In der heutigen ibusiness bin ich mit ein paar Statements zum Berufsbild des SEO und seiner zukünftigen Rolle zu lesen. Weil ich dazu noch weitaus mehr zu sagen hatte, als im Interview zu sehen, möchte ich euch das Inteview in Gänze nicht vorenthalten.

Wie das so ist, konnte der Autor Sebastian Halm natürlich nur einige der Antworten wiedergeben, die ich gegeben hatte – denn es gab natürlich noch weitere Menschen, die dazu schlaue Gedanken hatte. Ich finde solche Interviews trotzdem gut, denn sie bieten die Möglichkeit ein Thema zu durchdenken, bevor man auf „Senden“ drückt. Und da ich das Thema ohnehin schon ein wenig im aktuellen suchradar-Fokusthema beleuchtet hatte (s. http://www.suchradar.de/magazin/archiv/2014/2-2014/inhouse-seo.php zum Bild des Inhouse SEOs) war ich zuvor schon im Thema.

Vielleicht ist ja für euch in meinen Antworten der eine oder andere interessante Aspekt dabei. Daher stelle ich Fragen und Originalantworten hier mal bereit. Und diskutieren können wir sowieso darüber.

 

1. Sebastian Halm: SEO ist tot heißt es immer – aber richtiger dürfte sein: Der SEO, wie er noch vor 5 Jahren war, ist tot. Wie würden Sie sagen, hat sich das Berufsbild des SEO in den vergangenen Jahren verändert und was wird sich in den kommenden Jahren ändern – welche Stichworte fallen Ihnen ein?

SEO ist nicht tot und wird in absehbarer Zeit auch nicht sterben. Es wird sich allerdings – wie viele andere Disziplinen – auf Dauer im Online-Marketing-Mix genauso beweisen müssen wie Performance Marketing oder Social Media Marketing und sich deren Leistungsmessung stellen.

Vieles deutet heute darauf hin, dass sich das Berufsbild des Suchmaschinen-Optimierers weiter verändern wird. Das ist nichts Neues für die meisten Beteiligten, denn dieser Beruf musste schon in der Vergangenheit immer wieder den veränderten technischen, inhaltlichen und sonstigen Anforderungen begegnen, die durch die Suchmaschinen aufgegeben wurden.

Ich vermute, dass sich durch eine Einordnung in den Online-Marketing-Mix mehr interdisziplinäre Aufgaben für den SEO ergeben werden. Das Inseldenken, dass SEO alleine helfen kann, wird sich auflösen und ein Suchmaschinen-Optimierer mehr auf die Belange des übergeordneten Online-Marketings achten müssen. In Teilen ist das heute schon so. Man denke nur an Elemente des so genannten Content Marketings, bei dem ein SEO auch nicht ohne Unternehmensmithilfe „irgendeinen Text“ verfassen (lassen) kann. Im schlimmsten Fall ist ein solcher Text gegenüber dem Unternehmen oder der Marke kontraproduktiv. Ein Text im Content Marketing sollte sich der Marke unterwerfen und nicht Selbstzweck sein, um Links zu produzieren oder „mal“ gelesen zu werden. Er muss auf die Marke einzahlen und Ihre Kommunikations-Kanäle bedienen. Dieses Wissen herrscht bislang leider noch nicht bei allen SEOs, bei einigen aber schon. Und das ist nur einer der Aspekte, die langfristig auf die Branche zukommen und die eine Anpassung erfordern.

Ein Suchmaschinen-Spezialist wird sich auf Dauer als Tausendsassa im Unternehmen beweisen müssen. Denn er hat das Verständnis für einen der wesentlichen Kanäle, der zu Absatz oder Leads führen kann: die Google-Suche. Und er muss in Zukunft in der Lage sein, zu bewerten, wie sich die Marke, die Inhalte, die Produkte des Unternehmens auf diesem Weg vermarkten lassen. Dazu ist Verständnis der anderen Online-Marketing-Disziplinen nötig, ggf. sogar in steuernder Funktion. Je nach Wichtigkeit des Kanals „Google“ für das Unternehmen und der Ausrichtung der Agentur.

