Welchen SEO-Wert haben eigentlich Tag-Seiten?
Dienstag 6. April 2010 von Markus
Auf der SMX hat mich Joachim Glaubrecht nach meiner Präsentation recht kontrovers gefragt, ob Tag-Seiten nicht eigentlich schon tot sind. Grund genug für mich, mir das Thema nochmal anzuschauen. Da kann man theoretisch drüber reden – oder eben einfach einen Test machen.
Für den Test habe ich mir insgesamt 991 Tag-Seiten von Erdbeerlounge.de vorgenommen, die ich über das site-Kommando ermittelt habe. Man kann jetzt argumentieren, dass ich damit das Ergebnis schon ein wenig verfälscht habe, weil das site-Kommando ja auch ein wenig nach interner Gewichtung auflistet. Meine Testmenge entspricht hinsichtlich der internen Relevanz nicht unbedingt einer rein zufällig gewählten Beispielmenge. Ich glaube aber, dass man diesen Effekt für diesen Test vernachlässigen kann, weil es das Ergebnis kaum ändern wird.
Für jedes Tag-Seite (z.B. http://www.erdbeerlounge.de/beliebtes-thema/schubkarre) habe ich also das zugehörige Keyword (in diesem Fall “schubkarre”) ermittelt und über unsere Tools überprüft, wie die Rankings sind. Außerdem habe ich jeweils ermittelt, aus wie vielen Wörtern die jeweilige Suchanfrage besteht. Hier die Übersicht:
1 Wort: 678 Suchanfragen
2 Wörter: 243 Suchanfragen
3 Wörter: 44 Suchanfragen
> 3 Wörter: 26 Suchanfragen
Nach dem Überprüfen der Rankings habe ich dann gesehen, dass es zwar viele Rankings gibt, aber die meisten nicht relevant sind. Für die folgende Statistik habe ich also nur noch die Rankings überprüft, für die es eine Tag-Seite auf die erste Suchergebnisseite geschafft hat (also Position zwischen 1 und 10).
Ergebnis: Von den 991 Tag-Seiten gibt es nur 73, die es auch in die Top 10 schaffen (=7,37%). Auf die Suchanfragen verteilte sich das wie folgt:
1 Wort: 29 Top-10-Rankings (=4,28% der 1-Wort-Suchanfragen)
2 Wörter: 30 Top-10-Rankings (=12,35% der 2-Wort-Suchanfragen)
3 Wörter: 10 Top-10-Rankings (=22,73% der 3-Wort-Suchanfragen)
>3 Wörter: 4 Top-10-Rankings (=15,38% der >3-Wort-Suchanfragen)
Wie man insgesamt sieht (wenn man die >3-Wort-Suchanfragen herausnimmt), steigt die Wahrscheinlichkeit, mit einer Tag-Seite gefunden zu werden, deutlich an, wenn man auf mehrere Wörter abzielt. Viele Suchbegriffe (vor allem die Ein-Wörter) sind einfach zu konkurrenzstark, um dort mit einer automatisiert generierten Seite nach oben (oder überhaupt in die Top 100) zu kommen.
Zurück zur Ausgangsfrage: Lohnen sich Tag-Seiten? Hier im konkreten Beispiel schaffen es immerhin 7,37% der Seiten in die Top 10. Ich halte das für ein gutes Ergebnis, wenn man zweierlei beachtet:
- Es gibt eben nicht nur 1.000 dieser Tag-Seiten, sondern in der Regel deutlich mehr (bei Erdbeerlounge.de ca. 40.000, laut site-Kommando).
- Die Seiten werden über einen Mechanismus generiert, d.h. dass man mit einmaligem geringem Entwicklungsaufwand meiner Meinung nach schon einen guten Wert generieren kann.
Der Grund, warum ich Tag-Seiten auf der SMX kurz erwähnt hatte, war übrigens nicht nur unter dem Aspekten, dass man damit direkte Rankings erzielen kann. Ich finde Tag-Seiten auch unter dem Blickwinkel der internen Verlinkung interessant, weil man so “interne Hubs” erzeugen kann, die eine interne thematische Verlinkung erzeugen.
Mein Fazit: Tag-Seiten haben immer noch ihre Berechtigung, wenn man sie denn auch richtig einsetzt. Also: Nicht nur Tag-Seiten für Ein-Wörter, sondern vor allem für Zwei- und Drei-Wort-Suchanfragen. Und: Bei allem sollte man immer Googles inoffizielles Mantra beachten, dass Seiten einen Mehrwert für den Nutzer haben müssen.
Markus
Markus Hövener ist geschäftsführender Gesellschafter der SEO-/SEM-Agentur Bloofusion und Chefredakteur des Magazins suchradar.
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Dieser Beitrag wurde erstellt am Dienstag 6. April 2010 um 08:30 und abgelegt unter SEO. Kommentare zu diesen Eintrag im RSS 2.0 Feed. Sie können einen Kommentar schreiben, oder einen Trackback auf Ihrer Seite einrichten.



