Search Plus Your World: Google wird noch viel viel sozialer (aber nur mit Google+)
Mittwoch 11. Januar 2012 von Markus
Google hat in den USA (englischsprachige Suche auf Google.com) ein neues Feature vorgestellt, das mit großen Echo aufgenommen wurde: Search Plus Your World.
Wer zukünftig in eingeloggtem Zustand sucht, soll dann in großen Maße personalisierte Ergebnisse erhalten. Dabei geht es dann nicht mehr nur darum, dass Suchergebnisse verschoben werden (also wie bisher: eine Website, die eigentlich weit hinten stand, rutscht nach vorne, weil dafür eine soziale Verbindung vorliegt). Vielmehr werden auch Ergebnisse aus Google+ angezeigt, also z. B. Fotos, die man dort mit Freunden geteilt hat.
Von Google gibt es dazu ein nettes buntes Video:
Da ich das neue Feature noch nicht selbst erblickt habe, verweise ich auf die hervorragende Berichterstattung der US-Kollegen und auf den offiziellen Blog-Post von Google:
Meine ganz persönliche Meinung dazu: Nein, SEO ist wieder mal nicht tot. In Deutschland sowieso noch nicht, weil die Durchdringung von Google+ einfach noch viel zu gering ist. Außerdem glaube ich nach wie vor, dass ich bei meinen Suchen gar nicht so viele Überschneidungen mit meinen Freunden habe, dass das meine Suchergebnisse signifikant anreichern könnte.
In jedem Fall finde ich aber, dass Google hier sein wahres Gesicht zeigt. Google hat sich ja immer “Don’t be evil” auf die Fahnen geschrieben und sich so als “anderes” Unternehmen dargestellt. Im Kern ist aber Google hier nur ein Unternehmen, das seine Reichweite ausnutzt, um sein eigenes Netzwerk zu pushen.
Denn grundsätzlich ist es wohl nicht zu vermitteln, dass die Daten der größten sozialen Netzwerke fehlen. Das ist natürlich Google ureigenes Recht, aber es passt meiner Meinung nach null zu den hehren Zielen, die man sonst so vermittelt.
Google redet sich bei Search Engine Land ja ganz geschickt raus:
Facebook and Twitter and other services, basically, their terms of service don’t allow us to crawl them deeply and store things.
Auch das mag stimmen, aber es hinterlässt bei mir doch einen arg komischen Geschmack. Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg.
Vor allem aber glaube ich, dass vielen das neue Feature übel aufstoßen wird, weil der Eindruck erweckt werden kann, dass Daten, die man nicht öffentlich gemacht hat, trotzdem öffentlich in Google gefunden können. Dem ist nicht so, aber das wird nicht jeder auf Anhieb verstehen. Und für einen Konzern, der nicht gerade als sicherer Hafen des Datenschutzes angesehen wird, kann das schnell problematisch werden.
Markus
Markus Hövener ist geschäftsführender Gesellschafter der SEO-/SEM-Agentur Bloofusion und Chefredakteur des Magazins suchradar.
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Dieser Beitrag wurde erstellt am Mittwoch 11. Januar 2012 um 12:39 und abgelegt unter SEO. Kommentare zu diesen Eintrag im RSS 2.0 Feed. Sie können einen Kommentar schreiben, oder einen Trackback auf Ihrer Seite einrichten.



Mittwoch 11. Januar 2012 um 12:52
Guter Kommentar, ich denke auch, dass der eine oder andere Google-Nutzer stark verunsichert wird, wenn er seinen persönlichen Kram in seinen (persönlichen) SERPs findet. Das wird nicht jeder verstehen und Google braucht ja auch eine DIN-A4-Seite es zu erklären.
Mittwoch 11. Januar 2012 um 19:09
Ich glaube damit wird die Qualität der Suche noch schlechter.
Ich habe heute mal ein wenig ernsthafte Recherche mit Google betrieben (es ging um Marktdaten etc.), wo die Inhalte nicht ganz so alltäglich und trivial sind. Ende vom Lied mit Google findet man fast nichts mit großem Wert.
Jetzt kommen also noch die meistens recht belanglosen Postings von Google+ dazu. Noch weniger Platz für interessante Inhalte.
Langsam braucht man echt eine Alternative zu Google.
Donnerstag 12. Januar 2012 um 02:43
Vielen Dank Markus für den Artikel. Wir haben uns auch Gedanken über die neue Funktion gemacht und vorallem was dies für Unternehmen bedeuten könnte, bei Interesse mehr dazu als Artikel in unserem Blog.
Freitag 13. Januar 2012 um 07:21
Ich dachte immer mit “Don’t be evil” meint Google nicht sich selbst, sondern artikuliert so einen Herzenswunsch an seine Benutzer.
Freitag 13. Januar 2012 um 09:51
Ich denke, das dahinter eine großartige technologische Leistung steckt. Aber ich möchte nicht den Pizzalieferanten meines Freundes. Ich möchte mir meine eigene Pizza zusammenstellen. Daher werde ich immer einen zweiten Browser offen haben, um damit im ausgeloggten Zustand zu suchen.
Montag 16. Januar 2012 um 01:31
Ich finde die vorgegebene Richtung prinzipiell gut. Mir geht das allerdings nicht weit genug. Sicherlich ist es richtig, dass Google derzeit über “People an Pages on Google+” nur die eigenen Dienste promotet. Allerdings würde ich an Googles Stelle im Vorfeld eines Relaunchs auch nicht das Risiko eingehen, dass irgendwer mich abmahnt weil ich da auch “People and Pages on Facebook” hinschreibe. Auch würde ich meine strategisch wichtigen Vorhaben vor dem Roll-Out nicht zum Gegenstand von Verhandlungen mit Wettbewerbern machen. Warten wir die nächsten Monate ab.
Montag 16. Januar 2012 um 12:05
Das, was Marco schreibt, war auch mein ester Gedanke: “Bloß nicht!”. Die Suchergebnisse werden immer vollgemüllter. Oder etwas überspitzt gesagt: Ich habe es bisher auch nicht vermisst, dass Google nicht das IRC indiziert…