Ich rede zwar oft auf SEO-Konferenzen. Aber noch lieber sind mir manchmal Vorträge vor oder Workshops mit kleinen Unternehmen, die zwar SEO machen wollen, sich mangels Kapital aber entsprechende Mitarbeiter nicht einstellen können oder auch keine Agentur beauftragen können. Dabei fällt mir immer wieder auf, dass kleine Unternehmen – der Hotelbetreiber in Stadt X, die Homöopathin im Kaff Y, das 2-Mann-Beratungsunternehmen im Ort Y – eigentlich immer wieder dieselben Fehler machen. Und die will ich hier mal zusammenfassen.

Fehler #1: Nicht in Seiten denken

Google arbeitet nach wie vor seitenorientiert. Websites werden Seite für Seite heruntergeladen und in den Index übernommen. Das bedeutet aber auch: Wenn jemand nach „A B“ sucht und A auf der einen Seite und B auf einer anderen Seite steht, kann die Website dafür in der Regel nicht gefunden werden.

Ich passe bei Einsteiger-Vorträgen auf, dass ich die Konzepte „Site“ und „Seite“ voneinander trenne, weil es eben oft damit Probleme gibt. Im Kern gilt immer noch die Regel: Wenn Du für einen bestimmten Suchbegriff gefunden werden willst, brauchst Du eine Seite, die dazu relevante Inhalte bietet.

Fehler #2: Keywords sind keine Meta Keywords

Ich vermeide auch gerne den Begriff „Keywords“, weil das viele Einsteiger immer noch mit Meta Keywords verbinden – die Meta Keywords, die vor allem von Google komplett ignoriert werden. Stattdessen spreche ich lieber von Suchanfragen, denn darum geht es ja primär bei der Optimierung.

„Keywords“ werden oft noch als einzelne Wörter verstanden, aber Suchanfragen sind eben in der Regel Wortkombinationen. Und dafür muss man optimierte Inhalte bereitstellen.

Fehler #3: Auf wenige Keywords fokussieren

Bei vielen Einsteigern hat sich noch nicht die Erkenntnis durchgesetzt, dass das Suchverhalten sehr unterschiedlich ist. Kaum jemand tippt ein einzelnes Wort ein. In der Regel – auch getrieben durch Google Suggest – werden Mehrwortkombinationen eingetippt. Der eine sucht ein „nettes hotel in köln“, der andere ein „wellnesshotel köln“, wieder ein anderer ein „wochenende zu zweit in köln“.

Wer sich nur auf ein wenige Keywords beschränkt, wird einen Großteil des Potenzials nicht ausschöpfen. Es lohnt sich also immer, in eine anfängliche Keyword-Recherche zu investieren. Genauso wichtig kann es aber sein, sich laufend z. B. über die Google Search Console (Bereich „Suchanalyse“) zu informieren, welche konkreten Suchanfragen Nutzer eingetippt haben, um die eigene Website zu finden. So sieht man dann oft bestimmte Aspekte, die man anfänglich übersehen hat. Und dann muss man das eigene Keyword-Universum erweitern und für diese Suchbegriffe gezielt Inhalte erstellen.

Fehler #4: Auf Kleinkram stürzen

Diesen Fehler begehen nicht nur Unerfahrene, sondern auch einige Fortgeschrittene: Man beschäftigt sich mit Aspekten, die zwar an sich genommen nicht vollkommen sinnvoll, im Gesamtmix aber dann einfach nicht relevant sind.

Das kann z. B. die Optimierung einer XML-Sitemap sein. Bei einer sehr großen Website mag das gerechtfertigt sein, aber wenn jemand eine Site mit 20 Seiten hat, braucht man einfach keine XML-Sitemap. Die paar Seiten findet Google bzw. der Crawler auch so sehr schnell. Das heißt nicht, dass es nicht trotzdem hilfreich sein kann, eine XML-Sitemap zu haben – vor allem, weil man dann in der Google Search Console die Indexierungsrate exakt ablesen kann. Aber wie gesagt: Sie wird in der Regel nicht helfen, so dass es auch keinen Sinn macht, dort Zeit oder Geld zu investieren – vor allem, wenn man von beidem ohnehin nicht beliebige Mengen vorhält.

Fehler #5: Unsinn messen (und damit zufrieden sein)

Als ich letztens bei meinem Hausarzt war, kamen wir kurz auf meinen Beruf zu sprechen. Er antwortete nur knapp, dass er SEO nicht brauche, weil er für seinen Namen ja gut zu finden sei. An dem Punkt habe ich mir die Argumentation erspart, die üblicherweise an dieser Stelle folgt: Für den eigenen Namen ist man in der Regel sowieso auf Platz 1. Es geht bei SEO primär darum, Neukunden zu gewinnen – und das schafft man eben vor allem über generische Suchbegriffe.

Also: Wer Rankings misst und sich darüber freut, dass er mit seinem Namen immer auf Platz 1 ist, macht einfach einen großen konzeptionellen Fehler.

Darüber hinaus begeht er dabei aber auch schnell einen anderen Fehler: Die Suchergebnisse sind ja in der Regel personalisiert, also z. B. regionalisiert. Ein Nutzer in München sieht ganz andere Ergebnisse als der in Berlin – nicht bei allen, aber bei vielen Suchbegriffen.
Auch da gilt also: Wer Rankings misst, indem er einen Suchbegriff in Google eintippt und sich selber auf Platz 1 sieht, übersieht, dass der Rest der Republik (und der Welt) etwas ganz anderes sehen kann.

An dieser Stelle könnte noch eine Debatte über andere Messgrößen (Domain-Popularität, PageRank, Alexa Ranking, Sichtbarkeitsindex, …) folgen. Hier gelten zum Teil andere Argumentationen, aber im Kern muss man oft sagen: Einfache, platte Metriken sind in der Regel nicht aussagekräftig.

