Die Internetkapitäne

Das SEO/SEM-Blog von Bloofusion

Personalisierung von Suchergebnissen - fünf Probleme!

Donnerstag 10. Dezember 2009 von Markus

Google hat vor einigen Tagen angekündigt, dass auch Google-Nutzer, die nicht eingeloggt sind, in den Genuß personalisierter Suchergebnisse kommen. Natürlich wird Google nicht müde darauf hinzuweisen, dass das alles ganz harmlos ist und vor allem der Verbesserung der Suchergebnisse dient:

In manchen Blogs fielen auch schon wieder die üblichen Phrasen: SEO ist tot. Ranking-Auswertungen sind tot. Google weiß alles.

Ich stimm dem nicht unbedingt zu. Vor allem aber mag ich es, sich mal wirklich die Problemfelder anzuschauen, bevor man das Ende der Welt heraufbeschwört.

Problem #1: Personalisierte Ergebnisse sollten nicht der Standard sein

Die Beispiele von Google sind relativ konstruiert. Bei der personalisierten Suche kommen ja immer wieder dieselben Beispiele: Der eine sucht nach “golf” als Sport, der andere als Auto. Ja, super Beispiele, aber wie viele meiner Suchanfragen fallen wohl in dieses Raster? Bei wie vielen Suchanfragen kann Google aus früheren Suchanfragen etwas für heutige Suchanfragen lernen?

Beispiel: Jemand sucht heute nach “porzellan kpm” und morgen nach “immobilien münchen”. Was lerne ich daraus? Selbst als denkender Mensch (im Gegensatz zur nicht-denkenden Google-Maschinerie) würde es mir schwerfallen, auf Basis dieser Suchanfragen ein Profil zu erstellen. Sucht da jetzt jemand eine Immobilien in München? Oder will er eine verkaufen? Will da jemand Porzellan von KPM kaufen? Oder will er nur für seine Frau eine Information über den Hersteller heraussuchen? Oder ist es ein Investor, der in KPM investieren möchte?

Und vor allem: Wie könnte die erste Suchanfrage die zweite beeinflussen? Also: Wie viele der Suchanfragen qualifizieren sich eigentlich dafür, zur Personalisierung herangezogen zu werden? Mir fehlen da die Zahlen - die wohl nur Google selber hat - aber ich würde mal sagen, dass es wohl nur ein einstelliger Prozensatz sein kann. Wer also immer das Ende von SEO heraufbeschwört, sollte sich vielleicht über den Punkt der Relevanz erstmal Gedanken machen.

Problem #2: Personalisierte Ergebnisse engen meinen Blick ein

Wenn ich in den Suchergebnissen häufig auf SpOn-Ergebnisse klicke, sorgt das dafür, dass SpOn-Ergebnisse tendenziell weiter vorne erscheinen, weil ich ein Signal an Google schicke, dass diese Website relevant für mich ist. Nur: Will ich das eigentlich? Wenn ich nach politischen Themen suche, wäre es doch eigentlich gut, wenn ich meinen Blick auf die Welt erweitere und nicht immer nur in meinen favorisierten Websites blättere.

Dass eine von mir oft angeklickte Website tendenziell bessere Rankings erzielt, hilft mir zwar, schnell etwas zu finden. Aber ein Garant für diversifizierte Ergebnisse ist das sicherlich nicht.

Problem #3: Personalisierte Ergebnisse sind ein Usability-Problem

Viele meiner Suchanfragen stehen in keinerlei Bezug zueinander. Gut, dass mag vor allem so sein, weil ich oft nach bestimmten Kunden oder Projekten suche, die nichts miteinander zu tun haben. Das mag aber auch daran liegen, dass ich nicht nur SEO bin, sondern auch Papa, Ehemann, Häuslebauer, Unternehmer, Münsterländer, Musiker und wohl noch vieles andere, was ich hier lieber nicht anspreche :)

Ein Beispiel: Ich suche zuerst nach “taufe”, weil ich als Papa mich über den Ablauf einer Taufe informieren möchte. Danach suche ich nach “besteck kaufen”, weil ich für unsere neue Agentur Besteck brauche. Wer sich ein bisschen mit der Taufe auskennt, weiß, dass Kinderbestecke (vor allem mit Gravur) ein beliebtes Taufgeschenk sind. In diesem Fall möchte ich also auf gar keinen Fall, dass Google aus meiner ersten Suchanfrage darauf schließt, dass sich meine zweite Suchanfrage auf Besteck für Kinder bezieht.

In anderen Fällen (gerade bei Anfragen, die lokal bedient werden können), macht Personalisierung aber absolut Sinn. Ich bräuchte also eigentlich zweierlei:

  1. Google müsste mir sagen, auf welcher Basis jetzt eigentlich eine Ranking-Verschiebung erfolgt.
  2. Ich müsste das unterbinden können.

Wenn Google mir bei der Suche nach “besteck kaufen” also etwas schreibt wie “Meinen Sie Ihre Suchanfragen in Bezug auf die Konzepte <Kinder> und <Taufe> ODER allgemein”, dann könnte ich das klar beantworten und den Einfluss dieser Faktoren ausstellen. Falls nicht, würde ich wahrscheinlich an manchem Punkt zu dem Ergebnis kommen, dass Google eine schlechte Suchmaschine ist.

