Majestic SEO (vielen als Anbieter einer sehr großen Linkdatenbank bekannt) hat heute zwei neue Metriken vorgestellt: Citation Flow und Trust Flow.

Auch wenn Majestic SEO beide Metriken als Neuerung verkauft (“Flow Metrics will change the way you look at links“), sind sie das im Kern eher nicht. Citation Flow basiert eher auf traditionellen, PageRank-ähnlichen Modellen (also basierend auf Anzahl und Qualität der verlinkenden Websites). Trust Flow hingegen bildet – wie man es ahnen könnte – den Trust ab, indem von einer Seed-Menge vertrauenswürdiger Websites aus die Verlinkungen analyisiert werden.

Beide Werte werden auf einer Skala von 0-100 abgebildet. Spiegel hat z. B. 89/79 (Citation Flow/Trust Flow), www.internetkapitaene.de nur 37/27, www.suchradar.de 40/29 und so weiter.

Potenziell interessant wird das aber an dem Punkt, an dem Majestic SEO die Werte aller Links für eine Domain in ein Chart einträgt. Das sieht dann für www.spiegel.de so aus:

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Oder für Youtube.com:

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Und dann gibt es Sites wie suchradar.de:

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Was macht man nun mit diesen Daten?

  1. Ich glaube zunächst, dass das neue Feature dem Bedarf vieler SEOs nach Metriken und vor allem nach Analysewerkzeugen Rechnung trägt.
  2. Laut Majestic SEO ist es so, dass die meisten Sites einen höheren Citation Flow als Trust Flow haben. Ein Bild wie oben bei YouTube ist also normal, bei dem sich mehr Messwerte unterhalb der Diagonale als oberhalb befinden.
  3. Es fällt mir schwer zu sagen, wie denn das optimale Bild aussehen sollte. Schön wäre es natürlich, wenn sich viel um die Diagonale herum bewegt, wenn es nach oben hin einen “Zipfel” gibt und wenn der Bauch sich nicht zu sehr Richtung X-Achse neigt.
  4. Bei vielen Sites (suchradar.de als Beispiel) gibt es einfach nicht genug Messpunkte, um ein sinnvolles Diagramm zu präsentieren. Das Feature richtet sich also meiner Meinung eher an die großen Sites – bei denen die Diagramme sich dann aber auch sehr ähneln.
  5. Die Daten basieren ja auf den Links von Majestic SEO, bei denen ich schon mehrfach darauf hingewiesen habe, dass diese nur bedingt denen von Google entsprechen. Das Diagramm ist also mit Vorsicht zu genießen.

Also: Zwischen den Zeilen konnte man schon lesen, dass ich nicht so begeistert bin.

Die beiden Metriken Citation Flow und Trust Flow haben sicherlich ihre Berechtigung, aber die gab es beim Konkurrenten SEOmoz auch schon. Da es bei beiden Metriken kein “richtig” und “falsch” gibt, können wir die Daten nicht wirklich miteinander vergleichen bzw. herausfinden, ob Majestic SEO oder SEOmoz richtig liegen.

Und den Chart halte ich in der Regel für total unaussagekräftig. Aber vielleicht gibt es ja von Majestic SEO demnächst ein Webinar, wie man das Chart denn lesen muss, um welche Schlussfolgerungen zu erhalten. Das grenzt dann für mich aber schon ans Kaffeesatzlesen…

About Markus Hövener

Markus Hövener ist Gründer und Head of SEO der auf SEO und SEM spezialisierten Online-Marketing-Agentur Bloofusion. Als geschäftsführender Gesellschafter von Bloofusion Germany ist er verantwortlich für alle Aktivitäten in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Markus Hövener ist Autor vieler Artikel und Studien rund um SEO und SEM und Chefredakteur des Magazins suchradar.

In seiner Freizeit hat Markus vier Kinder, spielt gerne Klavier (vor allem Jazz) und hört auf langen Autofahrten „Die Drei Fragezeichen“.