Wir überprüfen regelmäßig, aus welchen Quellen die Bewertungen stammen, die für Shops in der Google Produktsuche erscheinen. In dieser Woche ist ein neuer Dienst hinzugekommen, den ich zwar für uninteressant halte. Aber die Tendenz dahinter gefällt mir definitiv.

Hier ist der Eintrag in der Produktsuche:

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Interessant ist die Zielseite (http://www.webuser.co.uk/websites/website-reviews/home-and-household/decorating-and-interiors/24327/1/ikea). Hier gibt es weder einen Link auf IKEA.com noch gibt es dort besonderes Markup, aus dem Google heraus erkennen könnte, dass es sich um einen Testbericht für IKEA.com handelt.

Google könnte diese Bewertung natürlich auch über irgendeine Schnittstelle oder über eine Partnerschaft bekommen, aber ich glaube das eher nicht. Vielmehr glaube ich, dass Google immer besser in der Lage ist, den Inhalt von Seiten zu verstehen. Es handelt sich ja auch irgendwie um eine Bewertung – wenn auch keine auf einer Punkteskala.

Wenn dem so wäre, könnte Google natürlich auf einmal auf viel mehr Bewertungen zurückgreifen. Jede Meinungsäußerung in einem Forum könnte grundsätzlich als Bewertung herangezogen werden.

Seit einigen Tagen schon zeigt Google ja bei den Erfahrungsberichten auch den Typ „redaktionelle Berichte“ an, in den Google auch den Beitrag von Webuser.co.uk einsortiert hat:

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Das gibt es übrigens auch bei Produkten:

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Auch bei diesen Beiträgen scheint kein besonderes Markup notwendig zu sein. Der Beitrag von Areamobile hat zwar umfassendes Markup:

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Aber der Beitrag von Tweakers.net hat keinerlei Markup:

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Google holt sich Bewertungen für Shops und für Produkte aus vielen, sehr unterschiedlichen Quellen. Dabei scheint es immer unwichtiger zu werden, dass auf den Seiten jeweils Markup vorkommt (auch wenn es sicherlich nicht schadet – im Gegenteil). Google wird wohl immer besser darin, anhand der Seite (Struktur, Text) zu erkennen, um was es sich handelt und um welchen Shop oder welches Produkt es eigentlich geht.

Für Online-Shops bedeutet das sicherlich, dass diese sich noch stärker um die Meinung der Community kümmern sollten. Sicherlich können hierzu auch nach wie vor Bewertungsportale genutzt werden. Aber auch vollkommen unstrukturierte Bewertungen auf fremden Websites können für Google interessant werden.

Produktbewertungen

Google zeigt seit einiger Zeit Produktbewertungen an, die z. T. auch von Online-Shops eingesammelt werden. Gerade in Nicht-Technik-Branchen (also keine Handys, Fernseher, …) fehlen aber noch auf breiter Masse Bewertungen. Hier besteht ein konkretes Potenzial für Online-Shops, die als einzige eine Bewertung für ein Produkt vorweisen können.

Der Nutzer bewegt sich leider überwiegend auf Google, könnte aber auch von dort auf den Shop wechseln und so wahrscheinlicher bei dem Händler kaufen, der die Bewertung für das Produkt hat. Shops müssen also eine grundsätzliche Frage bei Produktbewertungen beantworten:

  1. Glaube ich, dass Besucher eher bei mir kaufen, wenn ich als einziger eine Produktbewertung für ein Produkt habe?
  2. Oder glaube ich, dass Besucher dann zwar bevorzugt das Produkt mit der guten Bewertung kaufen, aber eben nicht bevorzugt in meinem Shop? Also: Helfe ich so vielleicht den anderen Shops, bestimmte Produkte besser zu verkaufen?

Ein Beispiel für diese Frage: Wenn ich nach „kinderbesteck“ suche, sehe ich viele unterschiedliche Produkte, von denen eines immerhin eine Bewertung hat – die anderen Produkte haben keine Bewertungen:

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Die Produktbewertung stammt von Karstadt. Wenn ich nun aber auf das Produkt klicke, sehe ich Karstadt als einen Händler unter vielen. Vor allem ist Karstadt nicht der preiswerteste Anbieter, wenn man sich den Endpreis anschaut:

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Welche Strategie hier richtig ist, wird nicht einmal Karstadt selber wissen, weil sie es einfach nicht messen können. Nur Google kennt hier die Antwort, wird sich dazu aber wohl nicht äußern.

Ich bin mir also absolut nicht sicher, ob wir Shops raten sollten, ihre Bewertungen auch gezielt an Google zu übermitteln…

About Markus Hövener

Markus Hövener ist Gründer und Head of SEO der auf SEO und SEM spezialisierten Online-Marketing-Agentur Bloofusion. Als geschäftsführender Gesellschafter von Bloofusion Germany ist er verantwortlich für alle Aktivitäten in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Markus Hövener ist Buchautor (SEO - Die neuen Regeln), Autor vieler Artikel und Studien rund um SEO und SEM und Chefredakteur des Magazins suchradar.

In seiner Freizeit hat Markus vier Kinder, spielt gerne Klavier (vor allem Jazz) und hört auf langen Autofahrten „Die Drei Fragezeichen“.