Problem #4: Personalisierte Ergebnisse helfen mir nicht, mich weiterzubilden

Die Idee ist ja ganz gut: Ich gebe “golf” ein und Google weiß, dass ich damit Autos meine, weil ich in den letzten Monaten immer mal wieder nach “volkswagen” oder “golf IV gebraucht” gesucht habe.

Aber das hilft mir nicht dabei zu lernen, wie man effektivere Suchanfragen an Google stellt. Google nimmt mir Arbeit ab und raubt mir dabei Kontrolle und vor allem die Notwendigkeit, mich mit der Funktionsweise einer Suchmaschinen auseinanderzusetzen.

Problem #5: Personalisierte Ergebnisse sind nicht ganz anders

Wer behauptet, dass Ranking-Auswertungen sinnlos geworden sind, hat natürlich insoweit Recht, als dass die ermittelten Rankings nicht stimmen. Trotzdem muss man ja sehen, dass es wohl nicht so sein wird, dass ein Nutzer Website X auf Platz 1 sieht und ein anderer Nutzer diese Website nicht in der Top 100 erblicken wird.

Personalisierung hat meiner Meinung nach eher etwas mit Verschiebungen innerhalb der Rankings zu tun. Wer per Ranking-Auswertungen ein gutes Top-Ranking misst, kann auch mit hoher Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass die Website in personalisierten Ergebnissen gute Rankings zeigen wird.

Mein Fazit

Nichts wird so heiß gegessen wie es gekocht wird. Personalisierung wird immer zunehmen. Für manche Suchanfragen mag das gut sein, für manche nicht. Manche Nutzer werden davon profitieren, manche vielleicht nicht.

Meine Sorgen bestehen eher darin, dass Google über mich Annahmen fällt, die dazu führen, dass Suchanfragen für mich ins Negative verschoben werden. Da es sich bei alledem nur um statistische Auswertungen handelt, sind Fehler natürlich nicht ausgeschlossen.

Ich sehe das auch bei Amazon, wo ich in der Vergangenheit mal Bücher für meinen Schwager bestellt habe und heute immer noch Bücher über Robotik angeboten bekomme. (Gut, Amazon könnte auch langsam mal lernen, dass mich das Thema null interessiert, weil ich noch auf eins der Bücher geklickt habe, aber das ist ein anderes Problem)

Aber wie so immer: Da müssen wir mal schauen, was Google mit uns vorhat.

Dieser Beitrag wurde erstellt am Donnerstag 10. Dezember 2009 um 16:29 und abgelegt unter SEO. Kommentare zu diesen Eintrag im RSS 2.0 Feed. Sie können einen Kommentar schreiben, oder einen Trackback auf Ihrer Seite einrichten.

7 Kommentare über “Personalisierung von Suchergebnissen - fünf Probleme!”

  1. Michael VietenNo Gravatar schrieb:

    Ganz ähnlich habe ich mich ebenfalls in den vergangenen Tagen ausgedrückt. Das Amazon Problem habe ich übrigens auch.
    Ich sehe noch ein weiteres Problem. Wo werden diese Daten abgelegt? Auf meinem Rechner, als Cookie? Cool. Dann kann ich sie ja jederzeit löschen. Bei Google. Schlecht. Dort kann ich sie nicht beeinflussen.
    Was, wenn jemand vorübergehend in einer Firma am Rechner eines Kollegen sitzt? Was bekommt der dann alles angeboten? Nach dem Motto: “Das könnte sie auch interessieren!”
    Allerdings, und zwar für die nächste Sitzung beim Chef.

  2. MarkusNo Gravatar schrieb:

    Naja, der Cookie ist bei Dir & die Daten dazu bei Google. Der Cookie identifiziert Dich gegenüber Google. Und den kann man löschen.

  3. MarcelNo Gravatar schrieb:

    Hi Markus,
    sehr schöner Beitrag, ich sehe das ganz genauso. Für neue Suchanfragen wird sich meiner Meinung nach auch gar nicht so viel ändern, da es dazu überhaupt gar keine persönliche History geben kann.
    Marcel

  4. Marc BohlenNo Gravatar schrieb:

    Bei personalisierter Suche muss ich immer an Amazon denken.

    Wenn man da mal für Tante Emmy nach Stützstrümfen schaut muss man damit rechnen künftig damit belästigt zu werden :-).

    Nützlich fand ich dieses “Feature” bisher noch nie, für mich ist es eher ein Bug.

  5. MarkusNo Gravatar schrieb:

    Ich hab schon oft auf Amazon-Empfehlungen mit einem Kauf reagiert, weil die mich oft auf SEO-/SEM-Bücher hinweisen. Aber Stützstrümpfe… naja… paar Jahre habe ich noch ohne…

  6. TapsNo Gravatar schrieb:

    Bei Amazon kann man aber die einzelnen nicht relevanten Artikel aus der Auswertung rausschmeißen. (Nicht für Auswertung nutzen, oder so)

  7. MarkusNo Gravatar schrieb:

    Cool, wusste ich noch nicht. Wo geht das denn?

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