 

2. Sebastian Halm: Begreifen wir SEO einfach mal auschließlich als die technische Optimierung einer Webseite für eine Suchmaschine – was sind die wichtigsten Kontaktdisziplinen des SEO-Geschäftes (Vielleicht Social Media, Content Marketing, PR, SEA…)? Welche Disziplinen werden künftig noch dazustoßen (Big Data? etc)

Wie schon erwähnt sehe ich SEO als Teil des Online-Marketings. Disziplinen wie Social Media, Content, PR, SEA sind ebenfalls Dinge, die diesem Feld angehören und oftmals verschiedene Spezialisten erfordern, um wirklich gute Leistung zu erbringen. Webanalysten sehe ich ebenfalls in diesem Spektrum, denn sie können auf Basis vorhandenen Daten wesentlich zur Verbesserung einer Website beitragen und wertvolle Hinweise zur Conversion-Optimierung geben. Ein SEO sollte heute meiner Meinung nach von allem ein bisschen und von manchem ein bisschen mehr verstehen, um die speziellen Anforderungen der Suchmaschinen an diese Disziplinen vermitteln zu können. Thematische Ausprägungen sind nicht nur für die Persönlichkeitsentwicklung eines Optimierers gut, sondern können überdies dem Unternehmen die Möglichkeit geben, in bestimmten Fachgebieten deutlich besser aufgestellt zu sein, als in der Vergangenheit, in der viele SEOs quasi Technik- oder Keywordsklaven waren.

Big Data sehe ich – ebensowenig wie jede andere einzelne Disziplin alleine – keineswegs als Allheilmittel. Es wird in meinen Augen auch häufig überschätzt und zeitweise leider gehyped. Denn wirkliche „Big“ Data können die wenigsten Unternehmen erheben, geschweige denn analysieren und Konsequenzen ableiten. Und in zwei Jahren spricht möglicherweise niemand mehr darüber. Strategisch gesehen ist es ohnehin nicht sinnvoll, jedem Hype, jedem Trend sofort nachzugehen, sondern zunächst in die Analyse und Bewertung der Maßnahme zu investieren und erst bei langfristiger Perspektive aktiv zu werden. Und das bedeutet ebenfalls, nicht sofort die alten langfristig geplanten Elemente zu verwerfen und aufhören sie zu verfolgen, weil sich ein neuer Trend auftut. Ich sehe vielmehr das Zusammenspiel der Disziplinen als erforderlich, um langfristig erfolgreich zu sein.

Was die Kommunikation der SEO-Branche in Richtung ihrer potenziellen Kunden oder Branchenangehörigen angeht, sehe ich die Schwierigkeit, dass ein guter Teil der Agenturlandschaft bereits über gutes Wissen verfügt. Durch die Professionalisierung der Arbeit und den steigenden Kostendruck in Agenturen bleibt allerdings heute weniger Zeit für das Bloggen von Inhalten oder Teilen in den Social Networks. Zudem ist die Durchschlagskraft von beispielsweise Google Updates heute nicht mehr so stark wie sie einmal war und nicht jedem Blogger ist es eine Blogpost wert, über das letzte Update mit minimalen Auswirkungen auf die tägliche Arbeit zu posten. Nichtsdestotrotz ist die Branche mitteilungsfreudig und -bedürftig. Das kommt Neulingen entgegen, die auf der einen Seite von bestehenden Inhalten profitieren und andererseits nach wie vor auf dem Laufenden bleiben können – sofern sie den richtigen Quellen folgen.

 

3. Sebastian Halm: Und jetzt mal anders: Begreifen wir SEO als ganzheitliche Disziplin, die auch Content-Marketing, Social Media, PR und vieles mehr beinhaltet. Wer tritt mit dem SEO aktuell und künftig in Konkurrenz um Kunden – sind es die Fullservice-Agenturen, die PRler, die Social-Media-Marketeers oder wer ganz anderes?

