Laut Google („Giving you fresher, more recent search results„) gibt es wieder ein neues Update, in dem Google versucht, den Faktor Freshness (neudeutsch für Aktualität) stärker zu gewichten.

Wie groß sind die Änderungen?

Google hat gesagt, dass 35% aller Suchanfragen betroffen sind. Es ist relativ unklar, ob hiermit wirklich 35% aller an Google gestellten Suchanfragen gemeint sind oder ob man hier Bezug auf eine große Datenbank häufig gestellter Suchanfragen nimmt. Da ich glaube, dass man zur Berechnung einiger Faktoren durchaus etwas mehr Rechenkraft braucht und das eben nicht nur zur Laufzeit machen kann, bin ich eher geneigt, an die zweite Variante zu glauben.

Welche Suchanfragen fallen unter das neue Update?

Google selber bezieht sich insgesamt auf drei Arten von Suchanfragen:

  1. Recent events or hot topics: Hier geht es um aktuelle Themen (z. B. „occupy frankfurt“). Bei diesen gab es auch vorher schon das so genannte QDF („Query deserves freshness“). Das scheint jetzt noch etwas mehr in die Suchergebnisse einzufließen.
  2. Regularly recurring events: Damit sind Suchanfragen für Ereignisse gemeint, die regelmäßig wiederkehren, also z. B. „olympische spiele“ oder „dfb pokal“. In diesen Fällen will Google bewirken, dass sich die Suchergebnisse eher auf das aktuelle Ereignis (also z. B. die Olympischen Spiele 2012 in London) beziehen. Diese Änderung ergibt natürlich vor allem aus Nutzersicht Sinn.
  3. Frequent updates: Diesen Punkt finde ich interessant. Da geht es z. B. um Anfragen wie „best slr cameras“ – Themen, bei denen sich oft etwas ändert. Das könnten natürlich viele Shopping-Suchbegriffe wie „x testberichte“, „x testsieger“ und weitere Begriffe sein. Es ist nicht ganz, wie Google dieser Suchbegriffe identifizieren möchte, aber man könnte das schon algorithmisch recht gut abdecken (wie oft und wie stark ändern sich die Informationen auf Seiten zum Suchbegriff?).

Was folgt nun daraus?

Für mich gibt es einige Schlussfolgerungen:

  1. Wenn es so ist, dass es hier zum Teil um aktuelle Ereignisse geht, dann werden SEO-Tools damit sicherlich ihre Schwierigkeiten haben. Es könnte zu höheren Schwankungen in den Suchergebnissen führen, die die Tools entweder mitbekommen (schlecht, weil es eben Schwankungen in den Sichtbarkeitsdaten gibt) oder eben nicht mitbekommen (schlecht, weil es dann eine noch geringere Korrelation zw. Traffic und Indexwerten gibt).
  2. Wenn es so ist, dass Google erkennen kann, bei welchen Themen sich oft etwas ändert („frequent updates“), dann müssen sich Website-Betreiber sicherlich Gedanken machen, wie sie das in ihren Site-Strukturen abbilden. In der Regel sollte das kein Problem sein, aber hier kann man sich ja mal Gedanken machen, wie man es hinbekommt, dass die Seiten einer Website mit solchen Informationen weniger statisch wirken.
  3. Wenn Google bei wiederkehrenden Events immer etwas zum neuesten Event bieten möchte, dann müssen Sites das eben möglichst frühzeitig bieten (Preemptive SEO). Grundsätzlich stellt sich natürlich die Frage, welche Ansprüche Google hier stellt. Wenn es so ist, dass es z. B. ausreicht, die Zahl 2012 auf die Website zu stellen, um dann für „europameisterschaft fußball“ besser gefunden zu werden, ist dieser Aufwand ja sehr gering.
  4. Man sollte natürlich grundsätzlich möglichst zeitnah über aktuelle Themen berichten (gerne dann auch in Verbindung mit Google News).

Freshness Spam

Man darf auch nicht vergessen, dass der Faktor Freshness nicht alle anderen Faktoren in den Hintergrund drängt. Google hat hierzu gesagt:

Freshness is one component, but we also look at the content of the result, including topicality and quality.

Es gibt natürlich grundsätzlich die Befürchtung, dass Unternehmen auch hier wieder – analog zu der recht beliebten Praxis bei Google News – die Freshness manipulieren werden. Man kann ja einen Artikel online stellen, diesen nach einem Tag entfernen (404) und dann schnell dafür sorgen, dass derselbe unter einer neuen URL wieder von Google als „fresh“ erkannt wird.

Der Aufwand dafür mag recht hoch sein, zumindest dann, wenn man das nicht automatisiert hinbekommen. Ob und wie das sinnvoll ist, muss sich aber erst noch zeigen.

Are we there yet?

Wenn ich mir so einige Suchergebnisse anschaue, kann ich derzeit noch nicht erkennen, dass sie den oben formulierten Ansprüchen genügt.

Hier einige Beispiele:

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Das ist natürlich nur ein kleiner Ausschnitt der Suchanfragen. Man sieht hier aber auch, dass Google natürlich nicht kommuniziert, welche der Suchanfragen von dem Update betroffen ist und welche nicht.

Und, wie gesagt: Google sieht die Freshness ja nur als einen Faktor unter vielen, so dass es in der Tat sein könnte, dass die oben gezeigten Suchergebnisse bereits vom Update betroffen sind.

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About Markus Hövener

Markus Hövener ist Gründer und Head of SEO der auf SEO und SEA spezialisierten Online-Marketing-Agentur Bloofusion. Als geschäftsführender Gesellschafter von Bloofusion Germany ist er verantwortlich für alle Aktivitäten in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Markus Hövener ist Buchautor (SEO - Die neuen Regeln), Autor vieler Artikel und Studien rund um SEO und SEA und Chefredakteur des Magazins suchradar.

In seiner Freizeit hat Markus vier Kinder, spielt gerne Klavier (vor allem Jazz) und hört auf langen Autofahrten „Die Drei Fragezeichen“.