Dienstag 6. April 2010 um 10:00
Ich hab jetzt erst nach meiner Domain Änderung alles ausser Startseite und Artikel auf noindex gesetzt. Ich hab das Gefühl das sich Tagseiten und Artikel teilweise beissen. Da ranken Artikel schlechter oder kommen gar nicht in den Index wegen der Tagseite. Ich hab nur Auszüge auf den Tagseite, ich möchte gar nicht dran denken wie das aussieht wenn jemand auch da die ganzen Artikel anzeigt. Ist doch auch ein Punkt (DC) wo man beachten sollte, oder?
Dienstag 6. April 2010 um 10:05
DC ist hier ein Punkt, aber man würde ja eh nur Teaser bringen. Eine Tag-Seite sollte ja auf möglichst viele passende Artikel verlinken und die nicht alle komplett anzeigen.
Dienstag 6. April 2010 um 10:14
Richtig so seh ich das ja auch. Ich hatte/habe ja auch nur Teaser auf den Tagseiten. Ich werde das ganze jetzt einfach mal über einen längeren Zeitraum beobachten und dann mein Fazit ziehen.
Dienstag 6. April 2010 um 14:38
Weil ich selbst bisher sehr gute Erfahrungen damit gemacht habe, gehören Tag-Seiten (bzw. klassische Kategorie-Seiten) zu meinen bevorzugten Empfehlungen für die inhaltliche On-Page-Optimierung von Blogs (oder Blog-ähnlichen Website-Bereichen), die von mehreren, tendenziell eher SEO-abgeneigten Autoren befüllt werden.
Dann braucht man die Autoren nämlich “nur” darauf zu eichen, dass sie bestimmte wichtige Begriffe ab und zu in ihren Hauptüberschriften und in den Artikel-Teasern (bzw. im jeweils ersten Absatz) verwenden. Im Rest des Artikels können sie dann schreiben was sie wollen. Das ist für viele Nicht-SEO-Texter dann auch schon das Maximum an erträglichen SEO-Gängelungen.
Auf jeder Tag-/Kategorie-Seite dann noch eine hübsche Kategorie-Beschreibung über der Artikelliste platziert. Und schon hat man mit wenig Aufwand eine halbwegs ordentlich optimierte Seite. Da von außen wahrscheinlich eher wenige Links kommen ist eine starke interne Verlinkung natürlich Pflicht.
Ganz wichtig sind außerdem die schon erwähnten Teaser. Mehr als Überschrift und Teaser verwende auch ich grundsätzlich niemals in Blog-Artikellisten. (Das gilt nicht nur für Tag-Seiten, sondern auch für Blog-Startseiten und Archive.) Komplette Artikel gibt es ausschließlich in der Einzelansicht. Mit dieser Vorgehensweise hatte ich noch nie DC-Probleme und habe bisher auch noch in keinem Blog ein Canonical-Tag nutzen müssen.
Donnerstag 8. April 2010 um 13:45
Ich nutze die Tags auch in unserem Blog, allerdings bin ich von deren Traffic auch nicht so recht überzeugt. Bei uns haben alle Tag-Seiten zusammen einen Traffic vergleichbar mit einer kleineren Blog-Kategorie. Wobei der meiste Traffic tatsächlich auf Ein-Wort-Suchbegriffe entfällt. Allerdings liegt der Anteil bei lediglich rund 3 %, was mich etwas mehr stört ist die um fast 6 % höhere Absprungrate und um 44 % höhere Ausstiege als im Site-Durchschnitt. Vermutlich werde ich mal ein paar Mehr-Wort-Begriffe als Tags nutzen, um mal zu sehen, ob es dann tatsächlich aufwärts geht.
Freitag 9. April 2010 um 15:57
Meines Erachtens sind Themenseiten (Tag-Seiten) bei großen Portalen mit redaktionellen Inhalten die einzige Möglichkeit, gezielt Relevanz zu spezifischen Keywords aufzubauen. Oder welcher der 1.623 Artikel zu Angela Merkel soll denn der wichtigste sein und von den Suchmaschinen ausgespielt werden?
Weiterhin hat Michael völlig recht. Dem Internet kritisch gegenüber stehende Redakteure zum SEO-gerechten texten zu bewegen ist mitunter eine Herkules-Aufgabe. Die Kollegen zum Setzen von Tags zu bewegen, ist da deutlich einfacher.
Sonntag 2. Mai 2010 um 17:18
Tags finde ich vor allem für die innere Durchblutung und Usability elementar, wenn sie in der single.php mit angezeigt werden und weiterführende Funktion haben. Bei den eigentlichen Tagseiten schwanke ich: Bei einigen Blogs ziehen manche Tags richtig schön Traffic, bei anderen setze ich sie lieber auf noindex. Zu einer wirklich eindeutigen Strategie kann ich mich immer noch nicht entschließen