Ebenso wie es SEO-Agenturen gibt, die SEA-Dienstleistungen anbieten, gibt es seit langem schon Agenturen, die PR, Social Media oder Webdesign zusätzlich zur Suchmaschinen-Optimierung anbieten. Der Wettbewerb ist also heute also bereits diversifizierter als man auf den ersten Blick meinen könnte. Agenturen, die heute verschiedene Dienstleistungen erbringen, werden es möglicherweise leichter haben, sich auf weitere Disziplinen zur Erweiterung einzulassen, denn sie interagieren bereits mit anderen und sind es gewohnt diese effektiv zu verknüpfen.

Wer allerdings als reiner SEO-Spezialist unterwegs ist, wird möglicherweise in Zukunft weniger Anfragen bekommen. Denn auf Kundenseite ändern sich die Anforderungen. Statt vier verschiedene Agenturen zu dirigieren, ist es für viele einfacher mit einer zu sprechen und eine gebündelte Dienstleistung zu erhalten. Das ist oftmals auch kostenmäßig interessant, da nicht bei mehreren Agenturen Overheads anfallen, die ebenfalls getragen werden müssen. So eine Full-Service-Lösung kann – muss aber nicht – allerdings zu einer gewissen Verwässerung des Spezialistentums führen.

 

4. Sebastian Halm: Werden wir künftig noch den Begriff SEO als Berufsbezeichnung hören – und wo finden wir künftig die SEOs, die den Herausforderungen am besten gewachsen sind? Kommen sie aus Firmen, von Unis, aus dem Freelancertum, aus Social etc.?

Solange Suchmaschinen nicht so gut sind, wie sie planen irgendwann sein zu wollen, wird es Menschen geben müssen, die Unternehmen und Suchmaschinen helfen, zueinander zu finden. Je besser Suchmaschinen allerdings dabei werden, Informationen strukturiert zu interpretieren und den Menschen die passenden Informationen zu werden, um so weniger werden reine SEOs benötigt. Ich denke aber, dass viele SEOs heute schon wesentlich mehr schaffen als „nur Suchmaschinen-Optimierung“.

Viele geben Impulse zur thematischen Ausrichtung von Websites – dazu gehört tieferes Verständnis von Bedürfnissen der Zielgruppe. Viele geben Hinweise zur Landing-Page-Optimierung – dazu gehört neben inhaltlichem Verständnis auch Kenntnisse zur Conversion Optimierung und vieles andere. Sicherlich: Es findet nicht immer auf dem gleichen Niveau wie dem eines Spezialisten statt, aber das ist bei Full-Service-Agenturen auch nicht immer so. Qualitative Unterschiede wird es da immer geben.

Das vielfach eine genaue Kenntnis des Unternehmens und kurze Wege für Änderungen erforderlich sind, sehe ich durchaus einen Trend zu Angestellten im Unternehmen, die das Thema SEO abdecken. Ob dort reine Spezialisten sitzen oder die oben erwähnten „Tausendsassas“, hängt von verschiedenen Faktoren ab – sicherlich auch von der Größe des Unternehmens, der Website, den anderen beteiligten Abteilungen usw. Die Daseinsberechtigung von Agenturen wird aber bleiben. Denn es wird immer Unternehmen geben, die auf externe Berater setzen müssen. Alleine schon, um eine gewisse Kostenflexibilität zu haben.

About Maik Bruns

Maik Bruns ist Berater für SEO in der Online-Marketing-Agentur Bloofusion, Online-Marketing-Enthusiast und schreibt zu diesen Themen im Bloofusion-Blog Internetkapitäne, im SEO-, SEA- und E-Commerce-Magazin suchradar und natürlich bei Twitter und Google+. Er spricht außerdem zu SEO-Themen auf Konferenzen und gibt Seminare/Workshops zum Thema Google Analytics.

Daneben ist Maik Bruns glücklich verheirateter Papa, Marketing- und Analytics-Fan (Analytics Qualified Individual), leidenschaftlicher Fotograf, Bildbearbeiter und Volleyballer.

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