Auto-optimierter CPC für AdWords
Dienstag 17. August 2010 von Martin
Google hat ein neues AdWords Feature vorgestellt: Mit der Einstellung Auto-optimierter CPC, oder Enhanced CPC, kann man Google erlauben, die eingestellten CPC-Gebote zu modifizieren, um Conversion-Ziele besser zu erreichen. Dazu berechnet Google auf Grundlage der bereits vorhandenen Conversion-Daten, mit welcher Wahrscheinlichkeit eine Suchanfrage zu einer Conversion führen wird. Das CPC-Gebot wird dann entsprechend erhöht (maximal um 30 %) oder gesenkt. So sollen Advertiser mehr Conversions bekommen während die Kosten pro Conversion stabil bleiben oder sinken. Eine kurze Einführung gibt das folgende Video:
Die Einstellung kann in den Kampagneneinstellungen unter Gebote und Budget aktiviert werden. Sie ist auch für deutsche Konten schon verfügbar.
Da auto-optimierte CPCs auf den eingestellten CPC-Geboten basieren und diese von Fall zu Fall anpassen, sind sie mit anderen Bid-Management-Systemen kompatibel.
Vorteil: Datenbasis
Bei der Auto-Optimierung von CPCs greift Google auf Daten zurück, die Bid-Management-Systeme nicht oder nur schwer berücksichtigen können. Dazu zählt vor allem die Berücksichtigung von konkreten Suchanfragen anstatt von Keywords. Als Beispiele für weitere Faktoren werden historische Daten von Websites im Such- und Content-Netzwerk genannt, auf denen die Anzeigen erscheinen. Außerdem der Aufenthaltsort des Benutzers, Spracheinstellungen, Browser und Betriebssystem. Übersetzt könnte das heißen, dass man alles an Daten berücksichtigt, was man hat. Klar ist, dass Google hier eindeutig die größte Datenbasis zur Verfügung hat. Der Flaschenhals sind dann aber möglicherweise die Conversion-Daten.
Denn Google muss seine Daten noch mit Conversion-Daten kombinieren, um individuelle Keywords bewerten zu können. Selbst wenn Google keine Mindestanzahl von Conversions voraussetzt: Auch der beste Algorithmus muss erst mal lernen, welche Suchanfragen funktionieren, bevor in dieser Richtung Anpassungen vorgenommen werden können. Wer tausend Conversions im Monat erzielt wird also mehr von den Anpassungen haben als jemand, der zehn hat.
Denkbar ist übrigens auch, dass Google benutzerspezifische Daten mit einfließen lässt. Hat Nutzer X schon oft nach Thema Y gesucht und bei ähnlichen Anbietern mehrfach Conversions erzeugt, so könnte Google dies als Signal werten, dass Suchanfragen von X nach Y besonders oft zu Conversions führen. Das ist allerdings nur ein persönliches Gedankenspiel…
Nachteile: Kontrollverlust, Zielkonflikt
Wer die Option Enhanced CPC setzt, kann also von Googles Datenbasis profitieren. Man sollte sich allerdings im Klaren darüber sein, dass Google dann das letzte Wort bei der Gebotshöhe hat. Auch ist nicht ganz klar, woran sich Google bei der Gebotsanpassung orientiert und welche Ziele eigentlich angestrebt werden. Mehr Conversions bei stabilen oder gesenkten Kosten pro Conversion klingt zwar erst mal gut, ist aber auch nur möglich, wenn ausreichend Raum für Verbesserungen da ist.
Die größte Praxishürde sehe ich darin, dass bei den auto-optimierten CPCs nur Conversions berücksichtigt werden. Umsätze bleiben damit außen vor. Daher könnte der Einsatz von Enhanced CPCs durchaus kontraproduktiv sein. Dann nämlich, wenn Keywords mit geringen Umsätzen billigere Conversions generieren und Gebote zulasten von Keywords mit höheren Umsätzen verändert werden – eine klare Fehlsteuerung. Wer also auf Umsatz bzw. ROI abzielt, sollte besser auf Enhanced CPCs verzichten.
Ich denke, wir werden der neuen Option wohl eine Chance geben. In deutschen Accounts dürfte es bis zur Verfügbarkeit der ACE-Testumgebung aber noch schwer sein, Veränderungen zu erfassen.
Martin
Martin Röttgerding ist Head of SEM bei der SEO-/SEM-Agentur Bloofusion. Er bloggt und twittert hauptsächlich zu Google AdWords und schreibt für das suchradar.
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Dieser Beitrag wurde erstellt am Dienstag 17. August 2010 um 12:50 und abgelegt unter SEM. Kommentare zu diesen Eintrag im RSS 2.0 Feed. Sie können einen Kommentar schreiben, oder einen Trackback auf Ihrer Seite einrichten.




Mittwoch 18. August 2010 um 09:39
“Bid Management mit Berücksichtigung von konkreten Suchanfragen anstatt von Keywords”: Also, wir können das schon lange …
Grüße
Jens Maurer
http://www.dc-storm.de
Mittwoch 18. August 2010 um 14:16
Interessantes neues Feature, wir werden es für eine Kampagne mal testen. Aber was genau ist der Unterschied zwischen Enhanced CPC und automatischen CPC Geboten (CPA)?
Mittwoch 18. August 2010 um 14:55
Edit: Ich merke gerade, dass das nicht ganz korrekt war. Also noch mal von vorne…
Ein wesentlicher Unterschied besteht darin, dass der auto-optimierte CPC keinem konkreten vorgegebenen CPA-Ziel verpflichtet ist. Er orientiert sich stattdessen an bisherigen Ergebnissen und versucht, diese noch ein bisschen zu verbessern. Bei der Gebotshöhe ist er auf 130% des eingestellten Gebots begrenzt.
Googles Conversion-Optimizer dagegen verlangt eine ganz konkrete CPA-Zielvorgabe und übernimmt anschließend die volle Kontrolle über alle Gebote.
Ein weiterer Unterschied sind die Voraussetzungen: Der auto-optimierte CPA lässt sich jederzeit einschalten, der Conversion-Optimizer verlangt 15 Conversions in den letzten 30 Tagen. Der Unterschied ist aber eher vorgeschoben: Ohne Erfahrungswerte können die Tools auch nur würfeln…
Mittwoch 18. August 2010 um 16:22
Wieso können Bid Mangement-Systeme auf diese Daten, wie konkrete Suchanfragen, nur schwer zugreifen?
Wir können dies seit Jahren …
Beste Grüße
Jens Maurer
http://www.dc-storm.de
Montag 23. August 2010 um 10:13
Zugreifen können alle darauf, aber Gebote können eben nur auf Basis von Keywords vergeben werden. Vieles lässt sich emulieren, indem man z.B. die Suchanfragen nachträglich als Keywords einbucht, Kampagnen geographisch unterteilt, Gebote per Dayparting-Einstellung anpasst, … Dinge wie Browser und Betriebssysteme bleiben aber auf jeden Fall außen vor.
Freitag 3. Juni 2011 um 11:27
Die Frage für mich stellt sich vielmehr, wer steht an Position 1, wenn sich zwei Bewerber um diesen Platz streiten und beide haben den Auto-CPC eingestellt???
Freitag 3. Juni 2011 um 11:38
Der auto-optimierte CPC sorgt nur dafür, dass das Gebot in die richtige Richtung verändert wird. Die Platzierung wird dabei noch gar nicht beachtet. Die folgt dann anschließend daraus und hängt wie üblich vom (auto-optimierten) Gebot und Qualitätsfaktor ab.