Fehler #6: Auf falsche Keywords fokussieren

Am Ende zählt nur die Conversion – auch bei Startups. Häufig findet man aber dort Fälle, bei denen sich Unternehmen auf komplett unwichtige Suchbegriffe stürzen. Dass Rankings schwer zu messen sind, habe ich ja schon gesagt. Aber Rankings sind nicht nur schwer zu messen, sondern auch komplett unwichtig, wenn sie keinen Vorteil bringen.

Dank „Not provided“ ist es leider nicht mehr so einfach, einzelne Suchbegriffe Conversions zuzurechnen. Aber zumindest kann man ja prüfen, welche Einstiegsseiten zu Conversions führen. Und wenn auf bestimmten Seiten hunderte Nutzer einsteigen, ohne eine Conversion auszulösen, kann das ein Zeichen dafür sein, dass man auf die falschen Suchbegriffe gesetzt hat.

Fehler #7: Nicht in Relationen denken

Häufig kommen in Einsteiger-Workshops und -Vorträgen seltsame Detailfragen wie „ich habe da einen Text von einer anderen Websites übernommen. Kann mir das in Bezug auf SEO schaden?“. Dabei übersehen vor allem Einsteiger die Frage der Relation: Wenn man nur eine einzelne Seite hat und dessen Inhalt „geklaut“ ist, ist das ein Problem. Wenn man aber tausend unique Seiten und eine „geklaute“ hat, stellt das kein Problem dar.

Also: immer in Relation denken. Oder auch: Die Dosis macht das Gift. Ein schlechter Link unter tausend Link ist vollkommen egal. Wer aber 30 Links besitzt und davon 25 über drittklassige Verzeichnisse kommen, sollte diese 25 besser abbauen.

Fehler #8: Einzelne Ranking-Faktoren ignorieren

Im Kern kann man eine gute Website wohl auf das folgende reduzieren:

  1. Gute Inhalte
  2. Sinnvolle Struktur
  3. Gute Verlinkung
  4. Schnell, mobil

Wer aber nur gute Inhalte setzt und null Links hat, wird in der Regel keine Erfolge sehen. Gerade Einsteiger verzichten aber oft auf Linkaufbau und hoffen, dass sich ihre Website schon irgendwie durchsetzen wird. In den meisten Fällen funktioniert das aber einfach nicht.
Also: Man sollte sich einen Plan machen, um alle Baustellen gleichermaßen anzugehen.

Fehler #9: Google zu viel Intelligenz unterstellen

Google ist in den letzten Jahren unglaublich gut darin geworden, Aspekte wie Fehlschreibungen oder Wortstämme zu verarbeiten. Früher waren die Ergebnisse einer Suchanfrage wie „A B“ und „B A“ oft deutlich anders. Mittlerweile ist das nicht mehr so, weil Google vor allem im Bereich der Text- und Suchanfrage-Analyse deutlich zugelegt hat.

Aber: Google ist nach wie vor keine intelligente Maschine. Keine Suchmaschine versteht wirklich, was in diesen zig Milliarden Dokumenten steht. Also: Wer als Rechtsanwalt auf seiner Startseite die wichtigen Wörter wie „anwalt“ und „Stadt“ vergisst, kann natürlich darauf hoffen, dass Google das schon irgendwie herleitet. Ich halte es aber nach wie vor für wichtig, auf klassische On-Page-Optimierung zu setzen – und das sollte sich dann im „Vierklang“ Seitentitel, Meta Description, Hauptüberschrift und Text niederschlagen. Man braucht dabei nicht mehr unbedingt die Brechstange, um eine bestimmte Keyword-Dichte zu erreichen. Aber es hilft definitiv, Suchbegriffe gezielt in Seiten einzubauen.

Fehler #10: Für SEO braucht man einen SEO-Profi

Nach einem Vortrag dankte mir letztens eine Frau und sagte: „Ich hatte immer Angst vor SEO, weil das so ein technisches Thema ist“. Ja, zugegeben: SEO hat eine technische Komponente. Diese kommt nur für viele kleine Unternehmen nicht zum Tragen. Wer nur 20 Seiten hat, benötigt nicht unbedingt ein Canonical Tag. Man braucht eben eher eine tragbare Website-Struktur mit guten Inhalten. Und Links natürlich.

Also: Niemand sollte vor dem Thema SEO Angst haben. Das Wissen, das man als Einsteiger mit einer kleinen Website braucht, kann man sehr gut in wenigen Stunden lernen. Man muss es einfach nur konsequent umsetzen und darf sich nicht von den ganzen Nebelkerzen blenden lassen, die einfach oft nicht relevant sind.

Fazit

Gerade kleine Unternehmen begehen oft die gleiche gedanklichen Fehler. Dabei bieten sich gerade für solche Unternehmen starke Potenziale, wenn sie das Thema SEO richtig und gezielt angehen. Vor allem bei einer lokalen Ausrichtung gibt es oft nur eine geringe Konkurrenzsituation, so dass man es schnell ganz nach vorne schaffen kann.

 

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About Markus Hövener

Markus Hövener ist Gründer und Head of SEO der auf SEO und SEA spezialisierten Online-Marketing-Agentur Bloofusion. Als geschäftsführender Gesellschafter von Bloofusion Germany ist er verantwortlich für alle Aktivitäten in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Markus Hövener ist Buchautor (SEO - Die neuen Regeln), Autor vieler Artikel und Studien rund um SEO und SEA und Chefredakteur des Magazins suchradar.

In seiner Freizeit hat Markus vier Kinder, spielt gerne Klavier (vor allem Jazz) und hört auf langen Autofahrten „Die Drei Fragezeichen“.