betraf die Einbuchung von Anzeigen auf CPC- oder CPM-Basis. Dabei hat sie ihre vorherigen CPM-Anzeigen durch CPC-Anzeigen ersetzt, um festzustellen, dass sie bei vergleichbaren Impressions und Umsätzen nur noch einen Bruchteil zahlt.

Den Abschluss machte wieder Siddharth Shah von Efficient Frontier. Er war wahrscheinlich der Redner, der mich von allen am meisten beeindruckt hat: Einerseits wegen seiner augenscheinlich wahnsinnig aussagekräftigen Analysen, andererseits wegen seiner mathematischen Herangehensweise. In diesem Panel sprach er über den Einsatz von Portfolio-Theorie bei Pay-per-Click-Kampagnen. Die Details lasse ich erst mal außen vor. Nur so viel: Der Vortrag war hochinteressant, aber eher akademischer Natur. Wenn man nicht gerade an seinem eigenen, hochkomplexen Bid-Management-System werkelt, wird man daraus leider kaum einen praktischen Nutzen ziehen können.

Kategorie: SEM | Keine Kommentare »