Ich habe in den letzten Wochen aus reinem Interesse mal einen Account bei www.ranksider.de aufgemacht und dort für ein uns unwichtiges eigenes Blog um Links gebeten. Wer Ranksider nicht kennt: Auf der Plattform kann man eine Kampagne ausschreiben (“suche Links zum Thema Handy”) und dann bieten andere Blogs/Portale eben für einen Link.

Insgesamt war ich schon sehr überrascht, was sich da alles so anbot. Es ist wirklich sehr einfach, schnell 100 Links aufzubauen – wenn man denn keinen Anspruch an die Qualität der Links hat. Das ist kein Nachteil von Ranksider (oder Seolista oder…) an sich, sondern liegt einfach in der Funktion eines Marktplatzes begründet. Da bietet sich halt jeder an und man selber muss sich dann was auswählen.

Dabei kam mir – wie bei vielen anderen Linkanfragen – immer wieder derselbe Gedanke: Macht es Google doch nicht so einfach. Ich habe mal Informatik studiert und auch Suchmaschinen selber gebastelt – und so kommt in mir immer schnell der Gedanke auf, wie Google es denn schaffen könnte, legitime Blogs/Portale von illegitimen zu unterscheiden.

Denn grundsätzlich ist ein Blog ja erstmal ein Blog. Und ein Beitrag ist erstmal ein Beitrag. Und ein Link ein Link. Wie könnte Google das rausfiltern?

Die Vorbedingung

Ich glaube zunächst, dass Google sich bei einem Votum für oder gegen einen Link gar nicht sicher sein muss. Da es hier nur darum geht, bestimmte Links zu entwerten und nicht etwa Seiten aus dem Index zu entfernen, kann Google das machen, ohne dass es überhaupt jemand merkt. Wenn ein Votum falsch ist, ist das zunächst egal, weil es eh keiner nachprüfen kann.

Und ich glaube, dass Google die meisten Analysen sehr leicht auf Domain-Ebene machen kann. Neben Werten wie PageRank oder Domain Pop könnte eine Suchmaschine also einen “Link Trust” einführen, der besagt, wie sicher sich die Suchmaschine ist, dass es sich bei den Links von dieser Website um “gute Links” handelt. Das wird wohl kein 0/1-Wert sein, sondern kann auch auf einer Skala liegen.

Wie denn?

Die meisten Link-Datenbanken bieten eine Auswertung der Ankertexte an, z. B. bei Majestic SEO:

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Wer hier fast nur für sein Keyword verlinkt wird, kann natürlich leicht bei Google in Ungnade fallen. Deswegen bieten die Tool-Hersteller solche Auswertungen an: um Konkurrenten zu überprüfen, aber auch um das eigene Linkprofil im Auge zu behalten.

Man kann so einen Report aber auch umdrehen, denn bei der Auswertung oben geht es ja um eingehende Links. Google kann sich dank seiner unglaublichen Datenbank sehr genau vorstellen, was ein normales ausgehendes Linkverhalten ist. Dazu gehört z. B., dass man ausgehende Links mit Ankertexten wie “hier” oder “www.domain.de” oder “jetzt downloaden” hat.

Wie sieht es also für Google aus, wenn ein Blog keine solchen ausgehenden Links hat und stattdessen auf Websites mit Ankertexten wie “Ratenkredit günstig” oder “Ferienhaus” verlinkt? Google kann hier verschiedene Ansätze nutzen:

  1. Statistische Auswertungen: Was ist ein normales ausgehendes Linkverhalten? Welche Ankertexte sind normal?
  2. Listen: Eine Suchmaschine könnte sich die umkämpften Suchbegriffe zusammensuchen und dann gegen diese Liste prüfen, ob ein Blog mehrheitlich darauf verlinkt. Alleine mit diesem einfachen Ansatz könnte man schon die Mehrheit der SEO-Blogs erkennen.
  3. Inhaltlicher Fokus: Wenn man alle ausgehenden Links miteinander vergleicht, sollte es möglich sein zu erkennen, ob es einen thematischen Fokus gibt. Also: Ein Blog, das immer nur auf Pferde-Themen verlinkt, ist unauffälliger als ein Blog, das auf nahezu jedes Thema verlinkt.
  4. Eingehende Links im Vergleich zu ausgehenden Links: Am Beispiel des Pferde-Blogs kann man erkennen, dass es hier eine hohe thematische Überdeckung der ein- und ausgehenden Links geben würde. Websites zum Thema Pferde verlinken auf das Blog und das Blog verlinkt wiederum auf Websites zum Thema Pferde.

Was folgt daraus?

Man sollte bei seinen Verlinkungen nicht nur auf die klassischen Werte schauen (PageRank, Domain Pop, Class C, …). Denn diese Werte können alle stimmen, ohne dass das Blog trotzdem gut ist.

Wenn man sich mal vor Augen führt, welchen Aufwand Google mit Panda & Co. getrieben hat, um die Qualität einer Website zu bewerten, erscheint es doch nur logisch, dass Google auch sehr genau Websites in Bezug auf ihre ausgehenden Links überprüft.

Also:

  1. Der “Smell Test” ist extrem wichtig. Sieht eine Website legitim aus? Gibt’s dort nur die typischen Ferienhaus-/Ratenkredit-Links oder auch echte Inhalte, die auch mal keine Links haben?
  2. Wer selber so ein Blog betreibt, kann also einiges tun, um in den Augen Googles nicht aufzufallen. Das erfordert aber sehr viel Arbeit, weil man dann eben auch Beiträge liefern muss, die nicht bezahlt werden.
  3. Der klassische “billige” SEO-Link-Blog (verlinkt auf alles und jeden) ist meiner Meinung nach schon seit einiger Zeit tot. Bessere Links bekommt man aus echten Umfeldern. Das ist mehr Aufwand, rechnet sich aber.
  4. Es wäre cool, wenn es hier Tool-Unterstützung gäbe. Ein Tool, das die ausgehenden Links analysiert und auf der Basis eine Einschätzung gibt, wie natürlich das Linkmuster ist.

Und: Es geht halt – zumindest langfristig gesehen – nichts über echte Links. Also ein Link, der wirklich als solcher entstanden ist. Als Votum, dass eine andere Website gut ist.

Aber ich gestehe ein, dass das sehr schwierig ist, wenn es um Ratenkredite, Kredite ohne Schufa oder Hämorrhoiden-Salben geht.

About Markus Hövener

Markus Hövener ist Gründer und Head of SEO der auf SEO und SEM spezialisierten Online-Marketing-Agentur Bloofusion. Als geschäftsführender Gesellschafter von Bloofusion Germany ist er verantwortlich für alle Aktivitäten in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Markus Hövener ist Autor vieler Artikel und Studien rund um SEO und SEM und Chefredakteur des Magazins suchradar.

In seiner Freizeit hat Markus vier Kinder, spielt gerne Klavier (vor allem Jazz) und hört auf langen Autofahrten „Die Drei Fragezeichen“.